„Ein Leben für die Freiheit“ - Der Autor Joachim Maass hat Leistungen und Verdienste von Carl Schurz zusammengetragen und in einem Buch veröffentlicht Bewegtes Leben gäbe reizvollen Stoff für einen Roman her

Von 
Elmar Zegewitz
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Hardheim. 1860 geradezu zum „president-maker“ oder mindestens zum „Crusader“, zum Kreuzfahrer, gemacht hat sich bei der Wahl des späteren amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln vor 160 Jahren der nach Amerika ausgewanderte Carl Schurz. Dessen Namen trägt die Hardheimer Bundeswehrkaserne.

„Carl Schurz – Ein Leben für die Freiheit“. © Elmar Zegewitz
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Diese und weitergehende Leistungen und Verdienste sowie die Karriere in den USA, die der Autor Joachim Maass unter dem Titel „Carl Schurz – Ein Leben für die Freiheit“ (Steuben-Schurz-Gesellschaft, Frankfurt/Main) schon vor längerer Zeit veröffentlicht hat, verdienen das Interesse der Bevölkerung.

Carl Schurz war Ende der 1840er Jahre ein radikaldemokratischer deutscher Revolutionär und nach seiner Auswanderung in die Vereinigten Staaten während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Politiker. Von 1877 bis 1881 war er sogar Innenminister der Vereinigten Staaten zur Zeit des amerikanischen Präsidenten Rutherford Hayes.

Das bewegte Leben von Carl Schurz gäbe eigentlich schon fast ausreichenden reizvollen Stoff für einen Roman oder gar für eine Verfilmung her. Das beginnt schon damit, dass der sich in den Fürstentümern des Deutschen Bundes der demokratischen Bewegung angeschlossen hatte und an der bürgerlichen Märzrevolution von 1848/49 beteiligt war. Insbesondere in der letzten Phase der badischen Revolution von Mai bis Juli 1849. Er konnte aus der von Bundestruppen eingeschlossenen Festung Rastatt entkommen und sich ins Exil absetzen. Darauf hielt er sich bis 1852 zeitweilig in Frankreich, der Schweiz und in Großbritannien auf, zudem inkognito in Preußen, um seinem aufgrund revolutionärer Aktivität inhaftierten Lehrer und Freund Gottfried Kinkel zur Flucht aus dem Zuchthaus Spandau zu verhelfen.

Abenteuertat in seiner Jugend

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Im November 1849 wurden sie von Rostock nach Warnemünde und dort an Bord des vor Anker liegenden Segelschiffs Anna verbracht, mit dem sie die Heimat verließen. Durch diese Abenteuertat seiner Jugend wurde Schurz berühmt, berüchtigt und gefürchtet. Manche Gerüchte rankten sich um seine Person.

Er wurde zu einerinternationalen Berühmtheit und als diplomatischer Vertreter einer befreundeten Großmacht zu einer unantastbaren Persönlichkeit geworden. Er ging nach Frankreich und England und entschied sich dann als Realist im Wissen um den Sieg der Reaktion in Europa und die aussichtslosen Perspektiven für den Weg nach Amerika. 1852 landete er in New York.

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Er ging dorthin, um nach seinem eigenen Ausdruck „für die Sache der menschlichen Freiheit“ zu kämpfen. Um dabei erfolgreich zu sein, galt es für ihn neben der Sprache manches Andere zu lernen.

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Ein Aufenthalt in Washington verhalf ihm zu einem hochgradigen Bild von den politischen Umständen und er erkannte, dass die Demokratie dort unter den zwei „Krebsschäden Beutesystem und Negersklaverei“ krankte. Es wollte ihm nicht in den Kopf, wie ein moralisch verantwortlicher Mensch für die Sklaverei sein könnte. Und auch überall im Land gab es heftige Gegner der Sklaverei.

Die Folge war die Gründung der Republikanischen Partei als dritte Partei. Die sammelte Gegner der Sklaverei und machte deren Bekämpfung zu einem ihrer wesentlichen Programmpunkte.

Nach seinem Studium des amerikanischen Rechts wurde Schurz als Anwalt zugelassen und konnte nun „für die alte Sache der menschlichen Freiheit“ kämpfen. Er setzte sich durch und die Republikaner von Wisconsin boten ihm bereits den zweithöchsten Posten auf ihrer Wahlliste an. Wenn auch ohne Erfolg für Schurz, so war andererseits für ihn Abraham Lincoln in seinem Bemühen um Sklavenbefreiung der richtige Mann, den es für ihn zu unterstützen galt.

Der wurde denn auch „Honest Abe“, der anständige Abe, genannt und war bei den einfachen Leuten sehr beliebt. Schurz setzte sich nachdrücklich und höchst engagiert für dessen Wahl zum Präsidenten ein und trug mit unbändiger Energie und zahllosen leidenschaftlichen Werbe- und Wahlreden seinen erheblichen Anteil teil dazu bei, dass Lincoln dann tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten wurde und überdies 1864 wieder gewählt wurde, der aber auch einem Attentat zum Opfer fiel.

„Größter Mann Amerikas“

Von Lincoln wurde der als „größter Mann Amerikas“ charakterisierte Carl Schurz als Gesandter nach Madrid geschickt, obwohl er lieber in Amerika geblieben wäre, wo es dann zu einem nicht zuletzt auch durch die Sklaverei verursachten Krieg zwischen den Nord- und den Südstaaten kam.

Schurz fühlte sich in Madrid fehl am Platz, konnte nach Lincolns Zustimmung nach Amerika zurückkehren und wurde Brigadegeneral.

Für ihn war es eine Genugtuung, als im Jahr 1865, als der Sieg des Nordens so gut wie entschieden war, im Kongress in Washington die Zusatzklausel zur Verfassung angenommen wurde, die die Sklaverei in Amerika abschaffte.

Doch als der volkstümliche Präsident Lincoln einem Attentat zum Opfer fiel, formulierte Schurz „ Unserem Triumph ist die Lust des Jubels vergällt“. Er wandte sich der Pressearbeit zu, war aber weiter leidenschaftlicher Kämpfer der Republikaner, setzte sich für die Wahl von General Ulysses Grant zum Präsidenten ein und wurde ob seiner neuen Popularität Kandidat für die Senatorenschaft in Washington.

Er wurde zum Senator gewählt, was er als größten Sieg seines Lebens empfand. In dieser Funktion widmete sich Schurz nachdrücklich dem Bemühen um Umsetzung seiner in der Politik gesteckten Ziele. Das führte zu Reibereien mit dem Präsidenten und auch mit den Republikanern, die verhinderten, dass er ein drittes Mal zum Senator gewählt wurde.

Weil diese sich politisch dann aber eines Besseren besonnen hatten, setzte er sich für die Wahl von Rutherford Hayes zum Präsidenten ein, der Schurz ins Innenministerium berief.

Als er sich um die Realisierung seiner politischen Ziele als unabhängiger Reformer mühte, stieß dies auf Wut bei den Nutznießern des von Schurz abgelehnten „Beutesystems“.

Er widmete sich dennoch engagiert weiterhin den von ihm verfolgten Zielen und hatte in Anbetracht des Wissens um die Schicksale der Indianer sowie des berühmten Aufstands der Sioux unter ihrem Häuptling Sitting Bull und der Niederlage von General Custer bei Little Big Horn Erfolg in dem Bemühen um die Neuorganisation und ein starkes, positives Aufbauprogramm für die „Indian Affairs“.

So leistete er seiner neuen Heimat als Minister ebenso wie als Senator vorzügliche Dienst, ehe er in Ruhestand ging, in dem er die Herausgeberschaft der New York Evening Post als einer der führenden Zeitungen übernahm und auch das Ziel, die friedlichen Beziehungen zwischen seiner alten Heimat Deutschland und der neuen, Amerika, aufrecht zu erhalten, als wichtig einstufte. Er starb im Mai 1906. Sein verdienstvolles Wirken in Amerika sieht man an verschiedenen Orten in Deutschland durch Nutzung seines Namens gewürdigt.