Bundeswehr - Auszeichnung mit dem Ehrenkreuz für 18-jährigen Obergefreiten Tyrelis Lamont Kurz / Vorfall ereignete sich im Mai in Neustadt an der Weinstraße Bewaffneten Mann überwältigt

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Bataillonskommandeur und Oberstleutnant Pascal Pane (rechts) überreicht dem Obergefreiten Tyrelis Lamont Kurz (links) für seine Zivilcourage das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber. © Karsten Dyba

Für sein vorbildliches Verhalten im Mai im pfälzischen Neustadt wurde der Obergefreite Tyrelis Lamont Kurz jetzt mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet.

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Hardheim. An die Gefahr dachte er nicht: Der Obergefreite Tyrelis Lamont Kurz hat im Mai einen bewaffneten Mann im pfälzischen Neustadt überwältigt und festgehalten, bis die Polizei kam. Dafür wurde er nun von der Bundeswehr mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet. Als Held fühlt sich der junge Panzersoldat nicht, was er aber getan hat, ist „das höchste Maß an Zivilcourage, das man zeigen kann“, lobt sein Kompaniechef.

„Ich hab’ eigentlich nicht lange darüber nachgedacht“, sagt Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz. Er habe einfach nur funktioniert. Es sei alles ganz schnell gegangen, und als die Polizei kam, „da war mir erst so richtig klar, was da los war“. Kurz musste sich erst einmal hinsetzen. Es war alles andere als ungefährlich. Doch was der 18-jährige Panzersoldat getan hat, ist der Bundeswehr eine ganz besondere Anerkennung wert: Kurz erhielt das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber in der Sonderform (roter Rand) für eine hervorragende Einzeltat. „Es ist für mich das erste Mal, dass ich diese Auszeichnung überreichen darf“, sagte Oberstleutnant Pascal Pane, Kommandeur des Panzerbataillons 363 in Hardheim, beim Bataillonsappell.

Deckung gesucht

Es ist ein Abend im Mai, am Bahnhof im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße. Kurz war am späten Abend in Zivil mit einem Freund unterwegs, weil er zuvor seine Freundin zum Bahnhof gebracht hatte. Vom menschenleeren Bahnsteig rief die Freundin an, völlig aufgeregt: Ein Mann sei da, der mit einer Waffe in der Hand über die Gleise laufe. Kurz überlegt nicht lange; er rennt zurück. „Wo ist der Mann?“ fragt er seine Freundin, die sich am Ende des Bahnsteigs eine Deckung gesucht hatte. Im Dunkeln sieht er ihn auf der Überführung zum nächsten Bahnsteig.

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Bevor der Mann das Ende der Treppe erreicht, spricht der Hardheimer Soldat ihn an und fragt, ob er Waffen bei sich trage. „Ja“, antwortete der Fremde. Da reagiert Kurz sofort, zieht ihm die Beine weg, bringt ihn zu Fall und hält ihn am Boden fest, bis die Polizei eintrifft. Seinen Freund, der ihn begleitet, bittet Kurz, die Beamten zu Hilfe zu rufen. Zwei Messer und eine Pistole nehmen sie ihm ab. Offensichtlich wollte der betrunkene oder unter Drogeneinfluss stehende Mann damit versuchen, seinen Bruder anzugreifen, mit dem er zuvor in Streit geraten sein soll, berichtet die Polizei später.

„Was wäre, wenn ich derjenige wäre, der bedroht wird?“, fragte sich Kurz später. „Dann würde ich mir doch auch wünschen, dass jemand einschreitet, anstatt mich allein zurückzulassen.“ Ob eine solche Reaktion für ihn gefährlich sein könnte, das kam ihm gar nicht in den Sinn. Er habe vor allem an seine Freundin gedacht: „Mir war es wichtig, ihr zu helfen und den Kerl zu stellen.“ Und er dachte daran, dass der Mann womöglich bewaffnet in einen Zug einsteigen könnte, oder aussteigende Reisende attackiert. Dabei bewies er eine Courage, die nicht gewöhnlich ist.

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„Ich komme aus einer Soldatenfamilie“, sagt Kurz, der Vater war US-amerikanischer Soldat, seine Mutter stammt aus Uganda, der Stiefvater ist Pfälzer. Seit einem Jahr ist Kurz selbst Soldat, derzeit bei der 1. Kompanie des Panzerbataillons 363 in Hardheim. Die Ausbildung bei der Truppe habe womöglich dazu beigetragen, die Situation zu meistern. „Es fiel mir leicht, schnell eine Entscheidung zu treffen und einzuschreiten.“ Das war mutig, sagt auch die Polizei. Den Ordnungshütern hätte es auch schon gereicht, wenn Kurz einfach nur den Notruf gewählt und seine Freundin in Sicherheit gebracht hätte.

Vorbildlich gehandelt

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„Das ist das höchste Maß an Zivilcourage, das man zeigen kann“, lobt Kompaniechef Major Matthias Esser. In seiner Kompanie dient Kurz als Kfz-Mechatronik-Soldat im Technischen Zug der 1. Kompanie. Den Vorfall in Neustadt habe Kurz seinem Vorgesetzten gemeldet. Daraufhin habe Esser begonnen, zu recherchieren. Der Anruf bei der Polizei machte deutlich: Kurz handelte vorbildlich. Auch der Bataillonskommandeur ist stolz auf seinen Panzersoldaten: „Diese hervorragende Einzeltat zeigt, dass Werte und Tugenden, die wir unseren Soldaten vermitteln, nicht nur leere Worte sind, sondern auch gelebt werden.“

„Ich bin ziemlich überrascht“, sagt Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz nach der Verleihung. Die Aufregung ist ihm doch anzumerken. Nie im Traum hätte er damit gerechnet, als junger Obergefreiter für den Vorfall im Mai ein Dreivierteljahr später mit einem der höchsten Ehrenzeichen der Bundeswehr ausgezeichnet zu werden.

Obendrein ist Kurz am selben Tag von seinem Kompaniechef regulär zum Hauptgefreiten befördert worden. Das muss er erst einmal verdauen. Und was sagen dazu wohl die Eltern? „Die werden stolz sein“, glaubt Kurz. Aber anrufen will er jetzt nicht. „Das erzähle ich ihnen besser am Wochenende, wenn ich wieder zu Hause bin.“