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Leserbrief - Zu „Brötel: Für ,Energieflächen’ muss ein Ausgleich her“ (FN 27. Oktober) Befürchtung: Beim prognostizierten Flächenbedarf fehlt eine Null

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Immer mehr riesige schwarzglänzende Flächen von PV-Modulen mit dem netten Namen Solarpark schieben sich über Wiesen und Felder. Bisher meist entlang von Autobahnen und Bahngleisen, drängen sie sich nun auch in Naherholungsbebiete. „Nur 2 Prozent“ der Gesamtfläche werden bedeckt, beschwichtigt die Landesregierung. Zieht man bebaute Flächen ab, Gewässer, Wälder etc., dann könnten es auch vier Prozent und mehr der noch zur Verfügung stehenden Flächen werden.

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Bevorzugt werden natürlich dünn besiedelte Gegenden, wie zum Beispiel in Nordbaden. Unsere grüne Umweltministerin Thekla Walker macht Druck, Ministerpräsident Kretschmann will gar eine Task Force gründen, um den Bau von Windrädern und PV-Anlagen zu beschleunigen.

Denn neun GW installierte Leistung aus drei AKW und zehn Kohlekraftwerken ( insgesamt neun Millionen Kilowatt inst. Leistung ), die fast zehn Prozent des jährlichen Strombedarfs in Höhe von etwa 550 Milliarden KWh produzierten, werden uns bereits 2022 fehlen, weil die als Ersatz geplanten, mit Erdgas betriebenen GuD-Kraftwerke nicht gebaut wurden. Denn mittlerweile ist auch Erdgas, weil fossil, keine Option mehr.

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Landrat Dr. Brötel: Für die geforderten Energieflächen muss es einen Ausgleich geben

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Von
Sabine Braun
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Solarparks und Windenergie sollen die drohende Unterversorgung ausgleichen. Weil aber immer noch die Speicher fehlen (die 36 Pumpspeicherwerke reichen höchstens ein paar Stunden), ist auch dieser Plan zum Scheitern verurteilt. Denn die Sonne ist eine Saisonarbeiterin und der Wind ein fauler Gelegenheitsarbeiter, der meistens nur herumsteht. Was im Sommer zu viel produziert wird, fehlt jedoch im Winter. Unsere so tolle Methode beruht lediglich darauf, dass zu viel erzeugte Energie den Nachbarn zur Entsorgung ins Netz gedrückt wird (kostet uns bis zu acht Cent Entsorgungskosten pro KWh ), und im Winter muss teuer zugekauft werden. Die Einspeisung volatiler Energie hat gesetzlich Vorrang, Kohlekraftwerke müssen entsprechend zurückgefahren werden.

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Das ist Aufgabe der Netzbetreiber und ein komplizierter Balanceakt zwischen Einspeisung und Verbrauch, der uns Milliarden von Euro kostet. Der weltweit höchste Strompreis ist nun das Ergebnis. Ein „Weiter so“ wäre wirtschaftlicher Selbstmord. Der gleichzeitige Ausstieg aus Atom- und Kohleenergie treibt nicht nur Topmanagern wie z.B. Herbert Diess ( VW ) und Prof. Wolfgang Reitzle (Linde) die Sorgenfalten auf die Stirn. Auch der französische Experte Prof. Thierry Bros und der Präsident der österreichischen Gesell-schaft für Krisenvorsorge GfKV Herbert Saurugg warnen dringend vor einer Versorgungs-lücke, Destabilisierung des europäischen Stromnetzes und raten dringend zumindest die sechs Atomkraftwerke vorerst weiter zu betreiben.

Um nur ein AKW zu ersetzen, müssten 1500 Windräder oder ein Solarpark von 100 Quadratkilometern installiert werden. Zum Vergleich: Gemarkung Hardheim mit Ortsteilen hat 87 Quadratkilometer.

Die Versorgungslücken sollen laut BMWi mit elektrolytisch erzeugten Wasserstoff mit Strom aus Photovoltaik – denn Strom aus Onshore-Windenergie ist zu unstet – geschlossen werden. Dieser soll gespeichert werden ( 700 bar / -252˚ ) und bei Bedarf mittels Brennstoffzellen verstromt. Um auf diese Weise ein KWh zu erzeugen muss man vorher etwa vier KWh aus Solarenergie hineingesteckt haben. Deutschland braucht täglich 1,5 Milliarden kWh Strom, eine Dunkelflaute kann bis zu zwei Wochen dauern, das heißt wir benötigen ein Speichervolumen, dem man bis zu 22 Milliarden KWh Strom entnehmen kann.

Ich fürchte daher, beim prognostizierten Flächenbedarf von 2 Prozent fehlt eine Null.

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