Fund im Archiv von Ludwig Schön - Historisches Faltblatt aus dem Jahr 1967 mit Informationen zum damaligen Landkreis Buchen / Walldürn hatte die meisten Einwohner Als Hardheim die drittgrößte Kommune war

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Adrian Brosch
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Alphabetisch wurden die 82 Gemeinden des ehemaligen Landkreises Buchen in diesem historischen Faltblatt sortiert. © Adrian Brosch

Einen historischen Fund machte der Hardheimer Ludwig Schön in seinem Archiv: ein Faltblatt mit Informationen über den damaligen Landkreis aus dem Jahr 1967.

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Neckar-Odenwald-Kreis/Hardheim. Ein besonderes „Nachschlagewerk im Kleinformat“ fand der Hardheimer FN-Leser Ludwig Schön in seinem Archiv. Es handelt sich um ein kompaktes, mit zahlreichen statistischen Informationen versehenes Faltblatt aus dem Jahr 1967, das den damaligen Landkreis Buchen – der zum größten Teil im heutigen Neckar-Odenwald-Kreis aufging – in Zahlen wiedergibt.

Ein Plus von 95 Prozent

Besonders interessant mutet an, dass die Stadt Walldürn zum 30. Juni 1967 über 7993 Einwohner in 2243 Haushalten verfügt hatte und damit deutlich größer als der damalige Kreissitz Buchen (5578 Einwohner in 1579 Haushalten) gewesen war – Walldürn war nach Zahlen auch flächenmäßig mit 3557 Hektar Gesamtgemarkung die größte Stadt des Landkreises Buchen und hatte gegenüber einer Zählung im Jahr 1939 ein Plus an 95 Prozent der Einwohner erzielt.

Buchen wies gar einen Zuwachs von 127 Prozent im selben Zeitraum auf – sicher auch durch Heimatvertriebene, die nach 1945/46 ein neues Zuhause im fränkischen Odenwald gefunden hatten. Unter den 1973 in die Stadt Buchen eingemeindeten Ortschaften stellte Hettingen mit 1989 Einwohnern damals noch vor Hainstadt (1718 Einwohner) die größte Gemeinde dar; Stürzenhardt als heute noch kleinster Stadtteil kam seinerzeit auf 90 Einwohner und eine Gemarkung von 301 Hektar.

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Auch in Hardheim – damals 2670 Hektar groß und mit 4509 Einwohnern in 1278 Haushalten drittgrößte Kommune des Kreises – zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Die Einwohnerzahl stieg zwischen 1939 und 1967 um satte 100 Prozent an. Adelsheim kam auf 3363 Einwohner mit 948 Haushalten und wies einen Einwohnerzuwachs von sogar 114 Prozent auf; Osterburken mit 3246 Einwohnern in 925 Haushalten übertraf diese Rate mit einem Plus von 117 Prozent zwischen 1939 und 1967.

Das freilich vermochte die Gemeinde Seckach noch zu übertrumpfen: Auf 1115 Hektar lebten 2157 Menschen, was eine Steigerung von satten 157 Prozent in 28 Jahren darstellte. Höpfingen umfasste 1683 Hektar und 2425 Einwohner in 729 Haushalten; die Zuwachsrate betrug immerhin 40 Prozent.

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Im Zuge der baden-württembergischen Kreisgebietsreform 1973 veränderte sich das Kreisgebiet. Während die bis dato selbstständigen Gemeinden Buch am Ahorn (360 Einwohner; 1080 Hektar Gesamtfläche), Eubigheim (747 Einwohner; 1045 Hektar Gesamtfläche), Hohenstadt (251 Einwohner; 769 Hektar Gesamtfläche) und Schillingstadt (480 Einwohner; 1134 Hektar Gesamtfläche) zum Main-Tauber-Kreis kamen und dort zur neu gebildeten Gemeinde Ahorn formiert wurden, gelangten Gommersdorf (599 Einwohner; 966 Hektar Gesamtfläche), Klepsau (405 Einwohner; 479 Hektar Gesamtfläche), Krautheim (1.553 Einwohner; 618 Hektar Gesamtfläche), Neunstetten (400 Einwohner; 1063 Hektar Gesamtfläche), Oberndorf (141 Einwohner; 409 Hektar Gesamtfläche) und Unterkessach (311 Einwohner; 857 Hektar Gesamtfläche) an den Hohenlohekreis. Korb (390 Einwohner; 793 Hektar Gesamtfläche) und Ruchsen (347 Einwohner; 561 Hektar Gesamtfläche) hingegen gingen als Ortsteil Möckmühls im Landkreis Heilbronn auf.

Fläche von über 80 000 Hektar

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Insgesamt verfügte der Landkreis Buchen am 30. Juni 1967 über eine Fläche von 82 749 Hektar, auf der sich 67 069 Einwohner in 18 336 Haushalten aufhielten. Die Zuwachsrate der Bevölkerung von 48 Prozent zwischen 1939 und 1967 lässt sich zum einen mit den zahlreichen Heimatvertriebenen, zum anderen aber auch durch die geburtenstarken Jahrgänge begründen. Besonders stark war der Zuwachs zwischen 1939 (45 162 Einwohner) und 1946 (69 464 Einwohner), was einen Anstieg um 54 Prozent bedeutet. In den Folgejahren bis 1967 erreichte der Zuwachs einstellige Werte.

Auch die Entwicklung der Industrie listet einen vergleichbaren Anstieg auf: Während 1939 noch 1300 Beschäftigte verzeichnet wurden, erfasste die Statistik 1950 bereits 2405 Werktätige – ein Zuwachs von 85 Prozent; im gesamten Zeitraum zwischen 1939 und 1967 schnellte der Wert auf 6765 Beschäftige empor, was ein Plus von 420 Prozent erfasst.

Weiterhin listet die in der damaligen Buchener Verlagsdruckerei Hermann Wittemann hergestellte Broschüre allgemeine Informationen zu den Behörden auf, darunter etwa die Amtsgerichte in Adelsheim, Boxberg, Buchen und Eberbach, die in Buchen ansässige „Vertrauensärztliche Dienststelle“ der Landesversicherungsanstalt Baden sowie die Bezirksschornsteinfegermeister Kastner (Buchen), Bachmann (Walldürn), Eck (Adelsheim), Lehmann (Osterburken) und Keilbach (Hardheim).