In Waldstetten

Abschied von einer „echten Institution“

„Letzte Runde“ von Gerda Schmitt durch den Ort. Fest auf dem Rathaushof

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In Waldstetten wurde Gerda Schmitt nach ihrer letzten Runde durch den Ort verabschiedet. © Ortschaftsverwaltung

Waldstetten. Als „Stedemerin von Dürn“ war Gerda Schmitt ein Teil der Waldstettener Dorfgemeinschaft: 36 Jahre lang kam sie dreimal wöchentlich nach „Stede“, um die Bürger mit Backwaren zu beliefern – zuerst von der Walldürner Bäckerei Weinlein, ab 2006 von der Bäckerei Leiblein. Nun nahm ein ganzes Dorf auf bewegende Weise Abschied – mit einem spontanen Abschiedsfest auf dem Rathaushof wurde „die Bäcker-Gerda“ nach ihrer letzten Tour verabschiedet.

Dabei hatte alles eigentlich „wie immer“ angefangen: Nachdem Gerda Schmitt ihre übliche Runde gedreht hatte, steuerte sie den Bus bereits wieder in Richtung Walldürn – nur noch die Eckwaldsiedlung und die Hohle Eiche wären zu beliefern gewesen, ehe ihre letzte Fahrt geendet hätte. Doch sie hatte die Rechnung nicht ohne die Jugend gemacht, die an der Hohlen Eiche bereits Ausschau hielt: In einem humorvollen „Wink“ wurde die beliebte „Bäcker-Gerda“ zurück nach Waldstetten gelotst, wo sie freilich längst schon erwartet wurde – auf dem Rathaushof hatten sich rund 200 Personen versammelt, die ihr eine so überraschende wie rührende Aufwartung machten.

Immer gern gesehen

Kein Wunder: Es galt schließlich, von einer echten Institution Abschied zu nehmen: Seit die gelernte Verkäuferin Gerda Schmitt im Januar 1986 bei der seinerzeitigen Walldürner Bäckerei Hugo Weinlein eingestiegen war, wurde Waldstetten in gewisser Weise zu ihrer Lebensaufgabe. Zunächst nur an Samstagen – seinerzeit hatte noch ein Kollege das Dorf an Werktagen beliefert – aber alsbald dreimal pro Woche waren sie und ihr Verkaufswagen in Waldstetten anzutreffen und immer gern gesehen. Dass die Bäckerei Hugo Weinlein 2006 von der Bäckerei Leiblein übernommen worden war, änderte nichts an der Tatsache: Die „Bäcker-Gerda“ war überall ein gern gesehener Gast.

Nachdenkliche und durchaus passende Worte fand Ortsvorsteher Andreas Schäfer. Er attestierte Gerda Schmitt, Vokabeln wie „Nahversorgung“ oder „Ladenschließung“ schon lange vor deren Übergang in den allgemeinen Sprachgebrauch „mit wohlschmeckendem Leben erfüllt“ und dadurch mancher Ladenschließung auf ihre Weise entgegen gewirkt zu haben.

Herzliche Art

Mit ihrer herzlichen, großzügigen und zuvorkommenden Art repräsentiere sie ein Paradebeispiel dafür, dass aus Kunden echte Freunde werden können: Bei allen Haushalten habe sich die „Stedemerin von Dürn“ äußerster Beliebtheit erfreut - nicht nur, weil sie Waldstetten mit Backwaren versorgte. Die „Bäcker-Gerda“ sei über Jahrzehnte hinweg viel mehr als eine Verkaufsfahrerin gewesen und habe Generationen begleitet: Besonders die zwischenmenschliche Komponente habe für eine tiefe Verbundenheit gesorgt - für genau jene Verbundenheit, die sich auch durch die stimmungsvolle Verabschiedungsfeier zog.

Dazu gehörte ein ganz besonderes Präsent: Über 100 Waldstettener Familien hatten ein so dickes wie buntes Abschiedsbuch mit 102 Seiten gestaltet, das Gerda Schmitt zur Erinnerung an bewegte Jahre überreicht wurde. Dazu gab es einen von Manfred Blau in liebevoller Handarbeit gefertigten Korb, den die „Stedemer“ mit allerhand Köstlichkeiten gefüllt hatten.

Stimmungsvoll und berührend

Mit Getränken, Gesprächen am Stehtisch und natürlich allerhand Gebackenem klang der Nachmittag so stimmungsvoll wie berührend aus. Organisiert wurde die Zusammenkunft von Robert Müller, Alexandra Müller, Andreas Schäfer, Helga Frisch, Heidi Sack, Birgit Sallein und Maximilian Frisch.