Die Radarfalle feiert Geburtstag - Bundesweit erste "Starenkästen" am 21. Januar 1957 / Im Landkreis gibt es inzwischen acht festinstallierte "Systemmasten" In Höpfingen wird am schnellsten gefahren

Von 
Sabine Braun und Sabine Braun
Lesedauer: 

Die "Radarfalle" feiert Geburtstag: Seit 60 Jahren wird in Deutschland die Einhaltung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit mit Hilfe von Blitzgeräten kontrolliert. Noch nicht ganz so alt sind die mit Kameras ausgestatteten Systemmasten, besser bekannt als "Blitzersäulen". Das Bild zeigt den Ende 2014 installierten vierten Systemmasten des Gemeindeverwaltungsverbands Hardheim-Walldürn am Ortseingang von Höpfingen.

© Adrian Brosch

Die Radarfalle hat 60. Geburtstag. Für "geblitzte" Autofahrer ist das kein Grund zum Feiern. Die Buße soll der Verkehrserziehung dienen, ist aber auch in den kommunalen Haushalten eingeplant.

AdUnit urban-intext1

Neckar-Odenwald-Kreis. Aus Übermut oder Gedankenlosigkeit - geblitzt wird fast jeder hin und wieder. Und das seit inzwischen 60 Jahren. So lange gibt es die festinstallierten Geschwindigkeitskontrollgeräte inzwischen. Sogar den Notarzt "erwischt" es hin und wieder, so wie gestern Morgen in Höpfingen. Doch für ihn gelten andere Regeln: Wenn der Rettungsdienst in Ausübung unterwegs ist, wird natürlich nichts verlangt. Der Notarzt darf ja auch bei Rot über die Ampel. "Lebensrettung ist wichtiger", betont der Vorsitzende des Gemeindeverwaltungsverbands Hardheim-Walldürn (GVV), Roland Frank.

Vier "Säulen" im Gemeindeverband

Vier stationäre Geschwindigkeitsmessgeräte hat der GVV installiert. "Die ersten beiden Systemmasten wurden im Juli 2009 in Höpfingen und Rippberg aufgebaut, und zunächst nur mit einer Kamera wechselnd bestückt", berichtet Frank auf Nachfrage der FN. In Höpfingen wird seit November 2012 kontrolliert. Die vierte "Blitzersäule" folgte Ende 2014, berichtet Frank. "Inzwischen gibt es je eine Kamera für alle vier Säulen."

Insgesamt 322 000 Euro an Bußgeldern zahlten eilige Autofahrer im Jahr 2015 an den Verband, ist in der Jahresrechnung nachzulesen. "Am schnellsten wird in Höpfingen gefahren", weiß Frank, und so wird dort auch am meisten "kassiert". Doch darum geht es nicht vorrangig, so Frank. Ziel sei es, eine vorschriftsmäßige Fahrweise durchzusetzen.

AdUnit urban-intext2

Das Geld geht in den allgemeinen Haushalt des Gemeindeverwaltungsverbands ein. "Diese Einnahmen senken die Umlage, welche die Kommunen an den Verband zahlen müssen. Wenn wir sie nicht hätten, müssten wir eine höhere Umlage verlangen. Insofern kommen die Bußgelder den Einwohnern von Walldürn, Hardheim und Höpfingen direkt zugute", betont Roland Frank.

Mit dem Geld finanziert der Gemeindeverwaltungsverband nicht nur seine Verkehrskontrollen, sondern auch seine weiteren Aufgaben in den Bereichen Baurecht, Wirtschaftsförderung, Industriepark VIP und Geopark.

AdUnit urban-intext3

Auch Manfred Schärpf, Fachdienstleiter für den Bereich Ordnungswesen im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises, betont, dass es bei den "Radarfallen" nicht um die Einnahmen geht.

Verkehrsberuhigende Maßnahmen

AdUnit urban-intext4

Es handle sich vielmehr um "verkehrsberuhigende und den Verkehr sichernde" Maßnahmen. "In vielen Fällen erreichen wir damit, dass entsprechend den Vorschriften gefahren wird." Der Landkreis betreibt ebenfalls vier stationäre Geschwindigkeitsmessgeräte: Das jüngste wurde im vergangenen Jahr in Rittersbach aufgestellt, drei weitere stehen am Ortseingang von Hettingen, in Neckarzimmern und in Neckarburken. Die Säulen stellt jeweils die Kommune, die Technik der Kreis.

Daneben hat der Landkreis rund 200 Messpunkte im Blick, an denen regelmäßig kontrolliert wird, so Schärpf. Dabei handelt es sich um Gefahrenschwerpunkte und Orte, an denen es immer wieder Probleme gibt. "Dazu kommen Messpunkte, die aufgrund von Hinweisen aus den Gemeinden oder von Bürgern eingerichtet werden".

Gemessen wird an 104 Tagen im Jahr, so Schärpf. Das technische Equipment stellt die Firma ERA aus Heilbronn samt Fahrzeug und Fahrer; mit von der Partie ist immer ein beim Landratsamt Beschäftigter - vier Personen sind für diesen Job geringfügig angestellt.

Bei diesen eigenen mobilen Messungen kommen im Jahr Bußgelder zwischen 250 000 und 260 000 Euro zusammen, berichtet Schärpf. Die Einnahmen aus den fest installierten "Blitzern" gehen in einen anderen Topf des Landratsamtes, ebenso die Bußen, welche bei den eigenständigen Geschwindigkeitskontrollen der Polizei zusammenkommen.

Überschuss ist "nicht gewollt"

Verwendet werden diese Einnahmen zur Deckung der Kosten im Bereich der Verkehrskontrollen, so Schärpf, und das gelingt in der Regel. Die Fahrzeuge und Messgeräte kosten ebenso Geld wie das eingesetzte Personal. "Einen Überschuss zu erzielen ist nicht gewollt."

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

Autor