Heimatverein Höpfingen - Mit dem "Tatort" gab es anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums und zur 20-Jahr-Feier der Spinnstube ein besonderes Geschenk / Laienspieler brillierten Ein Stück, das die Herzen berührt

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Festival für alle Sinne: Die Laienspieler des Heimatvereins begeisterten mit "Tatort Höpfingen", einem Theaterstück von Rainer Wagner.

© Hauck

Höpfingen. Für die zahlreichen Zuschauer auf dem voll besetzten Festgelände war es ein Festival für alle Sinne: Für Schmunzeln, Lachen, Nachdenken und Hören waren Tür und Tor beim "Tatort Höpfingen" geöffnet - einem Theaterstück im Lokaldialekt über einen Höpfinger und eine Höpfinger Familiendynastie, das seinesgleichen sucht.

Die Akteure rund um den "Tatort Höpfingen"

  • Musiker: Jörg Dargatz, Sven Dargatz, Josef König und Jürgen Kuhn.
  • Der rote Faden in der heutigen Zeit: Einbrecher 1: Sebastian Hauck; Einbrecher 2: Freddy Greulich.
  • Die Causa Eiermann: Serviererin: Daniela Kaiser-Hauk; der Höpfemer Volk: Wolfgang Schell; der Dornberger Dörr: Herbert Nohe; Gast im Wirtshaus: Matthias Hauk; Kommissar: Kurt Scheuermann; Emil, sein Assistent: Lothar Gronostay; Johann Egid Eiermann: Rotschi, alias Gundolf Nohe; Bürgermeister: Adalbert Hauck; Ratsschreiber: Rainer Wagner. Jungs mit den Verschonungszetteln: Jugendliche aus dem JUZ: Organisator: Luca Petermann.
  • Regie: Adalbert Hauck, Günter Nohe, Rainer Wagner.
  • Die Familie Götz: Drehorgelmann: Markus Greß; Herold: Rainer Wagner; Götz (alle männlichen Familienmitglieder): Herbert Nohe; Bauer: Adalbert Hauck; Bäuerin: Karin Gutmann; Lisbeth Götz: Finja Hauk; Feschdles-Besucherin 1: Heike Häfner; Feschdles-Besucherin 2: Daniela Kaiser-Hauk; zwei Kinder: Mia und Marie Schuh; der Höpfinger Alfons: Wolfgang Schell; Dürmerin: Claudia Hauk; Gast im Wirtshaus: Matthias Hauk; Julchen Götz: Jule Hauk; Polizist 1: Kurt Scheuermann; Polizist 2: Lothar Gronostay; Katharina Götz: Rebecca Hauk.
  • Arbeiten rund ums Theater: Technik und Aufbauten: Günter Nohe, Veranstaltungstechnik Häfner (Hainstadt), Stefan Kaiser; Souffleuse: Anke König; Kostüme: Burgschauspielverein Freudenberg; Werbung und Grafik: Matthias Hauk; Filmaufnahmen: Wolfgang König; Bühnenaufbau: Bauhof der Gemeinde; Ausschank: Freiwillige Feuerwehr Höpfingen; Speisen: Spinnstube Höpfingen; Hauptkasse: Helmut Gerig (Heimatverein) und Bedienungen: Organisation: Bärbel Schell. (ck)
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Geschrieben wurde das Stück in zwei Szenenblöcken mit Worten und Musik. Und zum "Tatort" wurde der Festplatz an der Festhalle, also dort, wo es die Höpfinger oft hinzieht, wenn sie Feste feiern.

Der nicht enden wollende Beifall am Schluss war Lohn für viel Arbeit und Engagement aller Beteiligten, die viel Herzblut in das Projekt gesteckt haben. Zum Glück blieb der befürchtete Schauer aus, und das begeisterte Publikum konnte ein vergnügtes historisches Ereignis in einer lauen Sommernacht genießen.

"Freiluftspektakel"

Der Heimatverein schenkte der Gemeinde am Samstag bei einem "Freiluftspektakel" unter dem Namen "Tatort" zum 50-Jahr-Jubiläum und zur 20-Jahr-Feier der Spinnstube etwas Besonderes: Eine Person und eine Familie halten im 19. Jahrhundert Höpfingen in Atem, und schreiben Geschichten und Ortsgeschichte.

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Johann Egid Eiermann, der schlitzohrige Räuber und vermeintliche Auswanderer nach Amerika, hat seine Spuren bis heute in der Geschichte hinterlassen mit seinem geflügelten Wort: "Der Eiermann war wieder da."

Der Eiermann steht für Schlitzohrigkeit, Bauernschläue, verbale Überlegenheit gegenüber seinesgleichen und Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit. Die Erzählungen über ihn sind auch heute noch im Ort präsent. Sein Verschwinden in "Monnem unner der Brick" forderte das Lachen heraus.

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Im Gegensatz zum Einzelkämpfer Eiermann steht die Familiendynastie Götz im Fokus als Scharfrichter, Bader, Wundarzt, Zahnbrecher, Abdecker und doppelte Wirtsleute in der Gemeinde. Die ganze Sippe diente sich hoch mit Heirat und Verheiraten und dem Ausnutzen aller Möglichkeiten, nach oben zu kommen. Die Familie Götz verdiente sich mit verschiedenen Berufe ihren Lebensunterhalt. Ihre Geschichte wird nicht an einer Person festgemacht.

Leben eingehaucht

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Der Text - geschrieben von Rainer Wagner in Hochdeutsch - erhielt durch die vielen Ideen und die Umsetzung in den Dialekt der Schauspieler Farbe und die Nähe, die ein Stück dieser Art braucht: Es muss Mann und Frau ansprechen, die Herzen berühren.

Deshalb gab es auch während der Probephase mehrere neue Versionen - und auch bei der Aufführung hie und da neue Ideen, um die Zuhörer zu gewinnen. Alle, die auf der Bühne standen, haben letztlich dem Stück den nötigen Schliff gegeben und Leben eingehaucht.

Gleichberechtigt stand die Musik (Jörg Dargatz, Sven Dargatz, Josef König, Jürgen Kuhn) neben dem Wort. Sie wurde nie als Beiwerk empfunden, sondern übernahm die Rolle des "Spiels im Spiel". Die Musik hat das Zeug dazu, in Höpfingen die Liste der zahlreichen Gassenhauer zu bereichern.

Den Großteil der Schauspieler stellen die "Höpfinger Bühnenkracher", unterstützt von "Höpfinger Urgesteinen", die wissen wie Unterhaltung geht. 16 Akteure und einige Komparsen spielten in beiden Geschichten.

Aus dem Blickwinkel von heute ist der Eiermann ein Lebenskünstler, der alle Möglichkeiten seiner Zeit ausschöpft, um sich am Leben zu erhalten. Eine Rolle, die "Rotschi" (Gundolf Nohe) für sich verinnerlicht und ausgestaltet hat.

Kurzweilige Aufführung

Und mit Wolfgang Schell hatte das Stück zusammen mit Herbert Nohe zwei weitere Akteure, die ihre Parts lebten, ihnen Leben gaben.

Alle Schauspieler wurden immer wieder von Freddy Greulich und Sebastian Hauck (Einbrecher) neu ins Stück "gestellt". Sie hatten den "roten Faden" in der Hand, fungierten als Taktgeber durch die Geschichten. Alle anderen, jeder an seinem Platz auf der Bühne, formte die einzelnen Personenpuzzle zu einer Gesamtheit.

Eine Menge weitere Helfer vor und hinter der Bühne waren zu Gange, um den Tatort auch zum "Ort der Tat" werden zu lassen, an dem niemand hungern und dürsten muss. Die Feuerwehr half beim Löschen und die Spinnstube kredenzte Happen und Häppchen.

Und eines sei jetzt schon festgestellt: "Höpfi" ist und bleibt sicher. Ganz sicher sind die, die einen Verschonzettel erstanden hatten. Wie sagte doch der Eiermann: "Dann mach i mol nix."

Diesem Wahlspruch schloss sich das Publikum am Schluss jedoch nicht an. Sie spendeten wenig Münzen, dafür aber vorwiegend Scheine mit überwältigenden Beifallskundgebungen für eine kurzweilige Aufführung mit Alleinstellungsmerkmal, die so nicht überall zu sehen ist.

Engagement gewürdigt

Bürgermeister Adalbert Hauck dankte allen vor der Bühne, darunter Landwirtschaftsminister Peter Hauk, MdB Alois Gerig und Bürgermeister Markus Günter (Walldürn), sowie natürlich vor allem den über sich hinaus wachsenden Akteuren auf der Bühne. (ck)