Kulturherbst des Kulturvereins

Vorbereitung auf das Fest der Freude

Chor „acapiano“ und Geschichtleschreiber Hermann Hehn traten gemeinsam im Rienecksaal auf

Von 
feu
Lesedauer: 

Grünsfeld. Der Advent dient der Besinnung. Eigentlich. Regelmäßig nehmen die Menschen sich vor, dieses Mal ganz gewiss der Hektik zu entfliehen. Und scheitern. Einen anderen Ansatz verfolgten das Ensemble „acapiano“ und der Büttharder Gedichtlesschreiber Hermann Hehn beim Auftritt vor mehr als 100 begeisterten Zuhörern im Rienecksaal. Mit Liedern und Gedichten versuchten sie, der Adventszeit ihre ursprüngliche Bedeutung zurückzugeben. Die Veranstaltung bildete den Abschluss des Kulturherbstes des Kulturvereins.

Normalerweise geben die Sänger von „acapiano“ vor allem das Liedgut der unvergessenen „Comedian Harmonists“ zum Besten. Beim Konzertabend im Rienecksaal zelebrierten sie adventliche und vorweihnachtliche Lieder in interessanten Arrangements. Hermann Hehn las zwischendurch Gedichte und Geschichten. Diese Kombination vermittelte eine Ahnung davon, was die Zeit vor Weihnachten eigentlich sein soll: Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn, Vorbereitung auf ein Fest der Freude und vor allem auf das Fest des Friedens.

Gechichtleschreiber Hermann Hehn. © Ulrich Feuerstein

„So lang man Träume noch leben kann“: Mit dem Ohrwurm der Münchner Freiheit eröffnete die A-capella-Formation das abwechslungsreiche Programm. Der Titel hatte durchaus programmatischen Charakter. In einer von Krieg und Krisen geprägten Zeit scheint der Mut zum Träumen abhandengekommen zu sein. Vom Glück zum Beispiel. Mit den Comedian Harmonists brachten die Sänger von „acapiano“ unverdrossen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass es „irgendwo auf der Welt“ vielleicht doch „ein kleines bisschen Glück“ gibt.

Mehr zum Thema

Kulturverein Grünsfeld

Adventskonzert der etwas anderen Art

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Veranstaltung des Kulturkreises

Wertheimer Aula in Musikpalast der 20er Jahre verwandelt

Veröffentlicht
Von
Carsten Klomp
Mehr erfahren

Zur Vorweihnachtszeit gehören auch Lieder mit religiösem Bezug. Natürlich hatte das von Michael Pfrang am Piano begleitete Ensemble auch solche im Repertoire. „My Lord, what a morning“ in der Fassung von Otto Groll, Herivelto Martins’ „Ave Maria no morro“ oder der Gospel „City of Zion“ erinnerten an die biblische Botschaft, dass Gott in allen Dingen ist.

Nachdenklich stimmende und besinnliche Texte trug Hermann Hehn vor. In ihnen forderte der Mundartdichter dazu auf, still zu werden, in sich hineinzuhören und sich bereitzumachen für die Geburt des Gottessohnes. Nur wer der Hektik Einhalt gebiete, könne sich zur echten Weihnachtsfreude führen lassen. Die hat in seinen Augen auch nichts mit teuren Geschenken zu tun. Sein Rat: „Ein Händeruck und ein Lächeln sind Wünsche, die kein Geld kosten, aber die Welt verändern können.“

Zwischendurch ließen die Sänger auch ihr komödiantisches Talent aufblitzen. Ein Nonsens-Lied wie der „Maskenball im Gänsestall“ von den Comedian Harmonists war da ganz nach ihrem Geschmack. Für Heiterkeit im Publikum sorgte „Ach Papi, geh doch heuer nicht auf die Weihnachtsfeier“. Udo Jürgens’ Persiflage auf allzu gefühlsselige Weihnachtslieder handelte von den verheerenden Folgen des Alkoholkonsums bei jahreszeitlich bedingten Festivitäten.

Der Konzertabend endete mit eindringlichen Friedensappellen. Die Sänger intonierten „O Herr, gib Frieden“. Und zwar zweisprachig: auf Deutsch und Russisch. Hermann Hehn zitierte aus einem seiner älteren Texte, dem er ungeahnte Aktualität bescheinigte. Das Gedicht handelte vom Frieden, den die Menschen anscheinend vergessen haben. „Frieden wird dann“, so Hehns Hoffnung, „wenn wir mit uns und dem Nächsten Frieden schließen.“ Zum Schluss eines in jeder Hinsicht bemerkenswerten Abends stimmten alle ein in „Halleluja“ von Leonhard Cohen. feu