Firmenaufgabe

Traditionsreiches Busunternehmen Fella-Reisen schließt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge drehen Elisabeth und Nicole Maag den Schlüssel ihres Unternehmens Fella-Reisen Ende März um. Sie sind traurig ob der Schließung und glücklich über das positive Kundenecho.

Von 
Heike von Brandenstein
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Elisabeth Maag, Tochter von Firmengründer Gottfried Fella, und ihre Tochter Nicole Maag vor einem Bus des tradionsreichen Reiseunternehmens, das Ende März seine Pforten schließt. Zum Abschied gibt es noch zwei Touren: ins Salzkammergut und nach Südtirol. © Heike von Brandenstein

Grünsfeld. Die Silvesterreise zum Jahreswechsel sollte eigentlich die finale sein. Doch die Kunden legten ihr Veto ein und forderten einen verlängerten Abschied. Zum ersten Quartalsende 2023 soll jetzt aber wirklich Schluss sein. „Meine Mutter Elisabeth, die Tochter von Firmengründer Gottfried Fella, ist jetzt 76 Jahre alt und ich werde die alleinige Führung aus gesundheitlichen Gründen auf Dauer nicht stemmen können“, so Nicole Maag, Enkelin des Firmengründers.

Immer habe sie die Reisen mit Leidenschaft und Akribie geplant und begleitet. Doch das ganze Team, das über Jahrzehnte enthusiastisch mitgezogen habe, werde älter. „Unsere Busfahrer sind zum Teil über 70 Jahre alt“, so Nicole Maag, die als Geschäftsfrau durchaus ihre Fürsorgepflicht für ihr Personal kennt.

Gründungsjahr 1952

1952 gründete Gottfried Fella das Unternehmen mit zunächst einem Reisebus. Im Laufe der Jahre folgte der Ausbau des Reiseunternehmens durch Tochter Elisabeth und ihren Mann Karlheinz Maag, später dann durch deren Kinder Nicole und Frank auf bis zu sechs Reisebusse in der Spitze.

Weil der Reisemarkt ein paar Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch begrenzt war, begann das Unternehmen mit dem Linienverkehr zwischen Bütthard und Würzburg und dem Schülerverkehr von Grünsfeldhausen, Krensheim, Wittighausen, Messelhausen, Zimmern nach Grünsfeld, erinnert sich Elisabeth Maag. Außerdem arbeitete man direkt mit Reisebüros zusammen und konzipierte gemeinsam Fahrten und Reisen. Der erste richtige Katalog mit vier Seiten wurde erstmals 1976 aufgelegt.

„Die Fahrten führten nach London und Paris“, so die Seniorchefin. Ihr Mann Karlheinz sei sehr viel gefahren. Er mochte die Städtereisen und entwickelte eine Liebe zu den skandinavischen Ländern – vor allem zu Norwegen.

Einer der ersten Busse von Fella-Reisen in der 50-er Jahren vor dem Grünsfelder Rathaus. © Fella-Reisen

Sorgfältige Planung

Was immer eine große Rolle gespielt hat und wofür die Kunden das Unternehmen schätzten: Die sorgfältige Planung, die perfekte Organisation und die Auswahl hochwertiger Hotels. Viel wert wurde auch auf äußerst gut qualifizierte Stadtführer und Reiseleiter sowie auf kompetente und verantwortungsbewusste Reisebusfahrer gelegt.

Breitgefächertes Portfolio

Der Fokus bei Fella-Reisen lag auf Deutschland und Europa. Aber auch andere Pfade jenseits der klassischen Busreise wurden betreten: Bahn- und Flugreisen, Fluss- und Hochseekreuzfahrten, Rad-, Wander- und Eventreisen sowie Fahrten zu Konzerten, für Unternehmen, Schulen und Vereine gehörten mit zum breitgefächerten Portfolio.

„Unsere Klientel sind in der Regel Stammkunden im Alter zwischen 50 und 80 Jahren“, so Nicole Maag. Deutschland, Österreich, Italien, Skandinavien und die großen Metropolen seien immer sehr gut gebucht worden. Auch die Tulpenblüte in Holland gehört mit zu den jährlichen Highlights. Wichtig war den Protagonisten des Familienunternehmens immer der persönliche Kontakt zu den Gästen, deren Rundumversorgung.

Einfach genießen dürfen

„Wir wollten ihnen immer das Gefühl geben, dass sie sich um nichts kümmern müssen, sondern die Reise gut umsorgt einfach nur genießen dürfen“, so Elisabeth Maag. An einen Höhepunkt denkt sie gern zurück: Die dreitägige Fahrt nach Dresden zur Wiedereröffnung der Frauenkirche.

Natürlich mussten sie dem einen oder anderen Kunden bereits im vergangenen Jahr sagen, dass die Schließung des traditionsreichen Familienunternehmens ansteht. Reisegutscheine kurz vor dem Ende zu verkaufen, hätte die Firmenleitung nämlich als unredlich empfunden. Von den pro Jahr üblichen 25 bis 30 Mehrtagesreisen und den 20 Tagesfahrten bleiben bis Ende März nun noch zwei Abschiedsfahrten. Die eine geht ins österreichische Salzkammergut, die andere ins italienische Südtirol.

Richtige Entscheidung

Dass sie die Corona-Zeit gut durchgestanden haben und die Nachfrage nach Fahrten seit Mai vergangenen Jahres wieder so richtig boomt, macht es Mutter und Tochter Maag noch schwerer, den Schlussstrich zu ziehen. Selbst bereits eingeweihte Stammkunden hätten Ideen eingebracht, welche Möglichkeiten es geben könnte, Fella-Reisen fortzuführen.

Nicole Maag aber meint: „Ich denke, das ist die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.“ Und Mutter Elisabeth fügt sichtlich zufrieden an: „Alle unsere Mitarbeiter sind versorgt. Das ist uns wichtig.“

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber

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