Kommunalpolitik - Gemeinderat beschloss Aufstellung als Ausgleich für Bürgerentscheid gegen eine neue Turnhalle Unterwittighausen erhält Kletterbäume

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Solche Kletterbäume erhält Unterwittighausen nun als Ausgleich für den geplanten Turnhallenbau, den die Bevölkerung nicht möchte.

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Wittighausen. Enttäuscht musste der Unterwittighäuser Gemeinderat zur Kenntnis nehmen, dass die Bürger mehrheitlich keine Turnhalle wollen und das, obwohl für den Bau sagenhaft hohe Zuschüsse zu erwarten sind. Damit ist Unterwittighausen im badischen Hinterland neben Hinter-Tupfing im tiefen Schwarzwald die einzige Kommune in Baden-Württemberg, die in absehbarer Zeit keine Turnhalle besitzt.

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Der Gemeinderat von Unterwittighausen macht sich Sorgen um die Fitness seiner Bürger. Darum beschloss er, wie immer einstimmig, zu erkunden, wie Hinter-Tupfing mit diesem Manko fertig wird. Mit der Eisenbahn reiste das Gremium deshalb umweltfreundlich in den tiefen Schwarzwald und erlebte Erstaunliches. Nach Auskunft des dortigen Bürgermeisters Hannes Baumsteiger braucht Hinter-Tupfing keine Turnhalle, weil es im tiefen Schwarzwald genügend Kletterbäume gibt, auf denen sich die Bürger körperlich ertüchtigen können und das auch regelmäßig tun.

Schon hat sich ein Baumkletterverein gegründet, der regelmäßig Deutsche Meisterschaften austrägt, die natürlich stets von Hinter-Tupfing gewonnen werden. Begeistert vom Gesehenen beschloss der Gemeinderat von Unterwittighausen, gleiches zu tun. Aber es gibt bislang keine geeigneten Kletterbäume in Unterwittighausen. Nun kam, wie so oft im Leben, der Zufall zu Hilfe.

Auf der Heimfahrt von Hinter-Tupfing nutzte der Gemeinderat einen Aufenthalt in Stuttgart zur Besichtigung der Baustelle "Stuttgart 21". Im zur Abholzung freigegebenen Schlosspark entdeckte man genau die passenden Kletterbäume, die man sogar kostenlos abholen könnte. Der Gemeinderat beschloss deshalb, auf der Stelle dieses Angebot anzunehmen, wenn der Transport und die Verpflanzung von Guttätern übernommen würden. Ein Unterfangen, das nicht einfach ist, denn die Bäume sind bis zu 14 Meter hoch und die entsprechend großen Wurzelballen haben einen Durchmesser von fast acht Metern.

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Wie nicht anders zu erwarten war, kann sich Bürgermeister Marcus Wessels auf seine ansässigen Firmen verlassen. Eine internationale Spedition übernimmt den Transport der Kletterbäume, ein Baggerbetrieb den Aushub der Pflanzgrube, wo einst die Turnhalle geplant war und ein Fuhrunternehmen den Abtransport des Aushubs und das alles umsonst.

Am heutigen Mittwoch werden um 14 Uhr die Kletterbäume in Unterwittighausen erwartet und von den Wittighäuser Musikanten zum Pflanzort eskortiert. Dort erfolgt bei Freibier und Bratwurst die feierliche Pflanzung mit Ansprachen des Bürgermeisters und von Amtspersonen des Sportvereins, der schon eine Baumkletterabteilung gegründet hat und der Vogelschutzgruppe, die sich vor allem um den mitgereisten Juchtenkäfer kümmert. Alle Einwohner sind zu diesem Festakt willkommen.

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Mit dem Aufstellen der Kletterbäume wird der Gemeinderat von Unterwittighausen eine zukunftsträchtige Entwicklung einleiten. Schon ist seitens des Sportvereins an die Ausrichtung der Deutschen Baumklettermeisterschaft abwechselnd mit dem bisher einzigen Club aus Hinter-Tupfing geplant und man rechnet mindestens mit dem Vizemeistertitel.

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Weitere Planungen in Unterwittighausen sehen die Anlage einer Baumhaussiedlung auf dem freigewordenen Areal der ehemals geplanten Turnhalle vor. Damit würde sich der Ort europaweit an die Spitze der Bewegung "Zurück auf die Bäume" setzen und die entsprechende internationale Anerkennung und Bewunderung wäre den Unterwittighäusern im badischen Hinterland gewiss.