Hölzernes Lärmgerät - In Grünsfeldhausen hat sich ein alter Brauch in der Zeit von Gründonnerstag bis zur Osternacht bewahrt Klappern gehört zum Geschäft

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Von Gründonnerstag bis zur Osternachtfeier: Ministranten mit ihren Klappern vor der Achatiuskapelle.

© Feuerstein

Grünsfeldhausen. "Klappern" gehört bei vielen Zeitgenossen das ganze Jahr über zum Geschäft. An den Kartagen hat das Klappern in manchen Gegenden allerdings eine ganz andere Bedeutung. Mit hölzernen Lärmgeräten ziehen Kinder und Jugendliche von Haus zu Haus und ersetzen mit ihrem Getöse die Glocken, die von Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternachtfeier verstummen. In der Pfarrei St. Achatius übernehmen diese Aufgabe die Ministranten.

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Früher waren häusliche Uhren auf dem Land noch nicht selbstverständlich. Damals zeigten die Kirchenglocken auch die Tageszeiten an. Während der Kartage musste ihre Aufgabe auf andere Weise erfüllt werden: Die Dorfjugend übernahm mit Klappern, Ratschen und anderen Lärminstrumenten das Ankündigen der Tages- und Gebetszeiten. Obwohl es mittlerweile nicht mehr nötig wäre, hat das Karklappern sich als lebendiges Brauchtum in manchen Gegenden gehalten.

In Grünsfeldhausen machen die Ministranten sich am morgigen Karfreitag auf den Weg, um sowohl die Tageszeit als auch den Beginn des Gottesdienstes zu verkünden. Das erste Mal geht es schon um 6 Uhr los. "Wir laufen durch den Ort und rufen 'Ave Maria'", erzählt Maria Haun. Sie und Sarah Krappel sind die beiden Oberministrantinnen.

Gemeinsam sorgen sie dafür, dass alles seinen überlieferten Gang nimmt. Zur Mittagszeit folgt der nächste Rundgang. "Die Glocke hat zwölf geschlagen!", lautet dann der Ruf. Ein drittes Mal geht es vor dem Kirchgang um 15 Uhr durch den Ort. Der Spruch, den die Bewohner zu hören bekommen, hat drei Teile: "Das erste Mal zur Kirche! Das zweite Mal zur Kirche! Zusammen, zusammen, getafelt!" Ein letztes "Ave Maria" rufen die Ministranten noch einmal um 18 Uhr.

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Die Klappern, mit denen die Buben und Mädchen unterwegs sind - der siebenjährige Darvin Knichel ist der Jüngste -, sind echte Handarbeit. Manche sind ziemlich alte Familienerbstücke. Willi Maag ist im Besitz eines ganz besonderen Schatzes. Der 81-Jährige schätzt seine Ratsche auf mehr als 100 Jahre. Sein Vater Karl und sein Onkel Martin haben schon ihre Initialen in das Instrument eingeschnitzt.

Die Kirchenglocken verstummen beim Gloria am Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternachtfeier. In dieser Zeit fällt allerdings nicht nur das Geläut im Kirchturm aus. Wie jeder Ministrant weiß, erklingen auch die kleinen Schellen am Altar nicht mehr. Neben anderen symbolhaften Zeichen wird das Schweigen der Glocken als nachempfundener Ausdruck der Trauer um den Tod Christi verstanden.

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Mancherorts ersetzen dann einfache Holzklappern oder Rasseln die Altarschellen der Ministranten im Ablauf der liturgischen Handlungen. Nicht so in Grünsfeldhausen. "Wir sind ganz still", sagt Maria Haun. In der kleinen Achatiuskapelle wären die Klappern dann doch zu laut.

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Wenn die Ministranten von St. Achatius am morgigen Karfreitag ihren Dienst verrichten, haben sie ihren Lohn schon erhalten. Dem alten Brauch folgend sind sie schon an Lätare - das ist der dritte Sonntag vor Ostern - von Haus zu Haus gezogen. "Eier raus, der Bär ist draus! Hutzel raus, der Butz ist draus!", haben sie gerufen und von den Leuten Eier bekommen.

Noch einen weiteren Brauch pflegt man in Grünsfeldhausen. In der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag wird das sogenannte Judasfeuer angezündet. Es soll daran erinnern, dass Judas Ischariot nach biblischem Verständnis Jesus verraten haben soll. Willi Maag erinnert sich: "Früher hat man die Kränze, die man zu Allerheiligen auf das Grab gelegt hat, beim Judasfeuer verbrannt." feu