In der Pfarrkirche Peter und Paul - Interreligiöse, interkulturelle und interkommunale Gedenkveranstaltung anlässlich der Pariser Terroranschläge Ein Zeichen gegen Terror und Gewalt

Von 
Peter D. Wagner
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Gegen Ende der Gedenkstunde nahmen sich bei dem Lied "We shall overcome" die Besucher bei den Händen, bevor fünf Gedenk- und Schweigeminuten in aller inneren Stille, begleitet von Glockenläuten, die Gedenkstunde besonders besinnlich und ebenfalls emotional bis unter die Haut gehend abschlossen.

© Peter D. Wagner

Grünsfeld/Wittighausen/Lauda-Königshofen. Sowohl sehr rege angenommen als auch mitunter sehr bewegend war eine rund einstündige interkommunale, interreligiöse und interkulturelle Gedenkveranstaltung, die in der Kirche St. Peter und Paul in Grünsfeld anlässlich der Terroranschläge in Paris stattfand. Mit dieser Gedenkstunde wollten die Initiatoren, Organisatoren und Mitwirkenden unter anderem ein deutliches Zeichen gegen Terror und Gewalt setzen.

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Die Gedenkstunde erfolgte in Zusammenarbeit mit der Stadt Grünsfeld, der Stadt Lauda-Königshofen und der Gemeinde Wittighausen sowie deren jeweiligen Bürgermeistern Joachim Markert (Grünsfeld), Thomas Maertens (Lauda-Königshofen) und Marcus Wessels (Wittighausen), die bis auf Maertens, der sich krankheitsbedingt durch Siegfried Neumann vertreten lassen musste, bei der Veranstaltung auch zugegen waren.

Mitgeleitet wurde die Gedenkveranstaltung in ökumenischer Kooperation von Pfarrer Oliver Störr (Grünsfeld/Wittighausen) und Pfarrerin Laura Breuninger (Königshofen/Grünsfeld/Wittighausen). In einem der wesentlichen Programmpunkte wurden verschiedene Texte und Zitate zum Nachdenken und Besinnen verlesen, die unter anderem von Albert Schweitzer, Rosa Luxemburg, Abdu'l-Bahá, Religionslehrer der Bahai, Martin Buber, Joachim Gauck stammten oder ein Statement der Alevitischen Gemeinde gegen die Terroranschläge wiedergaben. Zudem verlasen Breuninger und Störr gemeinsam einen Psalm. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung von Wolfgang Goericke (Piano) und Thomas Nitschke (Gesang).

"Tränen", so der Titel des von Wolfgang Goericke gespielten Eingangsliedes, habe es bei vielen Menschen nach den Terroranschlägen in Paris gegeben, vor allem auch Erschütterung, Trauer, Fassungslosigkeit, ebenso Nachdenklichkeit, hob der Lauda-Königshöfener Bürger und Journalist Peter D. Wagner, der die Ur-Initiative für die Gedenkveranstaltung hatte, im Namen des Organisationsteams in seiner Eingangsrede hervor. Bereits am Tag nach den Anschlägen, als das ganze Ausmaß immer deutlicher geworden sei, seien sich mögliche Akteure und Mitwirkende übereinstimmend einig gewesen, mit einer noch dazu interkommunalen, interreligiösen und interkulturellen Gedenkveranstaltung dazu aufzurufen und dazu einzuladen, gemeinsam zum einen den Opfern und deren Angehörigen der Pariser Terroranschläge gedenken, zum zweiten ein Zeichen gegen Terror und Gewalt setzen sowie bekräftigen zu wollen, dass Terror und Gewalt keinesfalls ein akzeptables oder nur irgendwie zu rechtfertigendes Mittel sein dürfe und auch niemals sein könne, um Konflikte zu lösen.

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Zudem wurde, was speziell die Stadt Lauda-Königshofen anging, zugleich von den beiden anderen Kommunen mitgetragen wurde, auch Solidarität und Verbundenheit im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft mit Lauda-Königshofens Partnerstadt Boissy, die unmittelbar vor den Toren von Paris liegt, sowie mit deren Bürger bekräftigt.

Neben Vertretern und Mitgliedern der christlichen Kirchen konnten im interreligiösen Sinne auch Vertreter und Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften begrüßt werden - unter anderem der Alevitischen Gemeinde und der Bahai-Gemeinde.

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Zwar konnten wegen einer anderen Veranstaltung in Mannheim keine Vertreter der Türkisch-Islamischen Gemeinde aus Lauda an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, Vorsitzender Murat Yildirim hatte jedoch zuvor seine wohlwollende und zusprechende Reaktion auf die Einladung zu der Gedenkveranstaltung mitgeteilt.

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Die Gedenkrede wurde stellvertretend für seine beiden Amtskollegen von Bürgermeister Joachim Markert gehalten. Zum einen erinnerte er in seiner ebenfalls sehr bewegenden Ansprache an die Chronologie der erschütternden Ereignisse von Paris.

Zum zweiten bekräftigte auch Markert, dass die europäischen und freiheitlichen Werte im Angesicht der Gewalt von Kalaschnikows und Sprengstoffgürtel nicht in Frage gestellt werden dürften. "Wir werden auf den Terror mit mehr Demokratie, Offenheit und Toleranz reagieren", zitierte Markert den ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg.

Besonders bewegende und tief gehende Momente waren, als im Anschluss an eine "Liebeserklärung an Paris" des französisch-deutschen Kabarettisten Alfons, vorgelesen durch den Partnerschaftskomitee-Vorsitzenden Jürgen Kluger, Goericke Resonanzen aus Boissy auf die hiesige Veranstaltung verlas sowie bei dem letzten Lied gegen Ende dieser Gedenkstunde "We shall overcome" sich die Besucher bei den Händen nahmen.

Eine abschließende Gedenk- und Schweigeminute in aller inneren Stille, begleitet von Glockenläuten, rundete die Gedenkstunde besonders besinnlich und ebenfalls emotional bis unter die Haut gehend ab.

Wie aus Boissy-Saint-Léger zu erfahren war, wurde beim dortigen Gottesdienst am Sonntagvormittag die Aktion in Grünsfeld ausführlich vorgestellt.

"Die Gemeinde bedankt sich ganz herzlich für dieses Gedenken und die rege Teilnahme daran", hieß es unter anderem in einer Mitteilung aus der französischen Partnerstadt.