Bahnbau Gruppe - Das „System Grünsfeld“ mit wiederverwertbaren Modulen kommt auf der Strecke zwischen Bruchsal und Bretten zum Einsatz Fußgängerbrücken gehen auf die Reise

Von 
Diana Seufert
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Fußgängerbrücken über Bahngleise gingen in den letzten Tagen von Grünsfeld aus auf Reisen. Die Bahnbau Gruppe hatte von der Planung bis zur Auslieferung alles in eigener Hand. © Diana Seufert

Die DB Bahnbau Gruppe in Grünsfeld schickt vier spezielle Fußgängerbrücken auf die Reise. Der Auftrag hat ein Volumen von einer Million Euro.

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Grünsfeld. „Langsam ablassen“, ruft der Mitarbeiter. Er gibt dem Kranfahrer ein Zeichen. Vorsichtig senkt sich die 24 Meter lange Stahlkonstruktion. Es ist Präzisionsarbeit. Die Fußgängerbrücke schwebt am Haken und soll auf den bereitstehenden Lkw verladen werden. Herbert Spengler, Leiter der Brückenwerkstatt Grünsfeld der DB Bahnbau Gruppe, überwacht den Transport der Fußgängerbrücken. Sie wurden für die Bahnstrecke zwischen Bruchsal und Bretten in den letzten Wochen gefertigt und sollen in Heidelsheim, Helmsheim, Gondelsheim und Diedelsheim eingebaut werden.

Die Bauwerke mit einem Finanzvolumen von rund 1,1 Millionen Euro sind nötig, weil die Schnellbahnstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart noch bis Oktober gesperrt ist und die Züge entsprechend umgeleitet werden. „Damit die Gemeinden durch das vermehrte Zugaufkommen nicht geteilt werden, errichten wir die Fußgängerbrücken über die Gleise“, erläutert Spengler. Denn auf der stark ausgelasteten Strecke blieben durch den zusätzlichen Verkehr diese vier Bahnübergänge dauerhaft gesperrt, der Verkehr werde weiträumig umgeleitet. Ohne die Brücken hätten die Fußgänger jedoch keine Möglichkeit, in den anderen Teil des Orts zu gelangen.

20 Tonnen schwer

Die erste Brücke ist bereits verladen und zum Abtransport fertig. Bevor der Lkw allerdings den Hof verlässt, begutachtet Thomas Koch, Leiter der Produktionskontrolle, die Ladungssicherung.

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Die Stahlbauwerke sind zwischen 19 und 24 Metern lang. Das Schwerste wiegt rund 20 Tonnen, das nun vom Werk in Grünsfeld abtransportiert wird. „Da sind für uns Leichtgewichte“, scherzt Spengler. Die Eisenbahnbrücken, die die Werkstatt häufiger fertigt, wiegen nicht nur mehr, sondern haben auch teilweise die dreifache Spannweite.

Ende Januar hatte man den Zuschlag für das Projekt der DB Netz AG erhalten. Für Herbert Spengler aber kein Problem. „Wir lieben diese Herausforderung“, sagt der Chef der 35 Mann starken Truppe, die sich sofort an die Ausarbeitung der Pläne gemacht hat. Denn nicht nur die Fertigung und Produktion läuft in Grünsfeld in Sichtweite des Bahnhofs, sondern auch die Konstruktion und die Kontrolle. Die Sicherheit müsse stets gewährleistet sein – ob Behelfsbrücke oder Regelbauwerk. „Von der Herstellung von Profilen und Blechen über Schweißarbeiten bis zur Endfertigung findet alles in Grünsfeld statt“, ist Spengler stolz auf sein Spezialistenteam. Und er betont: „Genauso wichtig wie die Umsetzung sind Kreativität und Design.“ Als „System Grünsfeld“ hat sich die Bahnbau Gruppe nicht nur bei Behelfsbahnsteigen bereits einen Namen gemacht. Hinter dem System steckt ein ressourcenschonendes Modulverfahren, das gleichzeitig auch den CO2-Ausstoß reduzieren will.

Unkompliziert und funktionell

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Das Motto der Bahnbau Gruppe: Einfach machen. Unkompliziert, funktionell und wiederverwertbar ist bei Planung und Umsetzung das oberste Gebot. Bei den aktuellen Brücken habe man drei Module zusammengefügt, die jederzeit andernorts wiederverwendet werden könnten. Auch die Unterkonstruktion könne bei Bedarf weiter genutzt werden. „Einige Teile waren bereits in anderen Brücken verbaut“, so Spengler. „So leisten wir einen großen Beitrag in Sachen Nachhaltigkeit.“

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In ganz Deutschland, zwischen Sylt und Garmisch-Partenkirchen, ist die Truppe im Einsatz. Neben dem Neubau kümmert man sich auch um die Reparatur von Brückenbauwerken entlang der Bahnstrecken. „Außer in Grünsfeld gibt es nur noch in Dresden ein solches Werk“, macht Spengler deutlich.

Von Oberleitungen über Beleuchtung und Schienenarbeiten bis zum Stahlbau übernimmt man zahlreiche Aufgaben. Bei Wittighausen und Lauda hat man auch schon Behelfsbrücken eingebaut. Ein bisschen fühle man sich als „Feuerwehr“, meint der Oberbauleiter mit einem Lächeln über das Spezialgebiet „Brückenreparatur“. „Wenn es brennt, sind wir da.“ Und Brennen meint Spengler in diesem Fall wörtlich. Als kürzlich ein Brand im Tunnel am Stuttgarter Bahnhof ausbrach, sprangen die Spezialisten ebenso ein, wie an einer Eisenbahnbrücke, die drohte einzustürzen. Solch knifflige Aufgaben liebe man. „Wir sind zwar eine kleine Truppe, aber gut und bewegen viel.“

Die letzte Brücke ist verladen, die Lkw können ihre Reise Richtung Bruchsal antreten. Einiges an Arbeit steckt noch im Aufbau vor Ort. Dazu muss die betroffene Bahnstrecke komplett gesperrt werden. „Wir haben ein Zeitfenster von wenigen Stunden, da muss alles passen“, erklärt Spengler. Schlechtes Wetter kennt die Truppe nicht. Dafür aber gute Partner, die die Projekte begleiten und bei der Umsetzung helfen.

Zwischen Bruchsal und Bretten klappt alles reibungslos. Bis November sollen die Brücken den Fußgängern das Leben erleichtern. Dann werden sie abgebaut und zum nächsten Standort gebracht.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz