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„Tag des offenen Denkmals“ - In Großrinderfeld geht es am Sonntag, 12. September, auf die Suche nach historischen Grenzsteinen

Unbekannte Schätze im Großrinderfelder Wald entdecken

Von 
Matthias Ernst
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Großrinderfeld. Der „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September, ruft geradezu auf, sich in Großrinderfeld entlang der ehemaligen Grenze der Gemeinde zum churmainzischen Gebiet führen zu lassen und neue Eindrücke zu gewinnen.

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Motto passt zum Thema

Das Motto des „Tages des offenen Denkmals“ lautet „Sein und Schein- in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. Das passt doch gut zum Thema mit dem Wiederauffinden von alten Grenzsteinen, die als Kleindenkmale katalogisiert sind oder noch werden, dachten sich die sechs Wanderwarte der Gemeinde Großrinderfeld. Und so ersannen sie eine etwa vier Kilometer lange Wanderung auf Waldwegen und -pfaden.

Grenzsteine sind Kleindenkmale und erinnern mit ihren Gravuren an längst vergessene Zeiten. © Matthias Ernst

Im Mittelpunkt stehen dabei etwa 30 historische Grenzsteine mit Bezug zum Churstaat Mainz, zum Fürstentum Leiningen, zum Kloster Bronnbach und zur alten Geleitstraße von Würzburg nach Mainz. „Wir wandern im ehemaligen Grenzgraben und entdecken dabei längst versunkene Schätze der Vergangenheit“, ruft Walter Lutz die Teilnehmer zu einer historischen Exkursion auf. Treffpunkt ist die frisch renovierte Forsthütte am zweiten Forstbuckel. Die Hütte wurde in einer Gemeinschaftsaktion von Ehrenamtlichen, Jugendfeuerwehr und gemeindlichem Bauhof saniert. Sie liegt an der „alten Bischemer Straße“, zu Beginn des Großrinderfelder Forsts. Dort befindet sich auch der Wallfahrerbildstock, der den Wallfahrer in Richtung Walldürn den Weg weist.

Die geführte Wanderung beginnt am Sonntag, 12. September, um 10 Uhr. Sie dauert etwa zwei Stunden. Die Wanderwarte Walter Lutz, Walter Kees, Claus Leuchtweis, Bernd Leuchtweis, Ulrich Hoch und Friedbert Lang haben den Weg in mühevoller Handarbeit freigelegt und nutzten zur Auffindung der Grenzsteine auch alte Karten, welche die Grenzverläufe der letzten Jahrhunderte darstellen. Die letzten Steine wurden etwa 1818 gesetzt, als die Grenzverläufe letztmals großflächig dokumentiert wurden, berichtet Walter Kees. Das war die Zeit des Fürstentums Leiningen, weshalb man auf viele Steine mit der Gravur „FL“ trifft.

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Intensiv genutzt

Aber auch die Kürzel „CM“ für Churstaat Mainz oder „CB“ für Kloster Bronnbach sind zu finden. Das Kloster aus dem Taubertal besaß auf Großrinderfelder Gemarkung mehrere Waldflächen, die intensiv genutzt wurden, wie alte Quellen aus dem Archivverbund Wertheim und dem Staatsarchiv Würzburg berichten.

„Was allerdings der Stein mit der Bezeichnung „CBM“ aus dem Jahr 1736 bedeutet, das wurde noch nicht abschließend geklärt. Selbst die Fachleute sind sich in der Deutung uneins, bedauert Walter Lutz. Ob es sich um einen gemeinsamen Stein der Gemarkung Churstaat Mainz und Kloster Bronnbach handelt oder ob es ein Missverständnis der Steinmetze war, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Solche und ähnliche Geschichten machen den Rundgang zum Tag des offenen Denkmals so interessant. Beim Gang durch den Wald kann man auch den ältesten Stein aus Buntsandstein mit der Jahreszahl 1638 sehen, der erst kürzlich an die Oberfläche kam und von den Wanderwarten liebevoll neu aufgerichtet wurde.

Viel zu erfahren

Außerdem lernt man etwas über die alten Flurbezeichnungen, die Anhaltspunkte für die Bedeutung der Gegend in früheren Jahrhunderten waren.

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Insgesamt 112 Grenzsteine gab es früher entlang der Grenze zum churmainzischen Gebiet, etwa 90 sind bereits gefunden und digital erfasst. Bei einem zweiten Teil der Wanderung am 17. September, dem „Deutschen Tag des Wanderns“, werden dann die östlichen Steine vorgestellt. Auch hier versprechen die Wanderwarte interessante Einblicke in die Geschichte.

Das Projekt der Katalogisierung und Erhaltung der alten Grenzsteine wird über ein „Leader“-Förderprogramm unterstützt. So erhält jeder gefundene Grenzstein ein Hinweisschild, damit bei Waldarbeiten Rücksicht auf die alten Steine genommen werden kann.

Fast 4000 historische Bauwerke und Veranstaltungen lassen sich beim „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September, bundesweit entdecken – vor Ort und per Mausklick im Internet. Neben dem Rundgang in Großrinderfeld können die Bürger weitere bedeutende Bauwerke im Kreis bestaunen, darunter das Schloss in Külsheim. Erste Bauteile des Schlosses wurden um das Jahr 1000 errichtet, heute befindet sich hier der Sitz der Stadtverwaltung.

Repräsentativer Steinbau

In Wertheim ist das Gebäude „Alte Münz“ geöffnet, ein repräsentativer Steinbau des 13. Jahrhunderts mit Stufengiebel aus dem 15. Jahrhundert und Fachwerkanbau des Schultheissen.

In Weikersheim-Nassau öffnet das ehemalige Forsthaus, das heute als Ferienhaus genutzt wird, die Türen.

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