Kooperation - Gemeinde Großrinderfeld und Tageselternverein wollen Zusammenarbeit bei der Betreuung verstärken Sinnvolle Ergänzung des Angebots

Von 
Diana Seufert
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In der Kuschelecke genießen Britta und Thilo die Lesestunden mit Tagesmutter Mona Schörösch. © Seufert

Die Betreuung durch Tagesmütter bietet Flexibilität für Eltern und die Betreuungsperson. Nun hat die Gemeinde Großrinderfeld die Kooperation mit dem Tageselternverein unterzeichnet.

Tageselternverein Main-Tauber-Kreis

Aus einer Initiative des Landfrauenverbandes heraus wurde der Tageselternverein Main-Tauber-Kreis im November 2002 gegründet, mit dem Ziel, wohnortnahe, individuelle und qualifizierte Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu schaffen.

Der Tageselternverein kooperiert mit dem Jugendamt Main-Tauber-Kreis, das die Aufgabe der Kindertagespflege nach § 22 SGB VIII ff. an den Verein delegiert hat. Zudem ist der Vereinanerkannter Träger der Freien Jugendhilfe.

Der Verein setzt sich für die qualifizierte Kinderbetreuung ein und unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er berät Eltern und Tageseltern in allen Fragen der Tagespflege, vermittelt und begleitet die Betreuungsverhältnisse. Die Qualifizierung der Tagespflegepersonen orientiert sich an den Vorgaben des Deutschen Jugendinstituts.

Die Bezahlung der Tagesmütter/Tagesväter erfolgt über das Jugendamt, wenn die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. dib

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Großrinderfeld. Es ist gemütlich in der Kuschelecke. Kissen und Felle liegen auf dem Boden. Tagesmutter Mona Schörösch hat Britta und Thilo auf dem Schoß. Die Bausteine auf dem bunten Spielteppich interessieren die beiden Zweijährigen jetzt nicht. Sie wollen lieber ein Buch lesen.

Seit zehn Jahren ist Mona Schörösch bereits als Tagesmutter aktiv. „Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen“, schwärmt sie mit einem strahlenden Lachen. Es wird gesungen, gespielt und gebastelt. Und so oft wie möglich ist sie mit den Kleinen draußen, macht Spaziergänge zum Spielplatz oder zu den Pferden, die in der Nähe auf der Weide stehen. „Jeder Tag mit den Kindern hat viele schöne Momente.“ Dass die Eltern den Nachwuchs bei ihr gut betreut wissen und mit einem guten Gefühl zur Arbeit fahren können, ist für sie ebenfalls eine wertvolle Erfahrung.

Bis zu vier Kinder betreut die erfahrene Tagesmutter gleichzeitig. „Mehr sollten es nicht sein, weil man den Kindern sonst nicht gerecht wird“, hat Schörösch für sich entschieden. Manche Kinder kommen bereits um 7 Uhr, andere bleiben bis 17 Uhr – die Fachkraft muss also flexibel sein.

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Drei Tagesmütter gibt es in Großrinderfeld, und die Nachfrage ist groß. Mona Schörösch würde sich freuen, wenn sich weitere Interessierte für diese Aufgabe der Kinderbetreuung fänden. Ein Schritt dazu ist die Kooperationsvereinbarung mit dem Tageselternverein Main-Tauber-Kreis, die die Kommune kürzlich abgeschlossen hat. Bürgermeisterin Anette Schmidt spricht dabei von einer sinnvollen Ergänzung des Betreuungsangebots der unter Dreijährigen in der Gemeinde. Denn nicht alles könne über die Kindertagesstätten abgedeckt werden – vor allem in den Randstunden, wie morgens oder abends.

Zuschuss der Kommune

Dazu liefert die Kommune ihren finanziellen Beitrag. „Die Bezuschussung von Randzeiten, die Abfederung von betreuungsfreien Zeiten, etwa bei Krankheit, und die Honorierung einer langfristigen Betreuung sind uns wichtig“, betont die Rathauschefin. Die Mutter von drei Kindern weiß, wie schwierig es sein kann, eine passende Betreuung für den Nachwuchs zu finden. Deshalb unterstütze sie das notwendige Angebot. Und sie fügt an: „Für die Kommune ist der finanzielle Aufwand überschaubar, wenn man es mit Krippen und Kita-Plätzen vergleicht.“ Bisher nimmt die Kommune rund 1,2 Millionen Euro für die Kinderbetreuung in die Hand.

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Die Flexibilität, die familiäre Atmosphäre und die Qualität der Erziehung stehen für die Vorsitzende des Tageselternvereins, Carmen Keppner, und Fachberaterin Judith Menz im Vordergrund. „Sich nach den Wünschen der Eltern richten zu können, aber auch die Arbeit nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, ist ein klarer Vorteil von Tagesmüttern“, spricht Carmen Keppner von einer Win-Win-Situation. Damit seien auch Betreuungsmöglichkeiten am Wochenende oder am Abend gegeben. Sie hat die Erfahrung macht, dass nicht nur die Eltern im Berufsleben bleiben wollen, sondern dies von vielen Betrieben gewünscht ist. Und bei schwierigen familiären Situationen könne die Betreuung durch die Tagesmutter gerade für die Eltern eine Entlastung darstellen. Ihr war der Kooperationsvertrag mit der Kommune ebenfalls wichtig, weil sich dadurch die Rahmenbedingungen der Tagespflegepersonen verbessern. „Es ist toll, dass die Zusammenarbeit jetzt klappt“, so Keppner. Gleichzeitig nimmt sie die Politik in die Pflicht, mehr Mittel für die Betreuung der Kleinkinder zur Verfügung zu stellen. Tagesmütter seien eine gute und wichtige Ergänzung als Betreuungsform. Das müsse auch anerkannt werden. Zumal sie eine zweijährige Ausbildung durchliefen, jährliche Fortbildungen nötig seien und die Arbeit regelmäßig überprüft werde. „Die Tagesmütter öffnen gewissermaßen ihren privaten Haushalt“, so Menz.

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Was steckt hinter dem Vertrag? Durch die Kooperation will man das Risiko der Tagespflegepersonen etwas abfedern. Die außerordentlichen Betreuungszeiten werden durch die Kommune teils mitgetragen. Pro Betreuungsstunde gibt es auf Antrag eine Zuzahlung von zwei Euro, zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ist es ein Euro. Ab einem Betreuungsumfang von 300 Stunden im Jahr gewährt die Gemeinde der Tagespflegeperson auf Antrag eine jährliche Sonderzahlung. Dies ist maximal zweimal pro Kind und Jahr mit einem entsprechenden Nachweis möglich. Geld erhalten die Tagesmütter auch bei Verdienstausfall durch Krankheit oder Urlaub – allerdings erst ab einer Betreuungszeit von zwölf Monaten. Voraussetzung ist ein Betreuungsumfang von zwölf Stunden pro Woche.

Wichtiger Schritt

Für Anette Schmidt ist die Kooperation ein wichtiger Schritt in Sachen Kinderbetreuung. Sie hat Ideen, das Angebot zu erweitern, etwa als Ferienbetreuung für Schulkinder. „Von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr ein flexibles Spektrum an Betreuungsvarianten zu schaffen, wäre klasse.“ Dazu bedürfe es noch zahlreicher Gespräche und Überlegungen – nicht nur mit den Tagesmüttern.

Die Knirpse Thilo und Britta hält es nicht mehr in der Dachwohnung, die kindgerecht für die Betreuung eingerichtet ist. Sie wollen raus und ziehen sich ihre Schuhe an. In wenigen Monaten kommen die beiden in den Kindergarten. Und wenn sie Lust haben, dürfen sie ihre Tagesmutter Mona immer besuchen kommen – so wie viele andere Kinder vor ihnen.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz