Blick in die Dorfgeschichte - Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war der Schmied ein unverzichtbarer Handwerker im ländlichen Raum Im Winter wurden Wasserleitungen geflickt

Von 
Klaus Reinhart
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Früher gehörten sie zum Ortsbild: Die Schmieden. In Großrinderfeld gab es drei. Dabei beschränkte sich ihr Handwerk nicht nur auf das Beschlagen der Pferde mit Hufen.

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Grossrinderfeld. Als die Technik in der Landwirtschaft noch nicht so fortgeschritten war, gab es zahlreiche Handwerker in den tauberfränkischen Dörfern. Dazu gehörten auch die Schmiede, von denen es in Großrinderfeld gleich mehrere gab. Im ländlichen Raum war der Schmied noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg ein unverzichtbarer Handwerker mit breitem Spektrum, zum Beispiel als Beschlagschmied für Wagen und Ackergeräte, als Hufschmied, Schlosser und Werkzeughersteller.

Die Schmiede des Martin Schäfer (im Hintergrund) befand sich in der Mittleren Gasse in Großrinderfeld in den 1920er Jahren. © Fotoarchiv Klaus Reinhart

Die traditionellen Aufgaben des Hufschmieds waren der Beschlag mit Hufeisen. Dazu gehört auch die Zubereitung des Hufes für den Beschlag durch Ausschneiden, Wirken und Raspeln des Horns. Bis zum Siegeszug der Schlepper Anfang der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten die größeren Bauernhöfe noch mindestens ein Pferdegespann.

Repariert werden mussten auch die Pflüge, Eggen und anderen Bearbeitungsgeräte, wenn sie durch Abnutzung in die Jahre gekommen waren. Als diese Arbeiten durch den Fortschritt der Technik zurückgingen, mussten Schmiede ihre Arbeitsweise umstellen. Feuergeschweißte Metallstücke gehörten früher zu den Spezialitäten der „alten“ Schmiede. Beim Feuerschweißen wurden Eisenstücke im Feuer verbunden. Dazu wurde der Stahl im Feuer bis zum Schmelzpunkt erhitzt und im teigigen Zustand durch schnelle Hammerschläge auf dem Amboss verbunden.

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Ein Problem dabei war, dass der Schmelzpunkt oberhalb des Flammpunktes von Eisen liegt. Das Eisen musste also vor Sauerstoffzufuhr geschützt werden, da es sonst verbrennen würde. Dazu wurde das Werkstück mit Quarzsand bestreut. Der Quarzsand verglaste, bevor der Stahl den Flammpunkt erreichte, und bildete so eine schützende Glasschicht bis zum Vorgang des Feuerschweißens.

Die Modernisierung in den Dörfern brachte Hoftore aus Metall und Gartenzäune aus Schmiedeeisen mit sich, die in feinster Arbeit von den Schmieden ausgeführt wurden. Die Schmiede waren auch für die öffentlichen Wasserleitungen in den Straßen zuständig. Die in den 1920er Jahren verlegten Gussrohre hielten in den 1960er Jahren den höher gewordenen Wasserdruck oft nicht mehr stand. Rohrbrüche waren an der Tagesordnung.

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Aufgerissene Straßen mit tiefen Löchern, in denen der Schmied bis an die Knie im Schlamm stand, waren besonders in der Winterzeit ein gewohntes Bild. Nach und nach wurden die öffentlichen Wasserleitungen erneuert und die Arbeit der Schmiede ging auch auf diesem Sektor zurück.

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In den Privathäusern verlegten die Schmiede, meist freiliegend, Wasserleitungen. Waren diese in strengen Wintern eingefroren, kam der Schmied mit der Lötlampe und versuchte die Leitung wieder gangbar zu machen.

In Großrinderfeld überlebte von den drei letztlich ansässigen Schmieden Schäfer, Lang und Spinner nur einer. Dessen Sohn lernte Installateur und Maschinenmechaniker, übernahm den väterlichen Betrieb und stieg intensiv auf den Schlepperhandel ein, den er jetzt schon auf die nächste Generation übertragen hat.

Heute stehen PS starke Schlepper vor der ehemaligen Schmiede, vor der Erntezeit sogar Mähdrescher, das Klingen der Schläge auf dem Amboss gehört der Vergangenheit an. Die Schmiede Fath, die im späteren Milchhäusle an der Hauptstraße war, wurde schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.