Rauch Museum - Sonderausstellung "50er Jahre" noch bis 18. März in Freudenberg zu sehen Reise durch die Wirtschaftswunderwelt

Von 
Holger Watzka
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Die Sonderausstellung "50er Jahre" im Rauch Museum in Freudenberg weckte bei vielen Besuchern Erinnerungen.

© Watzka

Die 1950er Jahre werden bei der Sonderausstellung im Rauch Museum in Freudenberg lebendig.

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Freudenberg. Die neue Sonderausstellung des Rauch Museums in Freudenberg widmet sich den 1950er Jahren. Eröffnet wurde vor großem Publikum eine bemerkenswerte Ausstellung, finden sich doch hier für viele Besucher liebevoll zusammengetragene Jugenderinnerungen in Möbeln, Kleidung und auch Accessoires: Dinge an die der Betrachter sich gerne erinnert, schaute es in der guten Stube bei den eigenen Großeltern doch auch so aus.

"Spiel noch einmal für mich Habanero." Der Ohrwurm von Caterina Valente wurde zum Auftakt vom Gitarrenkurs der Musikschule Freudenberg unter Leitung von Michael Korn gespielt und unaufgefordert stimmte das Publikum begeistert ein. Nach solch einer melodischen Steilvorlage hatte Museumsleiter Wolfgang Sasse ein leichtes Spiel, die vielen Interessenten mit auf eine Reise durch die Nachkriegsjahre zu nehmen.

Viel gibt es zu entdecken, denn die 50er Jahre waren mehr als Tütenlampen, Nierentisch und Petticoat. Neben Ernährung und Kleidung war zu dieser Zeit nichts von so großer Wichtigkeit, wie die eigene Wohnung und deren moderne Einrichtung. Die Ausstellung entführt in die Zeit, Inhalt ist die zeitgenössische Sachkultur: Möbel, Hausrat und Kleidung.

Harmonisches Design

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"Die 50er Jahre", so Wolfgang Sasse, "waren ein Zeitraum, in dem die Menschen, denen noch der Krieg in den Knochen steckte, sich vor allem nach Ruhe und Sicherheit sehnten. Diese Zeit steht auch für den Beginn der modernen Gesellschaft. Wie der Aufstieg des Fernsehens, Anfänge des Automobilbooms, der Massentourismus und der Teenagerkultur." Nach den Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit war das Bedürfnis nach Glück und Zufriedenheit, nach einem farbigen, harmonischen "Lebensdesign" groß. So wurden in Freudenberg die Grundlagen für einen modernen Stil und demzufolge auch eine moderne Produktion gelegt. Für Rauch waren dies ein wichtiges Jahrzehnt in der Entwicklung des Unternehmens.

Wolfgang Sasse zählte die wichtigen Stationen in dieser Dekade auf. 1950 betrug der Umsatz etwa vier Millionen Mark, der von 200 Mitarbeitern erwirtschaftet wurde. Die erste Mengenproduktion wurde eingeführt.

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Otto Rauch schuf die Grundlagen nicht nur für eine moderne Produktion, sondern auch für ein soziales Umfeld. So wurde 1950 die Belegschaft mit Angehörigen auf Einladung von Otto Rauch in den "Zieglersaal" zum Maitanz eingeladen. Otto Rauch hat auch zwei Erholungshäuser unter Vertrag genommen. Das Hotel "Hirsch" im Glottertal im Schwarzwald und das "Nannerl" in Berchtesgaden. Damals wurden die Mitarbeiter in Kleinbussen zur Erholung gefahren.

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Ein Jahr später, 1951, wurde die erste Kantine gebaut. Auch eine erste Arbeitnehmervertretung als Betriebsrat wurde ins Leben gerufen. 1952 starb Otto Rauch, der die Grundlagen für die moderne Möbelfabrikation geschaffen hatte. Seine drei Söhne Wendelin, Günther und Heinz Rauch übernahmen die Geschäftsleitung. 1956 betrug der Umsatz schon beachtliche 13 Millionen Mark, den 290 Mitarbeiter erwirtschafteten.

1958 wurde die erste Kölner Messe bestückt und das Unternehmen stellte sich dem internationalen Publikum vor. 1959 steigerte sich dann der Umsatz auf 17 Millionen Mark bei einer Belegschaft von 360 Mitarbeitern.

1960 wird als eine kleine Revolution das indirekte Druckverfahren eingesetzt, um das kostenaufwendige und zeitraubende Verfahren des Furnierens und Bleichens zu ersetzen. Diese Oberflächentechnik wird bis heute praktiziert und ist im Laufe der Zeit immer wieder verbessert worden. Durch bewusstes und verantwortungsvolles Wirtschaften entstand in der Folgezeit ein Unternehmen, das der Stadt Freudenberg und der Region einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung brachte. "Das Fundament dazu wurde in den 1950 Jahren gelegt", hieß es.

Damals setzten sich auch viele neue Materialien im Haushalt, bei der Wohnungseinrichtung und bei der Kleidung durch, die aus unterschiedlichen Kunststoffen waren. Diese sind bis heute auf Erfolgskurs, wie Resopal in den Oberflächen oder Perlon, Nylon und Diolen im Textilbereich. Das neue Oberflächenmaterial Resopal war allerdings schon in den 30er Jahren patentiert worden und ermöglichte unendliche Dekorvariationen. Es war hitzebeständig und leicht zu reinigen. Außer auf Küchenoberflächen wurde das neue Material auch bei Kleinmöbeln, wie Couchtischen und Blumenbänken, eingesetzt. Einförmigkeit war unmodern. Farbigkeit, Funktionalität und Leichtigkeit standen für modernes Wohnen.

Bravo und Borgward

Wolfgang Sasse ging auch auf die Neuerungen in den Medien ein. So begeisterte sich die Jugend für die "Bravo". Die Nachkriegsarchitektur leistete Beachtliches und auch die Motorisierung ist mit klangvollen Namen, wie Borgward oder BMW Isetta noch in guter Erinnerung.

Wie schon zum Auftakt entführte die Gitarrenband mit ihrem Schlussstück in die Zeit. Nur dass jetzt gefühlt alle Besucher im großen Saal in heiterer Atmosphäre den beliebten Refrain der Capri-Fischer sangen: "Und von Boot zu Boot das alte Lied erklingt, hör von fern, wie es singt. Bella, bella, bella Marie, bleib mir treu, ich komm zurück morgen früh."