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Gemeinderat - Eigenanteil würde über 80 000 Euro betragen / Nutzen zweifelhaft, da Schwellenwert nicht erreicht wird / Konzept für Starkregenmangement

Keine Luftfilter für Freudenberger Schulen

Von 
Birger-Daniel Grein
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Laut Verwaltung haben die CO-Ampeln in den Freudenberger Schulen noch nie angeschlagen. Auch deswegen seien Luftfiltreanlagen nicht notwendig. © dpa

Zu geringer Nutzen und zu hohe Kosten – der Freudenberger Gemeinderat lehntr Raumluftreiniger für die Schulen ab. Hingegen wird das Starkregenmanagement in Angriff genommen.

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Freudenberg. Einstimmig beschloss der Freudenberger Gemeinderat am Montag, auf die Installation von stationären Raumlufttechnischen Anlagen (RLT) in der beiden Freudenberger Schulen zum jetzigen Zeitpunkt zu verzichten. Die Räte teilten die Meinung der Fachleute, dass das Lüften der Räume zu den maßgeblichen Schutzmaßnahmen zur Senkung des Infektionsrisikos gehöre und daher zentrales Corna-Schutzelement sei.

Lüften wirksam

In der Sitzungsvorlage heißt es, es sei inzwischen nachgewiesen, dass das klassische Fensterlüften am wirksamsten für den Luftaustausch ist. „In unseren Grundschulen sind sowohl Unterrichtsräume als auch Lehrerzimmer mit großen Fensterfronten ausgestattet“, heißt es weiter. Zudem setze man CO2-Messgeräte ein. Bis dato sei der Schwellenwert, bei dem die Warngeräte ein Signal geben, noch nie erreicht worden.

Bereits vor einiger Zeit hatte sich der Gemeinderat gegen mobile Luftfilter ausgesprochen, da diese aus Sicht der Fachleute nur dann Sinn machten, wenn aus baulichen Gründen kein wirksames Stoßlüften möglich ist. Dies sei aber in Freudenberg möglich. Ansonsten würden die Nachteile der Geräte wie Lärmbelastung, fehlende Frischluftzufuhr sowie der hohe Energieverbrauch überwiegen.

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Stationäre RLT-Anlagen würden nicht nur die Luftqualität verbessern, durch die Wärmerückgewinnung würde zusätzlich der Wärmeverlust in der Heizperiode gemindert. „Die Experten gehen jedoch davon aus, dass die damit verbundenen Einsparungen die Beschaffungs- und Betriebskosten nicht amortisieren.“ Gemäß des neuen Bundesförderprogramm werden Planung, Investition und Montage von RLT-Anlagen mit bis zu 80 Prozent gefördert. Auf Basis eines vorliegenden Angebots errechnete die Verwaltung einen von der Stadt zu erbringenden Eigenanteil für die Anlage in beiden Schulen von etwa 81 180 Euro.

Bürgermeister Roger Henning zeigte sich geschockt von den hohen Kosten. „Der Mehrwert dafür ist begrenzt, daher empfehlen wir weder mobile Luftfilter noch stationäre RLT Anlagen“, so Henning. Diese Empfehlung sei mit der Schulleitung abgestimmt. Vorstellbar wäre ein Einbau im Rahmen einer umfassenden Sanierung der Gebäude und einer staatlichen Förderung von 100 Prozent für die Anlagen.

Die Stadträte sind von der Förderpolitik von Land und Bund enttäuscht. So stellte Peter Eckert fest, man sei in Jahr zwei der Pandemie, und es gebe immer noch keine passenden Pläne. „Dass wir jetzt als Kommune aktiv werden müssen, ist beschämend“, so Eckert. Henning erwiderte, 80 Prozent Förderung sei viel Geld, betrachte man aber die Summe für den Eigenanteil, passe es einfach nicht.

Werner Beck verwies darauf, dass auch Luftfilter nicht vom Lüften entbinde. Zudem seien die Preise für die Systeme wegen der großen Nachfrage sehr teuer. So beschloss der Gemeinderat, der Empfehlung zu folgen und sprach sich gegen einen Anbau der RLT-Anlagen zum aktuellen Zeitpunkt aus. „Bei 100 Prozent Förderung überlegen wir nochmal“, sagte Henning.

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Messgeräte für Kindergärten

Hartmut Beil und Ellen Schnellbach verwiesen darauf, dass Raumluftfilter auch für Kindergärten wichtig seien. „Man kann nicht erwarten, dass die Kinder den ganzen Tag mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen“, so Beil. Dies bestätigte auch Henning.

Man sei jedoch als Kommune für die Schulen zuständig, daher war der Antrag nur für diese. Träger der Kindergärten sei die Kirche. Beil schlug vor, auch für die Kindergärten CO2-Messgeräte bereitzustellen. Henning sagte, man stehe mit der kirchlichen Verrechnungsstelle im Austausch. Stelle diese einen entsprechenden Antrag, würde der Gemeinderat einer Förderung der Geräte sicher zustimmen, war er überzeugt.

Ergänzend stellte er fest, die Messgeräte für die Schule habe man vorfinanziert, ein entsprechender Förderantrag sei aber gestellt. Bauamtsleiterin Irina Friesen erklärte auf Nachfrage, das Bundesförderprogramm umfasse alle Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren und damit auch Kindergärten.

Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, die Ausarbeitung eines Konzepts für Starkregenrisikomanagement vorzubereiten und entsprechende Fördermittel zu beantragen. Starkregenereignisse stellten ein schwer kalkulierbares Überschwemmungsrisiko dar, hieß es aus der Verwaltung. Man könne sienicht verhindern, daher sei es um so wichtiger, Kenntnisse über Vorsorgemaßnahmen zu gewinnen.

Wesentlicher Bestandteil des Managements ist die Analyse von Flächen, die bei unterschiedlich ausgeprägte Starkregenereignisse überflutungsgefährdet sind. Diese bildet die Grundlage für die Risikoanalyse sowie das Handlungskonzept auch für private Eigentümer zur Risikominimierung.

Schäden minimieren

Die Konzepterstellung soll durch ein Fachingenieurbüro erfolgen. Die Kosten dafür wurden auf 78 000 bis 90 000 Euro geschätzt. Bei 70 Prozent Landesförderung verbleibt ein Eigenanteil von 24 000 bis 26 000 Euro für die Stadt, der in den Haushalt 2022 einzustellen ist.

Henning betonte, man könne nicht alle Schäden verhindern und sei der Natur ein Stück weit ausgeliefert. Dennoch könne ein Schutzkonzept helfen, Schäden zu minimieren und Leben zu retten. Seitens der Räte wurden verschiedenen Bereiche genannt, die bei Starkregen gefährdet seien.

Beil zeigte sich von der Förderhöhe enttäuscht und wünschte sich mehr Unterstützung. Henning verwies darauf, dass ein Schutzkonzept auch Grundlage für eine eventuell später mögliche Förderung von Schutzmaßnahmen sei.

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