Rauchmuseum - Kerstin Hohm zeigt in der Sonderausstellung „Leben in Ton“ ihre Arbeiten aus dem Naturmaterial Freie Schaffenskraft mit den vier natürlichen Elementen

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bdg
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Kerstin Hohm erklärte bei der Vernissage zu ihrer Ausstellung „Leben in Ton“ im Rauchmuseum Museumsleiter Wolfgang Sasse (links) Bedeutung und Entstehung der Werke. Ihr Ehemann Martin Hohm (Mitte) hatte die Laudatio gehalten. © Grein

Freudenberg. Mit dieser Sonderausstellung beteiligt sich das Museum der Möbelwerke an den Freudenberger Kulturwochen. Ton sei jenes Material gewesen, mit dem Menschen zuerst versuchten, menschliches darzustellen, stellte Museumsleiter Wolfgang Sasse in seiner Begrüßung fest. Beweise dafür fänden sich in zahlreichen archäologischen Skulpturfunden.

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Die Künstlerin Kerstin Hohm aus Mömlingen setze sich mit dem heutigen Menschenbild auseinander. Sie zeichne mit ihren Skulpturen ein Psychogramm des Menschen, wie er von der Umwelt beeinflusst wird. Hohm habe den Mut, Gewöhnliches zu durchbrechen. Neben Talent sei für eine Künstlerin auch die Fähigkeit zur Selbstkritik und die Bereitschaft zum stetigen Weiterlernen zentral.

Die musikalische Umrahmung der Vernissage übernahm erneut Karin Amrhein von der Musikhochschule Würzburg. Sie hatte ihre Stücke passend zu den Themen der ausgestellten Werke ausgewählt und ließ unter anderem klassische Stücke und Jazz erklingen.

Die Laudatio auf die Künstlerin hielt ihr Ehemann Martin Hohm. Er betonte, ein Künstler müsse vielfältige Entscheidungen treffen. Es gelte, aus der Fülle möglicher Materialien die eigenen Vorlieben zu finden und einen eigenen Kunsttypus zu entwickeln. Dabei spiele auch die Aussage eine Rolle, die man mit den Werken treffen will. Es stelle sich aber auch die Frage, mit welcher Kunst man auf den Markt geht, um sich und anderen zu gefallen.

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Seine Frau habe die aktuelle Ausstellung ihrem zentralen Thema „Leben in Ton“ gewidmet. Ihre Kunst entstehe in einem Prozess, der durch Zufriedenheit mit der künstlerischen Arbeit, dem Austausch mit anderen Künstlern, aber auch Selbstzweifeln geprägt sei. Das künstlerische Wirken stehe im Wechsel von und Zurückgezogenheit auf der einen Seite und Konfrontation mit der Öffentlichkeit auf der anderen.

Hobby zum Beruf gemacht

Mit der Gründung des eigenen Ateliers „Leben in Ton“ 2007 habe sie ihr ursprüngliches Hobby zu Beruf und Berufung gemacht. Dabei sei teilweise die ganze Familie eingespannt, verwies er beispielsweise auf Hilfe bei Transport der Werke, Organisation und Marketing. Sich diesen ganzen Aufgaben auszusetzen, sei für die Familie auch eine Art Kunst.

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Seit 2016 besitze die Künstlerin einen eigenen großen Brennofen. Zuvor waren es nur kleinere Öfen, die sie von ihrer Mutter erhalten habe. Diese sei selbst künstlerisch aktiv. „Als Betrachter, Konsument und Kritiker kann ich behaupten, der Wiederkennungswert ist für eine Künstlerin wichtig“, sagte der Laudator. Dies sei seiner Frau in der Ausstellung gelungen.

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Er ging auf den persönlichen Werdegang von Kerstin Hohm ein, die er 1991 kennengelernt habe. Ursprünglich arbeitete sie als Krankenschwester und schulte später zur Bürokauffrau um. In ihrem Elternhaus habe Kunst und Kultur schon immer eine große Rolle gespielt. Schon als Kind habe sich das künstlerische Talent seiner Frau gezeigt. Nicht nur beim Arbeiten mit Ton, sondern auch in Zeichnungen. „Gerade kreative Menschen haben es jedoch in unseren leistungsorientierten Gesellschaft nicht leicht, sich selbst zu erkennen.“

Mit dem Beginn des Baus ihres Hauses 2005 habe sie die Chance für eine Neuorientierung genutzt. Kurz nach dem Kauf des ersten Batzen Ton sei klar geworden, dass dies ihr Medium sei. Der Zick-Zack Kurs bis zu ihrer jetzigen Leidenschaft entspreche eigentlich nicht dem Wesen seiner Frau. Ihre künstlerischen Erfahrungen in jungen Jahren, ihre ständige Neugier und ihre sozialen Berufsfelder hätten ihre Sichtweise auf die Menschen jedoch beeinflusst.

Dies zeige sich in der künstlerischen Darstellung. Eine Rolle in ihrer Kunst spielen auch die vier altertümlichen Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Sie symbolisieren zugleich die Arbeit mit Ton und Keramik.

Herausforderungen

Erde und Wasser bilden den Ton, Luft lässt ihn erhärten und Feuer macht aus ihm feste Keramik, die in den Skulpturen enden. Der Brand mache sie stabil auch für den Außeneinsatz und sorge für eine Unverwüstlichkeit über Jahrhunderte hinweg. „Meine Frau ist eher eine Bildhauerin als eine Keramikerin“, fasste er ihre Arbeit zusammen. Deren Erschaffung sei mit zahlreichen Herausforderungen verbunden und „keine einfache Sache“.

Es gelte, die richtige Balance zwischen Feuchtigkeit für die Formbarkeit und Festigkeit für die Statik beim Schaffensprozess zu finden. Die Wahl der optimalen Beschichtung, die Temperaturen im Ofen und die Anzahl der jeweiligen Brände seien weitere Einflussfaktoren auf das Gelingen.

Manchmal komme es beim Brand auch vor, dass Spannungen im Material die Arbeit von Wochen auf einen Schlag zerstören. „Ausprobieren, studieren, protokollieren“, beschrieb er den Weg zum richtigen Brand in Schlagworten. Beharrlichkeit, Geduld und Leidensfähigkeit brächten die Künstlerin weiter. Dabei unterstütze er seine Frau. Dank sprach er der Firma Rauch für die Möglichkeit der Ausstellung aus.

Im Anschluss konnten die Gäste die rund 20 Skulpturen bestaunen. Unter ihren auch vier Exemplare aus Bronze. Im persönlichen Gespräch ging die Künstlerin auf Entstehung und Bedeutung der Werke ein. bdg