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Im Sitzungssaal des Rathauses - Wolfgang Hartmann referierte über „Das Burgenrätsel Miltenberg – Freudenberg und die treuen Weiber von Weinsberg“

Das 12. Jahrhundert erlebbar gemacht

Von 
Hans-Peter Wagner
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Wolfgang Hartmann förderte in seinem Vortrag zu den Burgern in Freudenberg und Miltenberg neue Details ans Licht der Öffentlichkeit und machte die Heimatgeschichte des 12. Jahrhunderts erlebbar. © Hans-Peter Wagner

Der Vortrag „Das Burgenrätsel Miltenberg – Freudenberg und die treuen Weiber von Weinsberg“ faszinierte am Donnerstag ein Dutzend Besucher im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Freudenberg.

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Freudenberg. Wolfgang Hartmann, der sich schon lange mit der Geschichte am Untermain befasst, hatte gar neue Erkenntnisse parat. Caroline Becker (Tourismus & Kultur Stadt Freudenberg) hieß den Referenten wie die Zuhörer nach zwei vortragslosen Jahren willkommen. Großes geschichtliches Interesse sei bei dem Vortrag vorausgesetzt, so Becker, die Hartmann als ehemaligen langjährigen Kreisheimatpfleger und Kreisarchivpfleger im Landkreis Miltenberg vorstellte. Solchen Leuten sei zu verdanken, dass Geschichte nicht verloren gehe. Hartmann habe völlig neue Ansätze, Zusammenhänge herstellen zu können.

Fundierter Vortrag

Der Fachmann präsentierte viele Bilder von Burgen und Photos von Urkunden einerseits, freie Sprache andererseits. Ungeklärte Fragen zur frühen Geschichte der Burg Miltenberg und ihres Verhältnisses zur benachbarten Burg Freudenberg lägen einer langwierigen Untersuchung zugrunde. Eine dieser Fragen sei jene nach der Geschichte der Namen der Burgen Mildenburg und Frohburg/Freudenburg.

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Insbesondere bestünden Zweifel, ob die Erbauung der das südwestliche Knie des Mainvierecks beherrschenden Mildenburg wie bisher angenommen als Reaktion des Mainzer Erzbischofs auf die um 1200 errichtete würzburgische Veste Freudenberg zu betrachten sei. Die urkundlich als erster Lehensinhaber der Mildenburg überlieferten Edelherren von Dürn seien nämlich auch als früheste Lehensträger der Burg Freudenberg erschließbar.

Hinzu komme der wenig bekannte Sachverhalt, dass sich die Dürn zuvor, erstmals 1149, nach einer namensverwandten Frohburg nannten. Diese bisher vergeblich gesuchte Burg habe als das „Räuber-schlösschen“ bei Freudenberg identifiziert werden können. Die Frohburg habe die Kirschfurt be-herrscht.

Rolle des Klosters Amorbach

Weitere Betrachtungen hätten verdeutlicht, sowohl die Frohburg als auch die Mildenburg seien auf dem Besitz des nahen würzburgischen Klosters Amorbach entstanden, dessen Vogtei später die Dürn ausübten, sehr wahrscheinlich ab 1168.

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Unklar sei zuvor gewesen, woher die Herren von Frohburg-Dürn gekommen waren. Als besonders wertvoll habe sich die an Hand zahlreicher Indizien gewonnene Erkenntnis erwiesen, dass Rupert I. von Frohburg, 1149 urkundlich belegter Ahnherr der Dürn, ein Angehöriger der edelfreien Herren von Weinsberg gewesen sei. Die Herren von Frohburg-Dürn stammten somit von der Burg Weinsberg. Sichtbar hätten die Herren von Dürn und die von Weinsberg sich gleichende Wappen.

Zur Schlacht bei Weinsberg am 21. Dezember 1140 äußerte der Referent, der Stauferkönig Konrad III. habe den Frauen freien Abzug mit tragbarer Habe gestattet. Das Staunen des Königs sei ein großes gewesen, als dieser den langen Zug von Frauen sah und eine jede trug ihren Mann auf dem Rücken, so wie es in einer Kölner Königschronik überliefert sei als die weithin bekannte Weibertreu-Begebenheit.

Strategisch wichtige Burgen

Anführer der kapitulierenden welfischen Besatzung der Veste Weinsberg sei nach bisher unbeachteten Überlieferungen der Edelfreie Burkard, wobei derselbe Name auch bei den frühen Dürn erscheine. Hartmann verdeutlichte zum Fortgang der Untersuchungen, König Konrad III. habe im Zusammenhang mit seinem für 1144 bezeugten Aufenthalt in Amorbach die Obervogtei des Odenwaldklosters an sich gezogen.

Die König Konrad III. hierdurch verfügbaren Zugänge zum verkehrspolitisch, als Verbindung zwischen Ostfranken und dem Rhein-Main-Gebiet, überaus wichtigen Untermain, habe dieser an zwei das Maintal und Flussübergänge beherrschenden Stellen mit Burgen gesichert. Mit deren Erbauung habe der Staufer Angehörige der 1140 durch die List ihrer Frauen, letztlich aber durch seine Milde begnadigten Herren von Weinsberg beauftragt. Die auffälligen Namen Mildenburg und Frohburg ließen sich damit plausibel erklären.

Der Fachmann knüpfte, getragen von einer großen Fülle begleitender Erkenntnisse und Informationen, viele weitere Zusammenhänge, benannte Fakten und Zahlen, ließ quasi das 12. Jahrhundert hiesiger Geschichte erlebbar machen. Er meinte, die Freudenberger könnten daraus etwas machen, sei doch die Frohburg hier gestanden, „das ist ausbaufähig“.

Auf den Spuren der Herren Dürn

Hartmann ergänzte das Thema Burgen betreffend, es solle ein „auf Spuren der Herren von Dürn“ ein dem Tourismus förderlicher Fünf-Burgen-Wanderweg entstehen mit den Stationen „Wildenburg - Gotthardsberg - Mildenburg - Frohburg - Freudenburg“.

Nach einer Stunde konzentriertem Vortrag gab es reichlich Applaus für den Vortragenden.

Becker bekundete, man müsse die richtigen Fragen stellen und die gewonnenen Fäden miteinander verbinden, das ergebe neue Geschichte. Hartmann habe gezeigt, wie sich in einem weiten For-schungsfeld Erkenntnisse zu einer Argumentationskette zusammenfassen ließen. Das entsprechende Buch zum Vortrag sei im Freudenberger Tourismusbüro zu erhalten.

Freudenbergs Bürgermeister Roger Henning befand den Vortrag beeindruckend, es sei genial, wie der Referent in die Tiefe eingestiegen sei. Hartmann könne Geschichte total spannend an die Menschen bringen. Abschließend überreichte der Bürgermeister dem Referenten ein Präsent.

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