Museen im Lockdown - Verantwortliche bereiten neue Ausstellungen vor und nehmen Reparaturen in Angriff Arbeit geht hinter den Kulissen weiter

Von 
Birger-Daniel Grein
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In den Museen der Region haben die Verantwortlichen auch im Lockdown einiges zu tun. So bereitet Johannes Follmer von der Papiermühle Homburg aktuell eine Versuchspapiermaschine für ihren Einsatz im Museum vor. © Birger-Daniel Grein

Museen der Region sind aufgrund des Lockdowns aktuell geschlossen. Für viele Verantwortliche der Ausstellungen geht die Arbeit hinter den Kulissen jedoch weiter.

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Freudenberg/Main-Spessart. Ausstellungen planen, Dinge reparieren und neue Ausstellungsstücke vorbereiten: Das sind nur einige der Aufgaben, welche die Leiter und Mitarbeiter in den Museen der Region während der aktuellen Schließung leisten. Gisela Hyn, Leiterin der Kreuzwertheimer Prassek-Scheune, hat Raum für neue themenbezogene Ausstellungen geschaffen. Ihren Platz finden diese künftig im großen Scheunenraum gleich hinter den Toren. „Für die Umgestaltung habe ich einige alte landwirtschaftliche Geräte entfernt“, erklärt sie.

Diese seien zwar interessant, es gebe heute aber kaum noch jemanden, der aus eigener Erfahrung vom anstrengenden Arbeiten damit berichten können. „Das bloße Zeigen der Geräte vermittelt nicht die Mühseligkeit, die mit ihnen verbunden war“, begründet Hyn, warum die Exponate anderen weichen sollten. Für die neuen Ausstellungen gebe es schon die ein oder andere Idee, konkrete Pläne seien aber noch offen.

Lockdown für Reparaturen genutzt

Im Hammermuseum von Kurtz Ersa in Hasloch wurde der Lockdown genutzt, um anfallende Reparaturen und Anpassungen in der bestehenden Ausstellung vorzunehmen. Marcus Loistl, Zentralbereichsleitung Kommunikation der Kurtz Ersa Gruppe, berichtet: „Wir haben im Museum kleinere Umsetzungen der Exponate vorgenommen. In der Schmiede beziehungsweise beim Hammer liefen die notwendigen Reparaturarbeiten und Wartungsarbeiten weiter.“

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Zudem habe das Team einen neuen „Nagelbaum“ aufgestellt. Dieser erinnert an die lange Tradition der durchreisenden Schmiede. Sie verewigten sich mit einem handgeschmiedeten Nagel in einem Baum. Das Einschlagen soll Schutz vor Krankheiten oder Dank für Heilung symbolisieren.

Auch Johannes Follmer, Leiter des Museums Papiermühle Homburg hat einiges zu tun. „Die Papiermühle funktioniert seit 20 Jahren wie ein Freilandmuseum“, erklärt er. Da das Objekt nicht beheizt sei und der Museumshaushalt derzeit keine Mittel für einen ganzjährigen Betrieb vorsehe, sei das Museum im Winter für die Öffentlichkeit geschlossen. In früheren Jahren bot die Mühle jedoch auch im Winter Gruppenführungen an. Das ist im Lockdown nicht möglich.

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Intensiv laufen jedoch die Vorbereitung für die kommende Saison. „Derzeit stehen ein paar kleine Arbeiten hinsichtlich Renovierung, reinigen und neu ordnen einiger Exponate an“, so Follmer. Besonders wichtig ist dabei die Aufarbeitung einer Versuchspapiermaschine aus den 1980er Jahren. „Die Miniaturausgabe einer großen Papiermaschine haben wir im Herbst 2020 bekommen.“ In einem größeren Projekt werde sie nun aufgearbeitet und betriebsbereit gemacht. In der neuen Saison sollen die Besucher sie dann im Einsatz sehen: „Damit wollen wir die Gegenwart der Papierherstellung zeigen.“

Bewerbung bei der Unesco

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Im Büro arbeitet Follmer an der Vergleichsanalyse für die Unesco Bewerbung. Gemeinsam mit den Papiermühlen Velke Losiny in Tschechien, Duszniki-Zdroj in Polen und Richard de Bas in Frankreich strebt die Mühle in Homburg seit 2019 die Anerkennung zum Weltkulturerbe an. In der Vergleichsanalyse geht es darum, die Einzigartigkeit des Themas Papierherstellung im Hinblick auf die Bewerbungskriterien aufzuzeigen. Unterstützt wird Follmer von Katharina Arnold vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und Sebastian Gehret vom Landratsamt Main-Spessart.

Außerdem plant er die Saison von Mai bis Oktober. „Wir rechnen mit einer saisonalen Eröffnung zum 1. Mai und bereiten hierfür eine alle zwei Jahre stattfindende Ausstellung zur Papierkunst vor“, berichtet er. Unter den Namen „Papier unARTig“ würden wieder Papierkunstwerke aus ganz Europa zu sehen sein. „Ich hoffe auch, dass der dazugehörige Papiermarkt am 18. und 19. September stattfinden kann.“

Wegen Corona musste die Ausstellung von 2020 auf das aktuelle Jahr ausweichen. Zur Vorbereitung gehört das Erstellen eines Ausstellungskatalogs.

Ruhe hingegen herrscht bei den Museen in Freudenberg. Im Museum der Rauchmöbelwerke stehen laut Firmenangaben keine Arbeiten an. Zu den städtischen Museen berichtete Caroline Becker vom Tourismus- und Kulturbüro der Stadt Freudenberg: „Momentan ruhen geplante Arbeiten für die Museen, da die Mitarbeiterinnen von Tourismus und Kultur anderen Fachbereichen zugeordnet wurden, um die Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung zu unterstützen.“ Für das Frühjahr sei geplant, wie üblich eine Frühjahrsausstellung in der Amtshausgalerie zu zeigen. „Die Künstlerin und das Thema der Ausstellung sind bereits bekannt, allerdings soll dies zum gegebenen Zeitpunkt veröffentlicht werden.“

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