Freilichttheater - Jan-Markus Dieckmann inszeniert für die Burgfestspiele „Das Gespenst von Canterville“ / Arbeit komplett mit Laienensemble für den Profi eine Premiere Ambiente hat Regisseur gleich gepackt

Von 
Birger-Daniel Grein
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Schon beim ersten Anblick hatte sich der neue Regisseur der Burgfestspiele Jan-Markus Dieckmann in die Freudenburg verliebt. © Birger-Daniel Grein

Der neue Regisseur der Burgfestspiele Freudenberg, Jan-Markus Dieckmann, schwärmt von der Freudenburg und den Engagierten des Burgschauspielvereins.

Zur Person Jan-Markus Dieckmann

Der hauptberufliche Schauspieler und Regisseur Jan-Markus Dieckmann ist der neue Regisseur der Burgfestspiele Freudenberg.

Diekmann wuchs in Frankfurt am Main auf. Nach seinem Abitur studierte er Musikwissenschaften in den Städten Frankfurt und Mainz und absolvierte gleichzeitig eine professionelle Schauspielausbildung im Studio für Theater, Tanz und Musik in Frankfurt am Main. Dieckmann lebt seit dem Studium in Wiesbaden. Neben Theaterauftritten und Regietätigkeiten, hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet, wirkt er bei verschiedenen TV-Produktionen als Schauspieler mit.

Die größte Herausforderung durch die Coronakrise sei für ihn, zuhause zu sitzen und nicht auftreten zu können. Seit März 2020 habe er nur ein größeres Projekt gehabt, berichtete er. bdg

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Freudenberg. Schon die Fotos der Freudenburg hatten den neuen Regisseur der Burgfestspiele Jan-Markus Dieckmann begeistert. Als er die Burg nach dem Bewerbungsgespräch das erste Mal selbst betrat, war er vom Eindruck überwältigt. „Die Lage ist grandios“, sprudelt es bei ihm im FN-Gespräch aus ihm heraus. „Mich faszinierte sofort, dass man mehrere Bühnenebenen hat, und wie steil die Zuschauerränge sind.“ Das gebe der gesamten Burgruine einen räumlichen Charakter, der in die Höhe strebe und zugleich sei doch alles so nah zusammengerückt. „Eine tolle Atmosphäre.“

Alles wirkte auf ihn inspirierend. „Mein Gehirn fing sofort an zu rattern.“ Auch von den Verantwortlichen des Burgschauspielvereins (BSV) schwärmt er. Er sei von der Professionalität und der gesamten Struktur des Vereins beeindruckt, er sei wohl durchdacht aufgeteilt. Dieser erste Eindruck habe ihn bestärkt, dass die Zusammenarbeit gelingt. „Auch wenn wir mit viel Abstand und Maske im Vorstellungsgespräch saßen, habe ich die Menschen gleich ins Herz geschlossen.“

Vertrag im Oktober unterzeichnet

Dieckmann überzeugte mit seiner Fachlichkeit und seiner Art auch den Verein. So wurde im Oktober der Vertrag unterzeichnet. Dieckmann freut sich zudem, dass man seinen Vorschlag aufgriff und 2021 das Stück „Das Gespenst von Canterville“ spielen wird. „Ich liebe dessen Autor Oscar Wilde, er hat mich seit meiner Jugend begleitet.“ An der Erzählung des Gespensts liebe er besonders, dass dabei verschiedene Welten aufeinandertreffen und in ihr die zugleich die zynische aber auch die nachdenkliche Seite von Wilde sichtbar wird. Das Stück passe auf die Freudenburg. „Burg und Schloss gehen gut miteinander einher.“ Das Stück spiele schließlich auch in alten Gemäuern. Außerdem könne man auf der großen Mehrebenen-Bühne der Freudenburg den Schnitt eines ganzen Wohnhauses zeigen und damit alle Handlungen dort. „Auf der Freudenburg hat man viele Gelegenheiten, Handlungen parallel zu zeigen.“

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Beim Gespräch mit Dieckmann wird deutlich, der 42-Jährige liebt die Schauspielerei und Regie. „Ich liebe daran, dass man so nah wie auf keinem anderen Weg an menschliche Facetten herankommt.“ Man beschäftige sich intensiv mit Figuren, deren Eigenschaften einem selbst nicht so nah sind. Das, was man dabei lerne, helfe einem auch, andere reale Menschen besser zu verstehen. Seit Dieckmann als Kind erstmals Theaterluft schnupperte, ließ es ihn nicht mehr los. „Alles fing an, als ich acht Jahre als war.“ Durch einen Aushang wurde er auf einen Kindertheaterkurs aufmerksam. „Nach der Probestunde hörte ich nie wieder auf.“

Seit dem Ende seiner Ausbildungszeit 2013 arbeitete er als freiberuflicher Schauspieler. „Mir war damals klar, ich werfe mich jetzt auf den Schauspielmarkt und schaue, was passiert“. Er habe dann schnell Fuß gefasst. Von Anfang an lagen die meisten seiner Auftritte im Rhein-Main-Gebiet, er wirkte auch schon an TV-Produktionen mit. Ebenso arbeitete er bei einigen Projekten als Koregisseur. „Zur eigenen Regie bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen“, blickt er zurück. Die fremdenfeindlichen Tendenzen in der Flüchtlingswelle 2015/16 habe bei ihm den Drang geweckt, mit einem Theaterstück ein Zeichen gegen die rechten Strömungen zu setzen. Zusammen mit weiteren professionellen Schauspielkollegen brachte er ein entsprechendes Stück in Wiesbaden auf die Bühne. Aus dieser ersten Aufführung entstand das Sommertheater im Nerotal, das sich zu einer erfolgreichen Reihe entwickelte. „Diese Theaterreihe war bisher meine größte Herausforderung, da diese unter meiner Leitung aus dem Nichts geschaffen wurde.“

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Es folgten ab 2016 weitere Regieaufträge. Aktuell überwiege seine Tätigkeit als Schauspieler, der Regieanteil wachse. Sein Wunsch ist, dass der Umfang beider Aufgaben sich ausgleicht, denn er mache beides gerne. „Mein langfristiges Ziel ist, mich immer weiter zu entwickeln, niemals stehen zu bleiben, und immer meine Neugier zu behalten.“ Auch deshalb nahm er die Herausforderung in Freudenberg gerne an. Im Sommertheater im Nerotal hätten neben den Profis auch einige Laienschauspieler mitgewirkt. Zudem habe er bei Projekten für Laienschauspieler im Museumstheater Hessenpark mitgearbeitet. „Eine Arbeit als Regisseur mit einem reinen Laienensemble ist für mich eine Premiere.“ Er freue sich auf die neue Herausforderung, nur mit Laien zu arbeiten.

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„Man muss mit ihnen anders arbeiten als mit ausgebildeten Profis und selbst ein Stück zurücktreten.“ Man müsse die Arbeitsweisen und Selbstverständlichkeiten, die sich bei der Arbeit mit Profis einschleichen, bei der Arbeit mit Laien hinterfragen. „Das ist auch für mich eine Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln.“

Proben je nach Corona-Situation

Wenn die Coronasituation es zulässt, sollen die Proben im April starten. Aktuell stehen für Dieckmann viele Recherchearbeiten an. Er müsse das Stück genau analysieren und sich in jede Figur hineindenken, deren Biografie und Motivation erforschen. Nur so könne er seine Ideen den Schauspielern nah bringen. Weiterhin plant er in enger Abstimmung mit dem BSV Ablauf, Bühnenbild und weitere Strukturen der Aufführungen.

„In vielen Gesprächen und vor Ort auf der Burg habe ich den Eindruck gewonnen, der Verein macht möglich, was möglich ist.“ Er bespreche seine Ideen mit den Ressortverantwortlichen und man denke gemeinsam darüber nach, wie man es entwickeln kann. Ebenso wird gemeinsam mit dem BSV die Besetzung der Rollen überlegt. Vor dem Probestart sei zudem eine gemeinsame Leseprobe geplant.

Zudem soll es individuelle Rollenarbeit mit den einzelnen Mitwirkenden geben, eventuell auch via Videokonferenz. Dies sei ihm wichtig, denn jede Rolle habe ihre Geschichte, die der Zuschauer mitbekommen soll. Die Coronaregeln würden ihn vor die Herausforderung stellen, dass die nötigen Abstände auf der Bühne von den Zuschauern nicht als Fremdkörper, sondern Teil der Handlung wahrgenommen werden.

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