Leserbrief - Zu Beiträgen und Protesten im Zusammenhang mit dem Insektenschutzgesetz Von „Cocktails“ profitieren andere

Von 
Reinhold Schneider
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Liebe Bauernkollegen,

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viele konventionell arbeitende Bauern gingen in Berlin und in der Region gegen das geplante Insektenschutzgesetz auf die Barrikaden. Und kämpfen dagegen, scheinbar im „bäuerlichen Interesse“. Ist das wirklich der richtige Kampf ?

Das jetzt vorliegende Insektenschutzgesetz geht auf keinen Fall zu weit, sondern ist eher zu lasch, und sowieso nur auf einen Bruchteil der Agrarflächen begrenzt. Dazu gibt es für fast alle Kulturen auch noch Ausnahmen aus „diversen“ Gründen.

Das heißt, dass auch dort überall, weiterhin fast alles eingesetzt werden darf. Und auf den über 90 Prozent der Flächen, die nicht in den Insektenschutzgebieten liegen, geht sowieso alles weiter wie bisher. Und sowohl Bundestag und Bundesrat, die überhaupt noch darüber abstimmen müssen, werden wie üblich unter Einfluss „agrarnaher Kreise“ das Gesetz noch weiter entschärfen, sprich wirkungsloser machen.

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Insekten ohne Nektar und Pollennahrung sind nicht die Einzigen, die verhungern, wenn eine Ackerkultur mit dem heute üblichen Herbizideinatz fast hundertprozentig „Beikraut-frei“ gehalten wird. Denn die Wurzeln all dieser Pflanzen auf dem Acker ernähren mit ihren Wurzelausscheidungen das Bodenleben.

In einem zu „sauber“ gehaltenem Acker verhungert auch das Bodenleben. Ca. 30 Prozent aller von Pflanzen durch die Photosynthese geschaffenen Stoffe wie Zucker, und Aminosäure-Verbindungen werden über die Wurzeln als Nahrung an das Bodenleben weitergegeben, und je vielfältiger der Bestand an Kultur-/ Wildpflanzen auf dem Acker ist, desto besser wird das Bodenleben ernährt. Und die Qualität dieses Bodenleben ist sehr entscheidend für die Bodenstruktur, Humus- Gehalt, Wasser-Haltefähigkeit , Pufferungsvermögen und Nährstoff-Nachlieferung. Und dies ist wiederum entscheidend für die Gesundheit und Wirtschaftlichkeit der angebauten Kulturen. Von diesem lebendigen und gesunden Boden lebt der Bauer jetzt, und seine Nachfolger hoffentlich auch noch. Die Pestizide sind ein zerstörerischer Ersatz für das, was eigentlich „gute fachliche Praxis“ der Landwirtschaft ist.

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Also ist Insektenschutz und die Verringerung oder gar der Verzicht von Pestizideinsatz auch Bodenschutz. Wenn also das Insektenschutzgesetz schon nur Stückwerk und unausgereift ist, ist diese Reaktion, dagegen zu kämpfen, Selbstmord auf Raten und nicht im Interesse des Bauern.

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Die konventionelle Landwirtschaft ist durch die eigenen und politischen Versäumnisse der letzten Jahre in einer Sackgasse gelandet. Die Massenproduktion von Getreide, Milch und Fleisch für den Welt und Billig-Markt, sind ein Irrweg.

Der Einsatz immer wirksamerer „Pestizid-cocktails“ und die Verteidigung dieser Wirtschaftsweise, wird nicht zu mehr Wertschätzung und Wertschöpfung, sondern zur weiteren Zerstörung der Böden und Bauernexistenzen führen. Davon profitieren allerhöchstens die Aktionäre/Besitzer von Aldi, Lidl, Nestle und Unilever, Bayer und Syngenta. Weder für den (leider noch sehr großen) Teil der Verbraucher, die sich immer noch über die viel zu niedrigen Preise für ihre Lebensmittel freuen, noch für uns Bauern liegt darauf ein Segen.

Also wogegen/wofür kämpfen wir?