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Bilderspende

Neue alte Heimat für zwei große Söhne der Stadt

Vier Gemälde bringen Macco und Dreher zurück nach Creglingen

Von 
ibra
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Bürgermeister Uwe Hehn und Evelyn Gillig bei der Presse-Präsentation der drei Macco-Porträts im Romschlössle. © Braune

Creglingen. Johann Michael Dreher (1766 bis 1847) gehört als Stifter des örtlichen Armenhauses zu den großen Wohltätern der Tauberstadt, nachdem er als wohlhabender Kaufherr, der es bis zum Königlich Preußischen Kommerzienrat und Ratsherrn in Stettin brachte, sein Glück gemacht hatte.

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Er stammte aus einem seit 1679 in Familienbesitz befindlichen Haus, das heute unter der Adresse Torstraße 7 zu finden ist. Sein vier Jahre jüngerer Bruder war, wie beider Großvater und Urgroßvater, Creglinger Bürgermeister, der Vater Creglinger Ratsherr.

Nur ein paar Schritte waren es bis zum Romschlössle, wo 1767 Alexander Macco auf die Welt gekommen war. Eigentlich hatte der Sohn des preußischen Kammerrats Johann Friedrich Macco in Mannheim als Kadett in der Ingenieurschule eine technische Ausbildung erhalten sollen, doch das Kunststudium lockte ihn stärker; er wechselte auf die Mannheimer „Académie de peinture“, erhielt schnell erste Auszeichnungen und ein Stipendium des Markgrafen Karl Alexander von Ansbach-Bayreuth unterstütze Maccos weiteren Studiengang, ermöglichte ihm einen Studienaufenthalt in Rom, den der erst 17jährige Künstler im Vatikan zu Studien der Kunst Raffaels nutzte.

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Bald schon standen dem Künstler viele Türen offen, auch die des Dichterfürsten und Italienreisenden Goethe, der die Rückkehr des mittlerweile 30-jährigen erfolgreichen Historien- und Porträtmalers nach Deutschland vermittelte. Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz berief ihn an den preußischen Hof in Berlin und saß ihm lange Modell. Eins der schönsten und lebensnächsten Gemälde von ihr stammt aus dieser Zeit.

Doch sich in Berlin dauerhaft niederzulassen, lag dem Creglinger fern: es lockten andere deutsche Städte, auch Frankreich und Österreich, wo Macco sich in Wien mit Porträts von Erzherzog Karl von Österreich-Teschen und mehreren Grafen und Fürsten einen Namen machte. Beethoven erbat sich von Macco Illustrationen zu seinen Kompositionen. Während eines zweijährigen Englandaufenthalts schuf er Porträts von König Georg IV. und dem Duke of Sussex, dann folgte eine weitere Weimarer Phase, ehe er sich im letzten Lebensjahrzehnt in Bamberg niederließ, wo er 1849 verstarb.

Auch Kinder porträtiert

Muss es einen erstaunen, dass der erfolgreiche Stettiner Kaufherr beim berühmt gewordenen ehemaligen Nachbarn, mit dem er, da etwa gleichaltrig, wohl auch manchen Jugendstreich gemeinsam erlebte, Porträts in Auftrag gab? Beide hatte es in die Ferne gezogen, beide hatten ihren Weg gemacht. Wann und wo Dreher Macco Modell gesessen haben mag, ist bislang nicht geklärt. Fakt aber ist, dass Macco den Kaufmann und auch seine Kinder Theodor und Luise – letztere in Pastell auf Wildleder, Johann Michael und Theodor in Öl auf Leinwand - porträtierte. Von Generation zu Generation blieben die Bilder in Familienbesitz, wurden immer an den jeweils ältesten Sohn weitergereicht. Jetzt kehrten sie nach Creglingen zurück - dank einer großzügigen Spende von Hadwiga Dreher, die der Stadt auch ein weiteres Gemälde überließ: eine wohl aus der Vermeer-Schule stammende Hafenlandschaft, die die Stadt Stettin ihrem Ratsherrn geschenkt hatte; es war eine Dankesgabe dafür, dass Dreher in persönlichen Verhandlungen mit Napoleon erreichte, dass Stettin nicht geplündert und zerstört wurde.

Sehr wichtig gewesen

Ihren Schwiegereltern und ihrem im vergangenen Jahr verstorbenen Mann seien die Bilder immer sehr wichtig gewesen, berichtet am Telefon Hadwiga Dreher. Mit ihnen gemeinsam streifte sie vor Jahren durch Creglingen, bewunderte gemeinsam mit Archivarin Claudia Heuwinkel Macco-Gemälde im Stadtarchiv und erfuhr von ihr so manches übers Dreher-Haus und die Familiengeschichte. Die junge Stimme der gebürtigen Hamburgerin lässt nicht ahnen, dass sie eine Mittsiebzigerin sein könnte. Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen, die keine männlichen Nachkommen hinterlassen, entschied sie, die Werke der Heimatstadt von Dreher und Macco zukommen zu lassen.

Creglingens Bürgermeister Uwe Hehn stellte die Neuzugänge jüngst gemeinsam mit Evelyn Gillig der Presse vor. Zuvor hatte bereits der Bamberger Konservator Sebastian Karnatz, der derzeit dort eine Macco-Ausstellung konzipiert, die drei Gemälde auch ohne Blick auf die rückseitig angebrachten Info-Labels schon aufgrund der feinen Strichführung „mit fast hundertprozentiger Sicherheit“ als Originale von Alexander Macco erkannt.

„Mit der großzügigen Nachlass-Schenkung kommen zwei Creglinger Weltbürger in ihre Heimat zurück“, meinte Bürgermeister Uwe Hehn. ibra

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