Leserbrief - Zu den Biberaktivitäten in der Region und zum Fall entfernter Biberdämme bei Weikersheim (FN, 22. Januar) „Jubelberichte“ zum Öko-Nutzen in der Praxis fraglich oder falsch

Von 
Willi Hain
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Die Berichte, die über die Aktivitäten der Biber berichten, kommen mir, wenn ich meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen damit vergleiche, lebensfremd, wie aus einem Lehrbuch abgeschrieben vor. Anlass meines Leserbriefes ist ein Leserbrief zum Biberskandal im Vorbachtal bei Weikersheim.

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Als wir im vergangenen Coronasommer auf dem Radweg von Laudenbach nach Weikersheim unterwegs waren, lagen zwischen Landesstraße und Radweg zwei prächtige Obstbäume fachmännisch vom Biber gefällt am Radweg. Die waren dann auch schnell verschwunden. Was nicht sein soll darf nicht sein! Ich vermute, es waren Bäume gepflanzt mit Steuergeldern von der Straßenbauverwaltung.

Intensive Beobachtungen zu Biberaktivitäten kann man im Oberen Bezirk bei Creglingen am Rimbach derzeit live verfolgen.. Der (die) Biber hatten am Unterlauf des Baches einen Stau angelegt. Schnell musste die Stadt einen Überleiter anlegen, weil der Fünf-Sterne-Radweg überflutet war. Aus unerklärlichen Gründen hat der Biber diesen Ursprungsdamm später aufgegeben, vielleicht weil das Bachufer abgeholzt war. Dann hat er sich Bach aufwärts gearbeitet und diverse Dämme angelegt. Unter anderem hat er sich aus einem Maisfeld bestens bedient und mehrere Dämme nur aus Mais angelegt. Dem Bauern wurde neben der Mahlzeit der Biber- sicher nicht wenig – zentnerweise –Tierfutter geraubt. Dann hat sich der Biber Bach aufwärts gearbeitet.

Inzwischen ist er vor der Ortschaft Niederrimbach angekommen und hat das wenige Fließwasser so weit aufgestaut, dass der restliche Bachlauf trockengelegt war. Ökologie ade! Zweitens geht der Rückstau des jetzigen Dammes bis in die Ortskanäle Niederrimbachs zurück. Die jungen Birken, die vor wenigen Jahren die Lücken in der schönen Ortsbild prägenden Birkenallee von den Ortschaftsräten und der Straßenbauverwaltung gepflanzt und hochgepäppelt wurden, sind ihm ebenfalls zum Opfer gefallen. Bauern fürchten um ihre frisch eingesäten Äcker. Ein weiterer Damm musste nun, um ein Grundstück zu schützen, ebenfalls mit einem Überlauf versehen werden. Ein weiterer Damm leitete das wenige Wasser in eine Wiese, die bereits nicht mehr zu betreten war. Das Gehölz am neuen Standort ist zum Teil gefällt, viele Bäume angenagt und zum Tod verurteilt, außerdem eine Gefahr für alle, die sich am Bach aufhalten (müssen), weil sie ihre Grundstücke bearbeiten wollen. Die Bepflanzung hinter dem Regenüberlaufbecken ist kleingeraspelt und entfernt. Vermutlich war dies ein Sichtschutz.

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Der Hinweis, dass man Bäume und Büsche mit Draht schützen könne erweist sich an einem Bachlauf mit unzähligen Bäumen und Büschen des Aufwandes wegen als indiskutabel. Apropos Hochwasserschutz: Wenn das viele zerkleinerte Holz, darunter auch Stämme, jetzt bei Hochwasser den Rimbach dann die Tauber abwärts geflößt werden wird, fallen Mengen anTreibholz an, die vermutlich für größere Probleme flussabwärts sorgen könnten.

Die Hochwassersituation ist nun eingetreten. Ein Biberdamm leitet fast den gesamten Bach durch eine Wiese um und fließt in einem breiten Strom einige hundert Meter durch die angrenzenden Grundstücke.

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Übrigens: Wer wird wohl das Fällgut des Biebers wieder wegräumen? Fazit: Die Jubelberichte zum ökologischen Nutzen der Biber erweisen sich in der Praxis als fraglich oder falsch. Im Urlaub haben meine Frau und ich ein Hochmoor besucht mit Biberbauten und es war evident: Hier gehören die Biber hin. Die maßlose Vermehrung der Biber an unseren Flüssen und Bächen schadet der Natur mehr als ihr nutzt! Schade, dass es keine Mönche mehr gibt, die freitags mit Genuss ihren Biber als Fisch zum Mittagessen verzehren. Damals hatte der Biber noch einen natürlichen Feind!