Jubilare - Langjähriger Creglinger Stadtrat Willi Hain wird heute 70 Jahre alt / Sein Rat und seine Mitarbeit sind immer noch viel gefragt Er will „hinhören, helfen und handeln“

Von 
Inge Braune
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Willi Hain, langjähriger Creglinger Stadtrat, wird heute 70 Jahre. Seiner Lebensmaxime „Hinhören, helfen und handeln“ will er auch weiter folgen.

Willi Hain, Sonderschulpädagoge im Ruhestand, gehörte zwei Jahrzehnte lang dem Gemeinderat an und ist seit neun Jahren Mitglied im Niederrimbacher Ortschaftsrat. Heute feiert der umtriebige Unruheständler seinen 70. Geburtstag. © Inge Braune
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Niederrimbach. Streiten ist seine Sache nicht: Willi Hain, Sonderschulpädagoge im Ruhestand, bewies auch in den zwei Jahrzehnten als Creglinger Gemeinderat immer wieder seine Vermittlerqualitäten. „Ohne Kompromiss kann Handlung kaum entstehen“, sagt er. Aufs Handeln aber komme es an, wenn’s um die Ortschaft, die Kommune, natürlich auch um Kreis und Land gehe.

Entsprechend gehörte Willi Hain, seit 1972 SPD-Mitglied, zu dem kleinen Trüppchen SPD-affiner Creglinger, das sich Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre anschickte, frischen Wind in den überwiegend von landwirtschaftlichen und gewerblichen Interessen geprägten Gemeinderat zu bringen. Dazu entwarfen sie unter anderem die seit nunmehr 38 Jahren regelmäßig in Creglinger Briefkästen zu findende „G’werzinsel“.

Lokalthemen aufgegriffen

Um herauszufinden, wo die Creglinger der Schuh drückt, machten sie – ein Novum in Creglingen – vor Wahlen die Runde durch die Ortschaften. „Das Interesse in den Dörfern war groß“, erinnert sich Hain.

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In der anfangs nur ein paar Seiten starken, bis heute im Din A5-Format ohne Farbseiten aufgelegten Ortsvereins-Zeitschrift konnten sie so aktuelle Lokalthemen aufgreifen. Getextet wurde an Schreibmaschinen, die Layout-Arbeiten erfolgten noch rein manuell mit Schere, Klebstoff, Lineal. Mit drei Vertretern, allesamt Lehrer, darunter Willi Hain, zogen Angehörige des SPD-Ortsvereins 1984 ins höchste Gremium der Stadt ein. Willi Hain schulterte das Ehrenamt am längsten: 2004 entschied er sich nach 20-jähriger Gemeinderatsarbeit gegen eine weitere Kandidatur. Drei Bürgermeister – Helmut Bauer, Werner Fifka und Hartmut Holzwarth – hat er als Gemeinderat miterlebt. Gut zusammengearbeitet habe er sowohl mit dem vorsichtigen Haushaltspolitiker Helmut Bauer als auch mit dem nicht nur als Sitzungsleiter immer sehr klaren und zielstrebigen Werner Fifka sowie Hartmut Holzwarth, der die Gemeinde hervorragend repräsentiert habe. Reichlich Entwicklung hat Hain in dieser Zeit mit gestaltet – darunter große Brocken wie die Abwasserfrage, Betriebsan- und umsiedlungen, die Äckerbrunnenplanung, den Rathausumzug, die phasenweise sehr umstrittene Planung des Jüdischen Museums und etwa die Stadtsanierung. Hains Vermittlungstalent war durchaus gefragt – etwa an der Spitze des Ausschusses zur Stadtsanierung.

Unter der Leitung des Jubilars fanden unterschiedliche Interessengruppen wie Gewerbe- und Handelsverein oder Fremdenverkehrsverein praktikable Lösungen für ein verträgliches Miteinander von Parkplätzen und Außenbewirtung, die Creglingen „einfach lebendig“ mache. Auch nach seinem Ausstieg aus dem Gemeinderat, dem er sehr gerne angehört habe, blieb Hain an kommunalen Entwicklungen nicht nur stets interessiert, sondern wurde schnell wieder aktiver Mitgestalter, unter anderem im Ortschaftsrat seiner Niederrimbacher Heimatgemeinde.

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Die Ortsgestaltung liegt ihm am Herzen, Bestandserhaltung ebenso wie Zielüberlegungen. Nicht nur Entscheiden, auch Zupacken ist da gefragt. Hain kennt keine Berührungsängste bei Heckenschere, Rasenmäher oder Teergerät. Praxiserfahren ist er ohnehin: Als Lehrer an der Kraft zu Hohenlohe-Förderschule galt er als „Backhäuslemeister“, auch nach dem Ruhestand.

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Nach wie vor betreut er Schulprojekte im Bereich Werken und Gestalten. Jüngst erst renovierte er mit Schülern den Pavillon im Pausenhof. Dass sich Hain für die Sonderschulpädagogik entschied, ist kein Zufall: „Da konnte ich helfen.“ Hinhören, handeln und helfen: dieser Maxime folgte er auch, als Flüchtlinge in Creglingen eine erste sichere Heimstatt fanden. Sofort stieg er als Sprachhelfer in die Unterstützerarbeit ein.

Weiter viel im Einsatz

Der Einsatz des auch in der Sprachheilkunde erfahrenen Sonderschulpädagogen ist immer noch gefragt, etwa bei der Betreuung einer syrischen Familie.

So richtig Ruhestand mit viel mehr Lesezeit und häufigen gemeinsamen Radtouren und Reisen mit Ehefrau Margot sei es bislang irgendwie nicht geworden, bekennt der Jubilar. Kein Wunder: Wenn er gebraucht wird, ist er zur Stelle.

Für eine Familie in Not ist er Ansprechpartner und Lebensbegleiter, das Jüdische Museum Creglingen braucht ihn immer mal wieder als Museumsbetreuer, der Gemischte Chor Niederrimbach, dem er sich 2004 anschloss, freut sich über den Sänger Hain, und auch im privateren Umfeld ist genug zu tun. Streuobstwiese und ein Waldstückchen, in dem früher noch Fasane und Rebhühner zu erleben waren, fordern Aufmerksamkeit, die Holzheizung, die den ökologischen Fußabdruck gering halten soll, ebenfalls.

Dass der umtriebige Ruheständler bereits seinen 70. Geburtstag feiert, ist kaum zu glauben. Den Glückwünschen von Familie, Freunden und Weggefährten schließt sich unsere Zeitung gern an.

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