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Freunde des Fingerhuts - Museumsvisite und Jahreshauptversammlung in Creglingen / Vorsitzende Edith Jungbludt rechnet mit gut zwei Dutzend Gästen

Einst gehörten Fingerhüte zur Grundausstattung

Von 
Inge Braune
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Die Jahresfingerhüte aus gut einem Vierteljahrhundert zeigen die Vielfalt des Sammelfeldes – und sind selbst begehrte Sammelobjekte. © Freunde des Fingerhuts

Creglingen/Backnang. Auch an den „Freunden des Fingerhuts e.V.“ ist die Pandemie nicht spurlos vorüber gegangen. Edith Jungbludt, seit rund einem Jahrzehnt Vorsitzende des Vereins, musste mehrfach Versammlungen verschieben. Den Kontakt zu den Mitgliedern hielt sie durch das zweimal jährlich erscheinende Fingerhutjournal und, wie auch die Fingerhutfreunde in den USA, online aufrecht. Am kommenden Wochenende treffen sie sich endlich wieder persönlich – zur seit vier Jahren ersten Hauptversammlung im Gründungsort Creglingen.

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1983, vor nunmehr 38 Jahren, fanden sich hier Fingerhutfans zur Gründung eines Fördervereins für das im Teilort Münster angesiedelte Fingerhutmuseum an der Herrgottskirche zusammen. Als reiner Förderverein hatte die Gruppierung nur kurz Bestand: Bereits 1985 gab sich der Verein den neuen Namen „Freunde des Fingerhuts“, der jedoch nach wie vor die Öffentlichkeitsarbeit fürs Fingerhutmuseum als eins der satzungsgemäßen Ziele nennt. Zu den Aktuell rund 180 Mitgliedern zählen auch Fingerhutsammler aus der Schweiz, den Niederlanden, Finnland, Dänemark, Neuseeland und Australien. Auch in die USA gibt es enge Verbindungen.

Dass es trotzdem über viele Jahre gelang, Fingerhutfreunde aus aller Welt zu den Jährlichen Hauptversammlungen nach Creglingen zu locken, war angesichts der etwas schwierigen Verkehrsanbindung und der für große Gruppen recht komplizierten Unterbringung immer wieder erstaunlich. Inzwischen sind viele Mitglieder in die Jahre gekommen, legen Wert auf komfortable und auch für Rollstuhlfahrer geeignete Transport- und Übernachtungsmöglichkeiten. Um diesen Bedürfnissen und auch den zahlreichen Mitgliedern aus Norddeutschland entgegenzukommen, fanden in den letzten Jahren auch schon mal Versammlungen in nördlicheren Gefilden und Städten statt.

Da sich – bedingt durch die Corona-Pandemie – heuer wohl nur wenige Gäste zur Teilnahme anmelden würden, bot es sich an, zur ursprünglich schon für den vergangenen Herbst, dann das vergangene Frühjahr vorgesehenen Versammlung wieder in den Heimatort und Sitz des Vereins einzuladen. Sogar zwei erst vor kurzem dem Verein beigetretene Gäste aus der Schweiz haben ihr Kommen angekündigt.

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Etliche Mitglieder, berichtet Edith Jungbludt, kamen durch Souvenir-Fingerhüte zu ihrem Sammelhobby. Die gibt es nach wie vor in aller Herren Länder und fast jeder größeren Stadt, sind ein beliebtes Mitbringsel, das auch am Abreisetag noch bequem in jede Handtasche passt.

Von Leidenschaft infiziert

Andere wurden beruflich von der Sammelleidenschaft infiziert: Im Schneiderhandwerk geht bis heute nichts ohne Fingerhut. Einst gehörten sie in jedem Haushalt zur Grundausstattung: Näharbeiten wurden in der Zeit vor Einführung der Nähmaschine und flächendeckender Tetanus-Immunisierung ohne Fingerhut zur Herausforderung.

Wert geschätzt wurde das hilfreiche Nähutensil - junge Leute wissen kaum noch, dass der Fingerhut auf dem Mittelfinger zum Einsatz kommt - nicht nur von Schneidern, Heimarbeiterinnen und Hausfrauen, sondern auch in höchsten und allerhöchsten Kreisen. Da schmücke man sich mit oft feinst ziselierten Fingerhüten aus edelsten Materialien. Kein Wunder, dass es auch Sammler gibt, die sich auf diese Fingerhut-Hochkaräter spezialisiert haben.

Viele Spezialgebiete

Angesichts der weltweiten Fingerhutvielfalt sei es fast unvermeidbar, dass sich Sammler Spezialgebiete suchen. Da gibt es die, die ihre Auswahl nach dem verwendeten Material – Gold, Silber, Messing, Kupfer, Porzellan, Glas, Holz, Plastik und vieles Mehr – treffen, andere, die nur antike Stücke oder nur Gebrauchsfingerhüte sammeln.

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Ein eigenes Sammelfeld sind die Werbestücke, die einst wie etwa der „Stuttgarter Schneehase“ für Seifenpulver warben oder, ergänzt durch ein in Zündkerzenform verpacktes Mini-Nähset, von Tankstellen unters Volk gebracht wurden.

Zu Edith Jungbludts eigenen Lieblingsfingerhüten gehört ein Fingerhut aus Borneo: Den hatte ein Bekannter im Urlaub dort entdeckt. Der habe zwar keinen Wert, sei ihr aber schon aufgrund dessen, dass da jemand so weit weg an sie gedacht habe, persönlich wertvoll. Ein anderer - da spricht die Schwäbin - zeigt eine Emaille-Darstellung des Stuttgarter Alten Schlosses. „Mich fasziniert immer wieder, wie viel Aufwand betrieben wurde, um diesen alltäglichen Gebrauchsgegenstand zu verschönern“, erklärt die Backnangerin ihre Leidenschaft für Fingerhüte.

Mindestens einer kommt bei den Vereinsmitgliedern jährlich hinzu: die Jahresfingerhüte, meist aus Porzellan oder Metallen, sind begehrte Sammelstücke. Etliche von ihnen, auch der aktuelle, stammen aus der Greifschen Goldschmiedewerkstatt.

Am Wochenende steht für die Gäste natürlich ein ausgiebiger Besuch im Fingerhutmuseum auf dem Programm, ehe sich die Jahreshauptversammlung den anstehenden Regularien – unter anderem wählt der Verein ein neues Vorstandsgremium – widmet. Anschließens dürften bei der kleinen internen Informations- und Tauschbörse einige der zierlichen Sammelstücke den Besitzer wechseln und das lang vermisste gesellige Beisammensein gepflegt werden.

Edith und Paul Jungbludt freuen sich auf die persönlichen Begegnungen und die „Reise in die Vergangenheit“.

Etliche Jahre hatten sie die Galerie an der Herrgottskirche betrieben und unter anderem gemeinsam mit der Goldschmiedefamilie Greif, die das Fingerhutmuseum in Münster betreibt, den Anstoß für den Creglinger Weihnachtsmarkt gegeben.

Paul Jungbludt dürfte Creglingern und ihren Gästen auch als Moderator zahlreicher Weihnachtsmärkte und Gewerbeleistungsschauen – drei begleitete er als stellvertretender Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins – in Erinnerung sein.

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