Lindleinturm-Museum - Ehrenamtliche Führer gesucht / 2019 wird 20-jähriges Bestehen gefeiert Besonderes Museum „haut jeden um“

Von 
Arno Boas
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Creglingen. „Das gibt es nur in Creglingen“: Mit dieser Aussage traf Ulrich Schönberger den Nagel auf den Kopf. Er meinte damit allerdings nicht die Herrgottskirche oder das Romschlössle, sondern den Lindleinturm und das dort untergebrachte Museum, das an die letzte Bewohnerin des Turms, Margarete Böttiger, erinnert. Nachdem mit Gertrud Volck eine der beiden Museumsführerinnen aufhört, stellt sich die Frage, wie es mit dem einzigartigen Kleinod weitergeht. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag, sich nach ehrenamtlichen Helfern umzuschauen.

Das Lindleinturmmuseum ist einzigartig. © Arno Boas
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In Creglingen war Margarete Böttiger auch als „Katzen-Marie“ bekannt, ihre außergewöhnliche Wohnstatt, der Lindleinturm im so genannten „schwarzen Viertel“, als „Katzenturm“. Die tierliebe und resolute Margarete Böttiger bewohnte den Turm 66 Jahre lang, von 1927 bis ins Jahr 1993, danach zog sie ins Altersheim nach Aub. 1995 starb sie im Alter von 98 Jahren im damaligen Kreiskrankenhaus Creglingen und vermachte den Turm der Stadt, zusammen mit 280 000 Mark. Allerdings verbunden unter der Auflage, dass die Stadt aus ihrem Turm ein Museum macht. So geschah es, und 1999 nahm das Lindleinturm-Museum seinen Betrieb auf – als Führerinnen engagierten sich von Beginn an Gertrud Volck und Marianne Zink, und zwar ehrenamtlich. Und das nun schon seit 20 Jahren. Mit den Führungen wechseln sie sich 14-tägig ab. Erst kürzlich wurden sie für ihr langjähriges Engagement geehrt (wir berichteten).

In den 20 Jahren führten die beiden Frauen rund 31 000 Besucher durch das Museum - nie mit mehr als fünf oder sechs Personen gleichzeitig, denn dafür ist der Turm schlicht zu eng. Die Einrichtung wirkt so, als sei Margarete Böttiger nur mal eben weg zum Einkaufen. Unter welch schwierigen Bedingungen die alleinstehende Frau den Turm bewohnt hat, kann nur erahnen, wer ihn einmal selbst betreten und die engen Stufen hoch in die gute Stube genommen hat.

Gertrud Volck und Marianne Zink sind dem Museum und ihrer einstigen Bewohnerin eng verbunden. Für ihre Führungen erhalten sie kein Geld– nur Spenden der Besucher. Bisher ist der Eintritt kostenlos. Geöffnet hat das Museum von Ostern bis Allerheiligen. 2018 wurde es von 1461 Menschen besucht.

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„Das Museum ist ein Wahrzeichen der Stadt,“ bekräftigte Ulrich Schönberger. „Für die Größe der Einrichtung können sich die Besucherzahlen wahrlich sehen lassen,“ meinte der Stadtrat. „Das Museum haut jeden um, der es betreten hat,“ so Schönbergers Erfahrung. Es sei zu wertvoll, um es nicht zu erhalten. Das sah auch Bürgermeister Uwe Hehn so, der zugleich ankündigte, dass man in Zukunft Geld in den Erhalt des Turms stecken müsse.

Aus gesundheitlichen Gründen beendet Gertrud Volck ihre Führertätigkeit.

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Alleine kann Marianne Zink den Führungsbetrieb jedoch nicht aufrechterhalten. Deshalb suche man weitere Führerinnen beziehungsweise Führer, so Hauptamtsleiterin Anita Müller. Diese Suche werde nicht einfach, da es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handle. Die Stadt will nun eine entsprechende Ausschreibung vornehmen und schauen, auf welche Resonanz sie stößt. Erst dann kann man sehen, wie sich die Zukunft des Museums gestalten wird – im 20. Jahr seines Bestehens.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim