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Vor 790 Jahren - Die Herren von Hohenlohe stifteten das Zisterzienserinnenkloster in Frauental / Führung am Sonntag, 15. Mai

Alte Gemäuer um Creglingen haben viel zu erzählen

Rund drei Jahrhunderte prägten Nonnen das Leben des Dorfes Frauental. Zu Ende ging diese Ära im Bauernkrieg. Das ehemalige Kloster atmet Geschichte, die man bei einer Führung am 15. Mai erspüren kann.

Von 
Hannelore Grimm
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Der aufwendig gearbeitete Taufstein aus dem Jahre 1697 schmückt den Kirchenraum. © Grimm

Creglingen/Frauental. Die mächtige Klosterkirche mitten in dem kleinen Dorf, rings herum eine reizvolle Landschaft und eine Vergangenheit, die ein Buch füllen könnte: Das ist der rund 120 Einwohner zählende Creglinger Ortsteil Frauental.

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Den Lauf der Dorfgeschichte maßgeblich mitgestaltet hat die Klosterkirche. Hier findet am Sonntag, 15. Mai, von 15 bis 17 Uhr ein Rundgang statt, bei dem der Vorsitzende des Museumsvereins Kloster Frauental, Wolfgang Willig, die Vergangenheit des alten Gemäuers aufleben lässt.

Wolfgang Willig nimmt die Teilnehmer mit in eine Zeit, die längst vergangen und die doch in dem alten Gemäuer noch so lebendig und so spürbar ist. Das im Steinachtal gelegene Kloster ist eine Stiftung der Herren Konrad und Gottfried von Hohenlohe, die auf der nur drei Kilometer entfernt liegenden Burg Brauneck gelebt haben.

Vor 790 Jahren wurde in Frauental die Klosterkirche erbaut. © Grimm

Zu der Stiftung des im Jahre 1232 errichteten Zisterzienserinnenklosters gehörten zirka 600 Hektar Feld, Wald und Wiesen. Später kamen weitere Flächen hinzu. In dem 34 Meter langen und acht Meter breiten Gebäude wurden drei Kirchenräume untergebracht: Zum einen die „Unterkirche“ die durch ihr prächtiges Kreuzrippengewölbe besticht. In dem Raum mit seiner von dem Orden vorgeschriebenen Einfachheit ist die Ausstattung in schlichter Bauernkunst gehalten.

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Mumifizierte Leichname

Neben dem Altar, um den herum vor zirka 60 Jahren Wandmalereien aus der Gründerzeit freigelegt wurden, schmücken der aus dem Jahre 1697 stammende Taufstein mit dem aufwendig gearbeiteten Aufsatz und die barocke Kanzel den Raum.

Hinter einer kleinen Tür verbirgt sich eine Grabstätte, die wohl selten sein dürfte in einer württembergischen Kirche: In dem kleine Gewölbe wurde 1742 der Amtmann Johann Christoph Meyer und sieben Jahre später dessen Ehefrau Elisabeth beigesetzt. Neben den zwei großen Särgen fand ein Kindersarg hier seine letzte Ruhestätte. Nachdem die Grabstätte zu Anfang des 20. Jahrhundert entdeckt wurde, fanden sich bei der Öffnung der Särge, von denen der kleine Sarg ausgenommen blieb, die verstorbenen Eheleute als gut erhaltene Mumien.

Was die Leichname so mumifiziert hat, dass sie über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben sind, das ist ein Geheimnis, das wohl nicht mehr ergründet werden wird.

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In Kastenamt umgewandelt

Nachdem die Linie Hohenlohe-Brauneck 1390 ausstarb, erwarb der Markgraf zu Brandenburg-Ansbach das Kloster. Im Bauernkrieg wurden 1525 große Teile des Klosters wie auch die Burg Brauneck zerstört.

Runde 315 Jahre lebten und arbeiteten die Nonnen in Frauental, bevor die markgräfliche Verwaltung nach dem Tod der letzten drei frommen Bewohnerinnen 1547 die Umwandlung in ein Kastenamt anordnete.

Der Domänenbetrieb, der damit begann, veränderte die Nutzung der Klosterkirche.

Während die untere Hälfte des Gebäudes seit der Auflösung des Klosters bis heute als Gottesdienstraum dient, kamen der Chorraum und vor allem die Nonnenempore nicht so glimpflich davon.

In dem licht durchfluteten Chorraum erinnern die Fundamentreste an den ehemaligen Hochaltar und die Statuen des Ordensgründers Benedikt, die Gottesmutter mit dem Jesuskind und eine weitere Figur, von der nicht geklärt ist, ob es sich um den Heiligen Kilian oder den geistlichen Mittelpunkt der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux (1090-1153) handelt, an die einstige Pracht.

Dauerausstellung

Auf der Empore der so genannten „Oberkirche“ auf der, wie bei den Zisterzienserinnen üblich, die Nonnen getrennt von den „Laien“ den Gottesdienst mitfeiern durften, wurde über lange Jahre hinweg Getreide gelagert.

Die Spuren des Getreidespeichers sind verschwunden seit vor über 30 Jahren ein Museum in der „Oberkirche“ eingerichtet wurde. Die Ausstellung unter dem Thema „Vom Kloster zum Dorf“ gibt in Bildern, Schriften und Gebrauchsgegenständen Auskunft über das Leben und Arbeiten der dörflichen Bevölkerung und das Wirken der Ordensfrauen.

Im Jahre 1791 kam Frauental unter preußische Herrschaft und erhielt den Status einer selbstständigen Gemeinde. 1810 wurde der Ort dem Königreich Württemberg zugeschlagen. Die Eigenständigkeit ging nach rund 180 Jahren 1972 mit der Eingemeindung nach Creglingen zu Ende. Die markante Klosterkirche wurde im Dorf gelassen: Sie ist im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Frauental.

Info: Anmeldung für den Rundgang am Sonntag, 15. Mai, sind möglich bei Wolfgang Willig, Telefon 07931/9588700, Treffpunkt: Eingang zur evangelischen Kirche in Frauental, Ortsteil von Creglingen.

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