Blick in die Dorfgeschichte Götzingens - Wälder, Wesen und Bäche standen der Obrigkeit zu / Krieg, Pest und Hunger plagten die Bevölkerung

Zu Krankheiten kamen Armut und Not noch dazu

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Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Jagdkarte Buchen aus dem Jahr 1593 mit dem Bereich rund um Götzingen. Die Karte liegt beim Generallandesarchiv in Karlsruhe. © Generallandesarchiv Karlsruhe H Buchen 1“

Götzingen. Die aktuelle Pandemie-Situation gibt Walter Jaufmann Anlass zu einem Blick in die Dorfgeschichte, wobei er sich vor allem auf Informationen stützt, die aus dem Götzinger Heimatbuch stammen. Er zeigt auf, dass die Vorfahren schlimmste Zeiten zu überstehen hatten. Nicht nur hochansteckende Krankheiten machten den Menschen zu schaffen, sondern auch wirtschaftliche Not. So hatten die wenigsten eigenes Land. Das meiste gekörte den Feudalherren und Fürstbischöfen. Im Folgenden der Text von Walter Jaufmann:

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„Die Wäld (Wälder) alle stehen der Gemeind zu, desgleichen auch die einzig Bach, doch haben die Unterthanen ohne Vorwissen der Beamten der Kellerei hierüber nichts zu entäußern, oder ihres Gefallens zu handeln“. So heißt es in einer alten Urkunde im Götzinger Gemeindearchiv aus dem Jahre 1594, also vor nunmehr 427 Jahren.

Schäfereirecht bei der Gemeinde

Ergänzend wird noch vermerkt, dass auch das Schäfereirecht der Gemeinde gehört, jedoch der Schäfer von Hettingen zweimal wöchentlich auf Götzinger Markung treiben darf. Die Jagdgerechtigkeit dagegen gebührt allerdings allein dem Erzstift Mainz. Dass es natürlich Fragen und Meinungsverschiedenheiten um Besitz und Eigentum, um Rechte und Pflichten genau wie auch heute schon von jeher gab, belegen verschiedene Archiveinträge.

So musste beispielsweise am 23. September 1594 Erzbischof Wolfgang von Mainz bei einem Konflikt eingreifen und seine Götzinger Unterthanen gegen die Grafen von Rosenberg verteidigen, da diese im Remstalerholz in „Götzigen“ (erstmalig Schreibweise mit „ö“!) unberechtigterweise jagen wollten.

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Im weiteren Verlauf dieser Angelegenheit kam es am 20. März 1596 zu einem Vertragsabschluss zwischen Erzbischof Wolfgang aus Mainz und Graf Albrecht Christoph von Rosenberg, der gleichzeitig auch den Grafen von Hatzfeld das Recht einräumte, im Remsle mitzujagen: „Im Remstalerholz haben gedachte Grafen nach Inhalt ob angeregten Vertrages das Mitjagen. Der Schultheiß und die zwei ältesten vom Gericht geben Bescheid, dass sie anders nicht wissen, dass ermelte Herrn Grafen allein von März bis Cathedra Petri im Remstalerholz jagen, wissen auch nicht, daß die Jäger jemals Stäb oder Hessel gehauen, sondern jederzeit mitgebracht“.

Interessanterweise dokumentiert eine Urkunde aus dem Jahre 1389, also vor nunmehr 632 Jahren, die Veräußerung der Nutzungsrechte zu Götzingen von Hettingen nach Rosenberg. Bemerkenswert ist hierbei auch die besondere Sprache, in der diese verfasst wurde: „1389 September 20. Endris von Hettingen und katherin von Nydeck sin eelich Wirtinne verkaufen dem Vesten edelknechte Eberhart von Rosenberg, und annen siner eelichen Wirtinne und allen ihren Erben alle ire gute und gulte zu Getzickeim im Dorfe im Felde oder in der Mark daselbs mit fastnachtshuhner, mit allen rechten, fellen, gewohnheiten, zugehorden und nutzen, als sie bisher innegehabet han und uf sie kommen sind, mit Namen 13 simerin kornes, 12 ½ simerin dinkels, 13 ½ simerin habern und 30 hellern zu Wiehnachten und 2 simerin erwes und 1 fastnachtshuhn mit seinen rechten von Heinz Heyden, item 13 simerin korn von Hans Oche.“

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Erwähnenswert scheint in diesem Zusammenhang, dass die Söhne des Eberhart von Rosenberg bereits 35 Jahre später ihre Rechte zu Götzingen wieder veräußerten. Die Verkaufsurkunde vom 26. September 1424 nennt auch den Preis: „ für 380 guter genemer, rinischer gulden“.

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Recht aussagekräftig und gar mit Spuren über fünf Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit erweist sich ein Vertrag vom 5. Februar 1490, laut dem Ritter Erasmus von Rosenberg seine Güter sowie seine Lehensgerechtigkeit zu Götzingen verkaufte.

Darin finden sich sowohl derzeit noch aktuelle Familiennamen – wie beispielsweise Bauer (Gebuwer), Holderbach, Müller, Schmitt, Leist (Leyst), Fischer (Vischer) oder Hartmann – als auch hier nicht mehr vorkommende wie beispielsweise Seuffert, Volpert, Eychhorn, Rurer, Ach, Wilhelm, Nusse, Nyn, Werner, Seyfried, Malle, Heckmann, Mathis, Wendel, Lutz, Möller, Woppel oder Weber.

Gebräuchliche Namen

Außerdem sind 20 Flurnamen aufgeführt, von denen heute lediglich noch drei gebräuchlich sind, nämlich nach aktuellem Gemarkungsplan: „Aschbach“ (laut Urkunde Wiesenstück leyt gen rynschen hin uff genannt zu aspach; aktuelle Dialekt-Benennung Gaschboch), „Rimschlein“ (laut Urkunde Remsle; aktuelle Dialekt-Benennung Remschle) und „Vor dem Tannenwald“ (laut Urkunde Danneswald; aktuelle Dialekt-Benennung Dannewoald). Speziell zu den hier gebräuchlichen Namen schlägt auch ein Musterungsbericht, der Namen und Waffengattungen aufführt, aus dem Jahre 1554 – also zur Zeit des Götz von Berlichingen – einen interes-santen Bogen.

Ein Hauptmann Scherdenast musterte nämlich am 17. September 1554 die Unterthanen des Amtes Buchen und dabei waren aus Getziken „Summa 45 Mann, so ausziehen 24: Zu den Puchsen 5 Mann – Hermann Leist, Hans Heinrich, Steffen Berger, Hans Philipp und Klaus Hess; Zum langen Spieß 14 Mann – Steffen Bechtold, Jörg Bauer, Berthold Schwab, Steffen Heller, Johann Link, Jörg Adam, Hans Walter, Claus Grimm, Matthes Gengolf, Bauer, Schmidt, Pfeiffer, Holderbach und Hofmann; Zu den Hellebarden 5 Mann – Vischer, Heimberger, Seufert, Eichhorn und Möll“.

Die danach folgende Zeit war für die Bürger geprägt von extrem viel Not und Armut sowie von großen Belastungen durch kriegerische Auseinandersetzungen, die letztlich in den Dreißigjährigen Krieg mündeten.

Ständige Einquartierungen, die damit verbundenen Anforderungen der Militärs und immer wieder Preßgelder führten die Bevölkerung in großes Elend. Dazu kamen zu allem Überdruss noch zwei furchtbare Begleiterscheinungen, nämlich Hunger und Pest.