Pflegeheim Sonnengarten in Buchen - Angehörige von Bewohnern kritisieren das Besuchsverbot / Leiterin der Einrichtung erklärte die Gründe für die Regelung Wenn die Ungeduld Überhand gewinnt

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Marcel Sowa
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Seit Mitte Dezember ist zum Leidwesen aller Beteiligten das Pflegeheim Sonnengarten in Buchen für Besucher geschlossen. Der Grund: ein Corona-Ausbruch. © Nicola Beier

Buchen. Wenn alles gut läuft, endet in den kommenden Tagen eine wochenlange Tortur im Pflegeheim Sonnengarten in Buchen. Eine Tortur für die Bewohner, für die Angehörigen und die Mitarbeiter.

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„Niemand kann sich vorstellen, was so ein Infektionsgeschehen in einem Heim für Bewohner und Beschäftigte bedeutet“, erzählt Nicola Laukenmann, Leiterin der Einrichtung in der Hettinger Straße. Diese Aussage trifft sie nicht ohne Grund. Mehrere Angehörige von Heimbewohnern kritisieren das geltende Besuchsverbot und verweisen auf die Corona-Verordnung des Landes. „Der Zutritt von Besuchern und externen Personen zu stationären Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf ist nur nach vorherigem negativen Antigentest und mit einem Atemschutz zulässig“, heißt es im Gesetzestext. Und weiter: „Die Einrichtungen haben den Besuchern und externen Personen die Durchführung der Testung anzubieten.“

„Vorschläge nicht akzeptiert“

Trotz dieser Festlegungen sei das Gesundheitsamt des Neckar-Odenwald-Kreises nicht bereit, Besuche in dieser Einrichtung zuzulassen. Die Angehörigen hätten sich zusammengetan, um gemeinsam um eine Lösung zu ringen. „Wir haben den Eindruck, dass der Heimleitung des Sonnengartens vom Gesundheitsamt die Hände gebunden sind. In mehreren Schreiben an dieses haben wir konkrete Vorschläge gemacht, die aber nicht akzeptiert werden“, heißt es in dem Schreiben, welches den FN vorliegt.

Man habe daher beschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Niemand von unserer Initiative nimmt die Pandemie auf die leichte Schulter. Wir akzeptieren die Corona-Verordnungen und haben großen Respekt vor der Arbeit der Heimleitung und der Pflegekräfte. Sieben Wochen Besuchsverbot sind jedoch nicht tragbar und unzumutbar. Unsere Angehörigen sterben eher an Einsamkeit als an Covid-19“, endet das Schreiben.

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Nicola Laukenmann vom Sonnengarten versteht den Unmut und die wachsende Ungeduld der Angehörigen. „Die Situation ist schlimm, für alle Beteiligten. Aber es handelt sich um keine Willkür, das Infektionsschutzgesetz ist ganz klar geregelt“, erklärt die Leiterin des Heims, weshalb das Besuchs- und Aufnahmeverbot nach wie vor besteht.

Der erste Fall kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember, war der Beginn eines regelrechten Ausbruchsgeschehens. Über 70 Heimbewohner und über 45 Pflegekräfte hatten sich angesteckt, bei einem Großteil gab es milde Krankheitsverläufe. Aber: Mehrere Infizierte mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, insgesamt starben fünf Personen in Verbindung mit einer Infektion. Zwar schränkt Laukenmann ein, dass „der Tod durchaus dazugehört zu einem Altenheim und wir schon Winter mit mehr Todesfällen hatten“.

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Aber das Besuchsverbot sei ein Muss, um alle zu schützen und auch zu verhindern, dass das Virus aus dem Heim getragen werde. „Es ging nicht anders. Und ohne die Hilfe des DRK und der Mitarbeiter des Eberstadter Gesundheitszentrums hätten wir die Situation beinahe nicht bewältigen können“, verdeutlicht die Heimleiterin, vor welchen Herausforderungen die Beschäftigten des Sonnengartens standen. Man habe teilweise an vier von fünf Tagen nur getestet und am anderen Tag die Laborergebnisse abgerufen.

Lob für Zusammenarbeit

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Eine Mitarbeiterin habe sich morgens beim Arbeitsbeginn noch gut gefühlt, und drei Stunden später nicht mehr. Dazwischen ergaben die Tests: zunächst „negativ“, dann „leicht positiv“ und schlussendlich „positiv“. „So ein Szenario wollen wir nie wieder haben. Es gibt nun mal Fehlerquellen, und was nützt uns ein Testergebnis von vor 48 Stunden? Wir werden die Besucher nur noch selbst testen, dann ist es wenigstens aktuell“, so Laukenmann.

Aktuell sei das personell noch nicht stemmbar, und außerdem befinde man sich in enger Absprache mit dem Gesundheitsamt. „Die Zusammenarbeit hat immer funktioniert. Man muss auch sagen: Es gab keine Wochenenden mit regulärem Feierabend, oft musste noch telefoniert und alles abgeklärt werden.“

Damit widerspricht Laukenmann der Behauptung von einem der Angehörigen der Initiative, es sei von keiner Seite ein Bemühen erkennbar gewesen, eine Lösung zu finden. Die Heimleiterin betont: „Man darf auch nicht die Verantwortung vergessen, die Leitung und Gesundheitsamt haben. Mögliche Lockerungen müssen erst rechtlich überprüft werden, und das geht nicht so schnell.“

Dies erklärt sie am Beispiel der Zimmerquarantäne: Anders als im Frühjahr mussten dieses Mal die Bewohner mehrere Wochen in den eigenen Räumen bleiben. „Das war sehr anstrengend für sie“, so Laukenmann. Doch als sich das Infektionsgeschehen beruhigt hatte, arbeiteten beide Seiten auf Drängen von Laukenmann an einer Lösung – und fanden sie. Morgens durften die negativ Getesteten aus den Zimmern, nachmittags die positiven, und abends wurde alles desinfiziert, damit es in der Nacht einwirken konnte.

Seit ein paar Tagen dürfen alle Bewohner wieder aus den Zimmern, weil es keine Fälle mehr gibt (Stand Montag). „Gesundheitsamt und Heim haben zusammen nach einer Möglichkeit gesucht, den Bewohnern wieder das Leben etwas zu erleichtern. Das war super“, lobt Laukenmann.

Das Gesundheitsamt erklärte gegenüber den FN: „Wir können nachvollziehen, dass es aufgrund der langen Quarantänezeit den dringenden Wunsch bei Angehörigen gibt, Heimbewohner wieder zu besuchen. Besuche sieht die Corona-Verordnung allerdings nur bei Heimen ohne Ausbruchsgeschehen vor. Bei einem Ausbruchsgeschehen müssen Heimbewohner, wie auch alle anderen Personen, die sich infiziert haben oder Kontaktpersonen sind, nach dem Infektionsschutzgesetz isoliert werden. Dies dient dem Schutz aller und der Eindämmung des hochansteckenden Virus.“

Im Sonnengarten wurde laut der Leiterin am Montag angefangen, sämtliche Mitarbeiter zu testen. Nur wenn alle Ergebnisse negativ auffallen, will man das Besuchsverbot wieder aufheben. Wenn es gut läuft, können also zum Ende der Woche wieder Angehörige die Heimbewohner besuchen.

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