Bezirksmuseum Buchen - Projekt „SprachRaum“ ist der Mundart auf der Spur – gerade auch zur närrischen Zeit Weitere Dialektbeispiele werden benötigt

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Dr. Isabell Arnstein
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Speziell in Buchen tendiert man gerne dazu ein o in Richtung eines u zu verschleifen, was man schön an dem Narrenruf „hinne houch!“ sieht. © Dr. Isabell Arnstein

Im Großraum Buchen fehlt es aus sprachwissenschaftlicher Perspektive an einem erforschbaren Corpus an Sprachbeispielen. Diese würden helfen, den odenwäldischen Dialekt lebendig zu erhalten.

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Buchen. Den hiesigen Dialekt zu erfassen und auch zu untersuchen ist das Ziel des Projekts „SprachRaum“, das zugleich Teil des Buchener Bezirksmuseums ist. Dabei gibt es den „SprachRaum“ gleich zweifach, einmal als ein Teil der Dauerausstellung des Museums, zum anderen als virtuelles Projekt im Internet (www.sprachraum.de). Hier kann man sich wissenschaftlich über dialektologische Hintergründe informieren und am hiesigen Dialekt Interessierte können sich Sprachbeispiele aus allen Regionen der Gegend im „Sprechenden Sprachatlas“ anhören.

Sprachstand festhalten

Das Hauptbestreben des „SprachRaum“-Teams ist das Festhalten des gegenwärtigen mundartlichen Sprachstandes in der Region Buchen. Es gilt folglich, den bislang bestehenden Textcorpus durch weitere Dialektbeispiele zu erweitern, denn die Mundarten sind vom Aussterben bedroht und ihre Bewahrung als allgemeines Kulturgut stellt eine Herausforderung dar, die es anzugehen lohnt. Identitäts- und gemeinschaftsstiftend ist der Dialekt für viele Menschen der Region, stellt Heimat dar und Geborgenheit. Gerade zur Fastnachtszeit begegnet einem die dialektale Vielfalt der Region auf Umzügen, bei Fastnachtssitzungen und ganz besonders „in der Bütt“. Doch besonders im Großraum Buchen fehlt es aus sprachwissenschaftlicher Perspektive an einem erforschbaren Corpus an Sprachbeispielen, da es schlichtweg zu wenige mündliche, wie schriftliche Zeugnisse gibt. Alle Dialektbewahrer sind somit dazu aufgefordert, sich bei Dr. Isabell Arnstein (isabell.arnstein@zgb-buchen.de) zu melden, wenn sie ihre „närrischen Textcorpora“ gerne der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchten. Sei es eine Rede, ein Spruch, ein Bild, eine Anekdote – alles ist willkommen und hilft, den odenwäldischen Dialekt lebendig zu erhalten.

Ein südfränkischer Dialekt

„Odenwäldisch“ ist der sprachwissenschaftliche Sammelbegriff für die badisch-fränkischen mundartlichen Varianten um Buchen herum. Der Buchener Dialekt gehört, größer betrachtet, zum südfränkischen Dialektraum, aber mit manchen ostfränkischen Tendenzen. Einen südfränkischen Sprecher kann man durch die dialektale Aussprache des standardsprachlichen Satzes „Die Kinder halten die Äpfel fest“ in folgender Weise ausmachen: Die Kinner halte die Äpfel fescht. Vielleicht sogar mit einer leichten Verkürzung des „Die/die“ in Richtung einer eines D´/d´, da die südfränkischen Sprecher gerne die Artikel verkürzen.

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Weiterhin tendieren die südfränkischen Sprecher dazu, nach den Nasalen m und n auf die Plosivlaute (die harten: p, t, k und die weichen: b, d, g) zu verzichten, wie man es im Beispielsatz schön bei „Kinner“ für „Kinder“ sehen kann. Eine Lenisierung, also Verweichlichung, der harten Plosive zugunsten der weichen ist in dieser Region ebenso zu erkennen. Man würde den „Traktor“ oder „Trekker“ also initial eher mit einem weichen d statt eines harten t aussprechen, ebenso die „Tüte“ als „Düte“, oder im Raum Buchen dann als „Dudde“.

Der Raum Buchen

Gänschmauscherland – ist eine für viele Einheimischen noch bekannte Bezeichnung für den Großraum Buchen, gewissermaßen einer Sprachenklave auf der geologischen Grenze zwischen Odenwälder Buntstandstein und bauländischem Muschelkalk. An der Begrifflichkeit macht sich die Entwicklung des alten germanischen s-Lautes fest, was gewissermaßen identitätsstiftendes Kriterium für den Buchener Dialekt ist. Es taucht für die Gegend um Buchen in der sprachwissenschaftlichen Literatur auch der Begriff der „Hausch-Insel“ auf, was diese Besonderheit nochmals verdeutlicht, da außerhalb dieser Insel die Entwicklung anders verlaufen ist. Dieser s-Laut hat sich hier nämlich zu einem sch, sowohl inlautend (zum Beispiel „Wiesche“ für „Wiese“) aber besonders auch auslautend (zum Beispiel „unsch“ für „uns“), entwickelt. Beispielwörter dafür wären neben „Haus“ Hausch zum Beispiel „Hose“ Housche,“ Rose“ Roosche, „Wurst“ Worschd, und für „lesen“ leesche. Auch ist im Dialektraum um Buchen herum die für das Fränkische generell typische Umwandlung von g in den Reibelaut ch zu finden. Beipiele hierfür wären rechern für „regnen“ oder auch Schlaach/ Schlooch für „Schlag“. Speziell in Buchen tendiert man auch gerne dazu ein o in Richtung eines u zu verschleifen, was man schön an dem Narrenruf „hinne houch!“ sieht.

Dialektsensibilität als „Trend“

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Dies ist aber nur ein kurzer Einblick in die hiesige Dialektlandschaft, ein ausführlicherer Bericht und wie überhaupt die Dialekte entstanden sind, was die Dialekte um Buchen herum im Detail auszeichnen, das ist zur Zeit Thema einer Aufsatzreihe von Isabell Arnstein im Wartturm, der Zeitschrift des Bezirksmuseum, ab der Ausgabe 4/2019.

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Dialekt soll auch außerhalb der Fastnacht wieder verstärkt im Alltag zutage treten, vielleicht sogar „Trend“ werden, was etliche Veranstaltungen befördern könnten, in denen Mundart und Mundartkünstler im Mittelpunkt stehen. So ist ein weiterer sprachsensibler Höhepunkt im noch jungen Jahr 2020 der Besuch des Prädikanten der Evangelische Landeskirche und zugleich Badischer Mundartpreisträger Wolfgang Müller. Am 8. März um 10 Uhr wird er in der evangelischen Christuskirche in Buchen einen Gottesdienst in Mundart gestalten, zu dem konfessions- generationen- und mundartenübergreifend alle Interessierten willkommen sind.