"Abenteuerreiter" Günter Wamser - Vortrag im Joseph-Martin-Kraus-Saal in Buchen / Über 20 Jahre hoch zu Ross von "Feuerland bis Alaska" Weit mehr als ein bloßer Reisebericht

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Christian Hagenbuch
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Buchen. Was Günter Wamser am Samstagabend im Joseph-Martin-Kraus-Saal in Buchen zeigte, war nicht nur ein bloßer Reisebericht. Vielmehr öffnete der "Abenteuerreiter" gemeinsam mit seiner Partnerin Sonja Endlweber in einer Multivisionsshow die Tür zu einem ganz weiten Blick über den Tellerrand. Der Vortragstitel "Feuerland bis Alaska" stand für die beiden Eckpunkte eines 20 Jahre langen Trips hoch zu Ross, der mehr als alles andere persönliche Erfahrungen, Begegnungen und Abschiede widerspiegelte.

Großes Interesse: Beim Vortrag von "Abenteuerreiter" Günter Wamser (Zweiter von links) war der Kraus-Saal in Buchen voll besetzt.

© Hagenbuch

Langfristige Grenzerfahrung

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Nachhaltig vermittelt wurde diese langfristige Grenzerfahrung durch faszinierende Fotos von Menschen, tierischen Weggefährten sowie Landschafts- und Naturaufnahmen. Wamser nahm sich die Zeit, um die Details ausführlich zu schildern. Vom Erwachen des Vorhabens, zwei Kontinente und 30 000 Kilometer Strecke auf dem Rücken eines beziehungsweise mehrerer Pferde zu durchqueren, bis zur Schilderung der andauernden Antriebskraft, um das Reiseprojekt zu Ende führen zu können.

Als Flugzeugbauer, der sich auch mit beschränktesten Mitteln handwerklich zu helfen weiß. Als Pferdelaie, dem die Rösser über die Jahre zu den "persönlichsten Ansprechpartnern" geworden sind. Und als Fotograf, der die vielen Facetten und Gesichter der Kontinentalquerung in äußerst eindrucksvollen Aufnahmen festhielt.

Immer wieder kam der sympathisch-zurückhaltende gebürtige Rauenberger (Main-Tauber-Kreis) auf die fortwährende Auseinandersetzung mit sich und der Natur zu sprechen. Die Trennungen von mehreren Begleithunden, die Hufinfektion seines Pferdes mit einem Jahr Zwangspause als Folge. Schließlich das Einreiseverbot für die Rösser in die USA als Konsequenz früherer Zeckeninfektionen. Und nicht zuletzt der menschliche Faktor, der sich in negativer Weise in Form von Bürokratie, Grenzformalitäten und Korruption bemerkbar machte.

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"Ich habe mich immer geweigert, an dem in Lateinamerika weit verbreiteten Schmiergeldritual teilzunehmen", so Wamser. "Obwohl dadurch vieles schneller und billiger gekommen wäre. Aber das entsprach damals nicht meiner Denkweise - und meinem Dickkopf." Entschädigt wurde Wamser, der über die letzten sieben Reisejahre von seiner Lebensgefährtin Sonja Endlweber begleitet wurde, dafür durch große Gastfreundschaft selbst in armen Ländern durch arme Menschen. "Ich habe gelernt, was für ein Privileg es ist, in Mitteleuropa geboren zu sein", so seine Schlussfolgerung.

Postkartenidylle trügt

Günter Wamser ließ die Stationen, beginnend im Jahr 1994 von der argentinischen Stadt Ushuaia im Süden Patagoniens, über Süd-, Mittel- und Nordamerika, bis zum Abschluss im Herbst 2013 am Fuße des Mount Denali, anschaulich Revue passieren, ohne ins Sentimentale abzudriften. "In den Hochglanzprospekten scheinen die Tropen wie ein Paradies. Aber diese Postkartenidylle trügt. Die drückende Hitze, und zahlreiche aggressive Insekten können Leben und Reisen dort zur Qual werden lassen".

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Trotz aller Mühsal lautete sein Motto: "Entweder es gibt einen Weg - oder wir finden einen". Denn das unerhörte Unterfangen, dem zur Vorbereitung seinerzeit eine Deutschland-Durchwanderung voraus gegangen war, hatte bei allen Schwierigkeiten eines nicht: Zeitdruck.

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Wamser, der zwischenzeitlich immer wieder nach Deutschland zurück gekehrt war, hat sich die Faszination und den Traum vom langsamen, dafür aber umso intensiveren Reisen erfüllt.

Am Ende dieses eindrucksvollen Abends sind die Besucher aller Altersgruppen begeistert.