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„Ein Sommernachtstraum“ in Buchen - Bestens eingespieltes Ensemble der Badischen Landesbühne begeisterte Fans im Museumshof

Verliebte, Verrückte und Poeten treffen aufeinander

Von 
Adrian Brosch
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Rund 160 Besucher erlebten „Einen Sommernachtstraum“ im Buchener Museumshof. © Adrian Brosch

Wo trifft William Shakespeare auf rassige Amazonen, deutsche Schlager, das Halali des Jägers und stetig neue Beziehungskisten? Natürlich bei der Badischen Landesbühne. Genauer: Bei deren frischer Adaption des „Sommernachtstraums“.

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Buchen. Einen „Sommernachtstraum“ erlebten die rund 160 Besucher der Freilichtaufführung der Badischen Landesbühne am Dienstag im Buchener Museumshof im eigentlichen Sinne: Die Aufführung wurde in einer traumhaften Sommernacht gespielt – eben an einem echten „Sommernachtstraum“.

Natürlich mischt in einem echten „Sommernachtstraum“ auch die Liebe mit, aber das Lieben, Leben und Leiden ist ja bekanntlich so eine Sache: Einerseits will Theseus (Tobias Strobel) seine Hippolyta (Elena Weber) ehelichen, andererseits will sie genau das nicht – so was aber auch!

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Sie ist nicht allein: Hermia (Nadine Pape) würde gern heiraten, aber eben nicht den trotteligen Demetrius (Lukas Maria Redemann) – ihr Herz schlägt für den galanten Lysander (Thilo Langer): Der weiß, was er will! So nimmt sie ihn an die Hand, um in den dunklen Wald zu fliehen. Gemeinsam wollten sie ihrem strengen Vater entkommen.

Originell gestaltete Kulisse

Aber sie sind nicht allein: So immobil Demetrius auf den ersten Blick zu sein scheint, ist er doch ein rechter Pfiffikus und folgt ihnen in das Dickicht. In Sekundenschnelle mutiert die Kulisse – auch heuer höchst originell gestaltet – vom zärtlich-duftigen Rosengarten in den nächtlichen Wald.

Demetrius ist auf der Hut, aber nicht allein: Er ist das Objekt der Träume Helenas (Kira Plaß). Und das schon ziemlich lang: Die Liebe lebt erst recht, wenn man denkt, sie sei gestorben.

Wo man schon beim Lieben ist, ist auch das Leiden nicht weit: Schon bald zerren Kobold Puck (Cornelia Heilmann höchst amüsant), der gestrenge Elfenkönig Oberon (wieder Tobias Strobel) und dessen Gattin Titania (Elena Weber einmal mehr) an ihren Nerven und Gefühlen. Auch Oberon dürstet es nach Liebe – oder vielleicht doch eher Libido?

Wie dem auch sei: Er beauftragt Puck mit der Suche nach einer ominösen Wunderblume. Deren Saft soll wahre Wunder bewirken – er soll den damit „Betropften“ dazu bringen, das nächstbeste Geschöpf mit Amors Pfeilen zu bewerfen. Was so einfach klingt, ist aber alles andere als das: Ausgerechnet der rüde Handwerker Klaus Zettel (Markus Hennes) sticht Puck ins Auge. Zettel probt mit seinen Freunden Mats Schlucker (BLB-Altmeister Hannes Höchsmann), Peter Squenz (Martin Behlert) und Franz Flaut (Andreas Schulz) ein Theaterstück für Theseus’ Hochzeit. Eigentlich wollte er das im Schweigen des Waldes tun, hat sich jedoch gründlich, nun ja, „verzettelt“ – nomen est omen?! – und träumt von der Ballade „Zettels Traum“. Das kann doch nicht wahr sein! Immer weiter manövrieren sich die Protagonisten in die Abgründe der Liebe. Und das urkomisch: Scheinbar magische Zaubertricks, zahlreiche Anspielungen auf Schlagertitel von der Münchner Freiheit („Ohne dich...“), Matthias Reim („Verdammt, ich lieb’ dich“) und Al Martino („Volare - Finale“), aberwitzig verstellte Stimmen, sabotierte Theaterproben von Zettel und Konsorten und jede Menge Kunsteis-Nebel sorgen für eine superbe Atmosphäre, die vor Subtilität nur so knistert.

Und das tut sie jede Minute noch intensiver – spätestens, als laszive Soul-Musik zu rötlichem Licht erklingt. Dann stürmt der Jäger mit original bayrischem Gamsbart durch den (Bühnen-)Wald: Et voilà, das Chaos ist perfekt und das Buchener Publikum tobt vor Begeisterung. Kein Wunder: Die Darsteller ziehen zum Ende der Saison alle Register und sind im Begriff, sich selbst zu übertreffen.

Einfallsreich und detailverliebt

Kurze Rede, langer Sinn: Das Stück geht „schnelli-pirelli“ ins Finale. Ein weiteres Mal wird das Bühnenbild in Windeseile umgebaut.

Dann erklingt der Hochzeitsmarsch: Ach Gottchen! Verliebte, Verrückte und Poeten treffen aufeinander – und zwar entgegen jeder subtiler Einbildung: Glück und täglich neue Liebe gibt es immer wieder auf ein Neues! Unter frenetischem Beifall steht das Buchener Publikum Spalier und wird Zeuge eines ganz besonderen „flotten Dreiers“: Es sind drei Paare, die den Weg ins (Un-)Glück einschlagen.

Wie einfallsreich und detailversessen Carsten Ramm und Evelyn Nagel den Shakespeare-Klassiker des späten 16. Jahrhunderts bearbeitet hatten, zeigt sich zu später Stunde einmal mehr: Zu den wohlig groovenden Klängen des Disco-Krachers „Stayin’ Alive“ und unter rötlich, gelbgolden und blauviolett schimmernden Lichteffekten wirbeln die Akteure über die Bühne – da wird der Museumshof zur Disco.

Aber dann kommt doch, was kommen muss: Auch der schönste Theaterabend muss (leider) einmal enden.

Und das, obwohl man mit dem bestens eingespielten Ensemble ohne Frage gern noch lang durch die Buchener Sommernacht getanzt wäre – pardon, durch den Buchener „Sommernachtstraum“.

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