Landgericht Mosbach - 55-Jähriger legt umfassendes Geständnis ab / Schwurgericht sieht Hinweise auf Mord / Fortsetzung am 13. August Schüsse ohne Vorwarnung abgefeuert

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Ralf Scherer
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Ein 55 Jahre alter Mann aus Götzingen hat am Montag zugegeben, einen mutmaßlichen Einbrecher vor mehr als fünf Jahren erschossen zu haben. Vor dem Landgericht Mosbach muss er sich wegen Totschlags verantworten. © Ralf Scherer

Mosbach/Götzingen. Was sich am 21. Februar 2013 in einer Scheune in Götzingen abgespielt hat, erinnert an eine Hinrichtung: Ohne Vorwarnung schießt der Wirt des Gasthauses „Zum Schwanen“ aus kurzer Distanz auf einen mutmaßlichen Einbrecher. Am Oberkörper getroffen, stürzt das Opfer auf die Knie und versucht, sich mit beiden Händen am Boden abzustützen. Kurz darauf fällt ein zweiter Schuss aus nächster Nähe. Die Kugel dringt mittig in die Schädeldecke des damals 56-jährigen Mannes ein. Er kippt auf den Scheunenboden, wo sich ihm ein Eisenteil in den Rücken bohrt.

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„Ich bin ein impulsiver Mensch“, versuchte der Gastwirt am Montag sein Verhalten an jenem Februarmorgen zu erklären. Wegen Totschlags muss er sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Mosbach verantworten. Nachdem Staatsanwalt Florian Sommer die Anklage verlesen hatte, legte der 55-Jährige ein umfassendes Geständnis ab.

„Leider“, antwortete er zunächst kurz und knapp auf die Frage des Vorsitzenden Richters Dr. Alexander Ganter, ob denn die Vorwürfe stimmen. Im voll besetzten Saal verfolgten anschließend viele Bewohner aus Götzingen gespannt, ja bisweilen ungläubig, was in ihrem kleinen Ort passiert und erst fünf Jahre später ans Tageslicht gekommen war.

Geräusche im Keller

Gegen 9.45 Uhr hörte der Gastwirt an jenem Morgen Geräusche im Keller. Mit einer geladenen Pistole und einem Totschläger bewaffnet, ging er in die Scheune. Im Keller entdeckte er einen langjährigen Bekannten, der offenbar das Buch „Mein Kampf“, einen Reservistenkrug und einen Beutel voller Orden stehlen wollte. „Wir waren Freunde, sind früher gut miteinander ausgekommen“, erinnerte sich der Angeklagte.

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Erste Risse hatte das Verhältnis aber schon einige Jahre vor der Tat bekommen, als zunächst der Schlüssel für einen Tresor und später auch Bargeld aus eben diesem verschwunden waren. Der Angeklagte sprach von bis zu 8000 Euro, die ihm abhandengekommen sein sollen. Endgültig zum Bruch führte eine fehlende Motorsäge. Für beide Diebstähle machte der Angeklagte sein späteres Opfer verantwortlich. Zweifelsfrei geklärt wurden die Vorfälle allerdings nie. „Ich war damals zornig“, räumte der 55-Jährige vor Gericht ein. Das Verhältnis beschrieb er fortan als „distanziert, eher neutral“.

Als er dann den mutmaßlichen Einbrecher mit dem Diebesgut in seiner Scheune überraschte, sah er nach eigenen Angaben „bissle arg rot“. „Das war Blödheit. Ich bin auf ihn zugegangen und bauf...“, erinnerte sich der Angeklagte an den zweiten Schuss.

Leiche in Folie gewickelt

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Danach zog er seinem Opfer das Eisen aus dem Rücken, wickelte den Leichnam in eine Folie und hievte ihn mit einem Seil auf einen Zwischenboden in der Scheune. Weil sich der Schornsteinfeger für den Vormittag angekündigt hatte, konnte das Opfer dort aber nicht bleiben.

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Vom Zwischenboden schaffte der 55-Jährige die Leiche durch ein Fenster zunächst in die Toilette, später in sein Schlafzimmer, in das frühere Schlafzimmer der Großmutter und schließlich zurück in die Scheune.

Dort entdeckten Kriminalbeamte die Überreste des seit mehr als fünf Jahren als vermisst gemeldeten Mannes, nachdem Ende Januar die Gastwirtschaft samt Nebengebäuden von einem Brand fast vollständig zerstört worden war. Ein gemeinsamer Bekannter des Opfers und des Täters hatte der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben, dass der Angeklagte mit dem Verschwinden des damals 56-Jährigen zu tun haben könnte. Offenbar hatte der Gastwirt ihm gegenüber mehrfach vage Andeutungen gemacht. „Ich denke, der Brand war der Auslöser dafür, dass der Hinweisgeber sich ermutigt gefühlt hat, zur Polizei zu gehen“, erklärte Staatsanwalt Sommer.

Die folgenden Ermittlungen ergaben, dass das Opfer erschossen worden war. Und nicht erschlagen, wie der Angeklagte in einer ersten Vernehmung angegeben hatte. „Das war reiner Blödsinn, das zu behaupten“, räumte er ein. „Ich möchte mich entschuldigen“, wandte er sich schließlich direkt an die Witwe, die gemeinsam mit ihren drei Kindern als Nebenklägerin auftritt. „Ich weiß, das bringt nichts mehr.“ Für sich selbst rechnet er offenbar fest mit 15 Jahren Haft. Ob wegen Totschlags oder Mordes ist seit gestern völlig offen. Gegen Ende des ersten Verhandlungstags wies der Vorsitzende Richter darauf hin, dass Mordmerkmale wie Heimtücke oder niedere Beweggründe vorliegen könnten.

Fortgesetzt wird die Verhandlung am Montag, 13. August, um 9 Uhr mit der Vernehmung zweier Zeugen und der Anhörung zweier Sachverständiger.

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Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.