Baugebiet auf der Buchener „Marienhöhe“ - Überarbeitete Vergabekriterien sollen am 22. März besprochen werden / Nur 104 der 160 Bauplätze zu vergeben Reihenhausbebauung soll früher kommen

Beim Baugebiet auf der Buchener „Marienhöhe“ gibt es noch Gesprächsbedarf. Mit dieser Begründung wurde das Thema im November vertagt. Die FN haben dazu einige Fragen an die Stadt gestellt.

Von 
Marcel Sowa und Sabine Braun
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Die Vergaberichtlinien für die Bauplätze im geplanten Wohngebiet „Marienhöhe“ zwischen Buchen und Hainstadt wurden in den vergangenen Wochen noch einmal überarbeitet. Der Entwurf wird im Buchener Gemeinderat voraussichtlich am 22. März besprochen. © Marcel Sowa

Buchen. Das Thema „Vergabekriterien für Baugrundstücke“ stand zuletzt am 30. November auf der Tagesordnung des Buchener Gemeinderats. Damals wurde der Tagesordnungspunkt kurzfristig abgesetzt mit der Begründung, dass es noch Gesprächsbedarf in den Fraktionen gibt. Seitdem tauchte das Thema nicht mehr auf der Tagesordnung der öffentlichen Gemeinderatssitzungen auf. Die FN fragten bei der Stadtverwaltung nach dem Sachstand. Antworten lieferte Fachbereichsleiterin Simone Schölch.

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Wann steht das Thema „Marienhöhe“ wieder auf der Tagesordnung? Was hat sich seit November getan?

Simone Schölch: Die Zwischenzeit wurde genutzt, um mit einzelnen Stadträten beziehungsweise mit den Sprechern der Fraktionen Verbesserungsvorschläge zu erörtern. Der Entwurf der Vergaberichtlinien soll voraussichtlich in der Gemeinderatssitzung am 22. März zunächst öffentlich beraten und dann beschlossen werden. In diesem Rahmen wird auch über die erwähnten ergänzenden Vorschläge der Fraktionen beraten.

Gab es von den vielen Interessenten für die „Marienhöhe“ Nachfragen dazu, warum die Vergabekriterien noch nicht festgelegt wurden? Diese wünschen sich bestimmt Planungssicherheit.

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Schölch: Nein, eher nicht. Die Kommunikation auf der Internetplattform ging in die Richtung, dass Rückmeldungen von Seiten der Stadt dann erfolgen, wenn der nächste Schritt ansteht. Ohnehin war von Anfang an kommuniziert, dass erste Teile der Marienhöhe frühestens Ende 2021, Anfang 2022 bebaubar sein werden.

Mitte Dezember wurden die Bauplatzbewerber in einem Schreiben aufgefordert, sich online unter www.baupilot.com zu registrieren. Warum wurde dieser Schritt gewählt, welche Vorteile ergeben sich daraus für die Stadtverwaltung?

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Schölch: Die Liste wurde bisher auf „Zuruf“ geführt, aufgrund von Telefonaten, persönlichen Vorsprachen, Briefen oder Mails. Das kann zu Fehlern führen, vor allem, wenn die Liste über Jahre fortgeschrieben wird. Außerdem wird eine derartige Liste aus Datenschutzgründen kritisch gesehen. Dank Online-Registrierung wurde quasi alles auf Null gesetzt.

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Durch die Registrierung konnten auch die Bewerber ausgefiltert werden, bei denen das Interesse nie ernsthaft da war, beziehungsweise sich durch eine Änderung der Lebensumstände oder Ähnliches erledigt hat. Jetzt ist allen Bewerbern klar, dass jegliche Kommunikation nur über diese Plattform läuft. Keiner läuft Gefahr, Infos zu verpassen oder „vergessen“ zu werden. Und auch die Verwaltungsmitarbeiter haben alle Infos der Bewerber gebündelt zur Verfügung. Das vereinfacht den Umgang und minimiert Fehlerquellen bei der großen Anzahl von Bewerbungen.

Wie viele Interessenten sind noch übrig geblieben? Woher kommen die Bewerber? Eher aus Buchen und der Umgebung oder aus Ballungsgebieten wie Mannheim oder Heidelberg?

Schölch: 214 Bewerbungen gibt es aktuell. Auf der „alten“ Liste waren es rund 300. Die Bewerber kommen zum Großteil aus Buchen, es liegen aber auch Meldungen von Altheim bis Berlin vor. Freilich wird auch da in den meisten Fällen ein Bezug zu Buchen bestehen.

Hat sich die Stadtverwaltung auch bei anderen Städten und Gemeinden, welche Bauplätze nach dem „Ulmer Vergabemodell“ vergeben haben, umgehört? Wenn ja, wo genau?

Schölch: Kontakte gab es zu Bad Rappenau. Aber der Austausch mit den Machern der Baupilot-Plattform war am intensivsten. Dafür entschieden haben wir uns nicht zuletzt deshalb, weil diese moderne Variante der Bauplatzvergabe im Vorfeld sowohl vom Städte- als auch vom Gemeindetag empfohlen worden ist.

Wie sieht nun der weitere Zeitplan aus? Schließlich muss irgendwann auch mit den Bauarbeiten gestartet werden und die Interessenten möchten sicherlich wissen, wie und ob es für sie auf der „Marienhöhe“ weitergeht.

Schölch: Nach dem Beschluss der Vergaberichtlinien im Gemeinderat werden im derzeit laufenden gesetzlichen Umlegungsverfahren die einzelnen Baugrundstücke aus den landwirtschaftlichen Flächen neu gebildet. Erst dann kann gemäß der gültigen Richtlinien an die Verteilung gegangen werden. Danach wird mit der Erschließung des Baugebiets begonnen.

Im Wohngebiet „Marienhöhe“ sollen circa 160 Bauplätze entstehen. Muss die Stadt die „verlorengehende“ landwirtschaftliche Fläche anderweitig „ersetzen“? Mit Blick auf den Naturschutz?

Schölch: Der naturschutzrechtlich erforderliche Ausgleich wird gemäß der gültigen Vorschriften geschaffen, zum Teil im Baugebiet selber durch eine ökologischen Aufwertung, zum Beispiel durch die Bepflanzung von Flächen. Die Marienhöhe soll ein „grünes“ Wohngebiet geben, nicht alle Flächen werden zur Bebauung zur Verfügung stehen. Wichtig ist auch die Anmerkung, dass tatsächlich rund 160 Bauplätze entstehen. Aber nur 104 kommen tatsächlich zur Verteilung.

Was bedeutet das?

Schölch: Für die restlichen Plätze bestehen Verpflichtungen gegenüber den ursprünglichen Besitzern der Flächen im Rahmen der Baulandumlegung. Mit anderen Worten: Die früheren Besitzer haben je nach Größe der abgegebenen Fläche einen Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Bauplätzen, die von der Gesamtzahl in Abzug gebracht werden muss.

Wie kann man den Wünschen der Bauwilligen dennoch entsprechen?

Schölch: Um der Nachfrage gerecht werden zu können, soll eine erst für einen späteren Bauabschnitt geplante Reihenhausbebauung zwischen dem Bahndamm und dem Feldweg nach Hainstadt – der „Amorbacher Hohl“ – vorgezogen werden. Wir denken, dass auch ein Reihenhaus für den einen oder anderen Bewerber eine interessante und vor allem kostengünstige Alternative sein kann. Zumal diese Art der Bebauung auch ökologisch sinnvoll ist, weil dabei weniger Fläche verbraucht wird. Reihenhäuser werden üblicherweise von einem Bauträger gebaut und dann an Interessenten verkauft.

Über die genaue Vorgehensweise muss dann noch entschieden werden.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

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