Benefizkonzert in der Stadtkirche St. Oswald - Heeresmusikkorps Veitshöchheim überzeugte / Glanzvoller Sopran von Anja Stegmann Musikalische Glanzpunkte gesetzt

Von 
Matthew Harris
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Das Heeresmusikkorps Veitshöchheim und die Sopranistin Anja Stegmann sorgten in Buchen für musikalische Glanzpunkte. © Anatoli Brishatjuk

Zum krönenden Abschluss des Jubiläumsjahres „125 Jahre Stadtkapelle Buchen“ gaben sich das Heeresmusikkorps Veitshöchheim und die vielversprechende Sopranistin Anja Stegmann die Ehre.

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Buchen. Kurz vor dem Benefizkonzert in der Stadtkirche St. Oswald waren alle Sitzbankreihen und die Emporen besetzt und der große Andrang von etwa 600 Konzertbesuchern machte die Veranstaltung in mehrfacher Hinsicht zu einem unvergesslichen Abend. Denn, ob karitativ, geistlich, oder musikalisch, das eigens für den Anlass und die Kirche ausgesuchte Programm erfüllte alle Erwartungen. Mit ihrer besonders starken, nuancierten und klar geführten Stimme überzeugte die Sopranistin Anja Stegmann vollends.

Gleich zu Beginn imponierte das fränkische Militärorchester mit „Domine ad adiuvandum me festina“ („Eile, Herr, mir zu helfen“) von Monteverdi aus 1610, das Elemente aus der Oper „Orfeo“ enthielt und imposant und majestätisch erstrahlte. Unüberhörbar das große Können der Musizierenden, die alle eine erstklassige Ausbildung zum professionellen Militärmusiker absolviert haben.

Weltweit unterwegs

Seit 2015 unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle, ist das Militärkorps schon seit 56 Jahren für die Truppe weltweit unterwegs, auch bei der Gestaltung von militärischen Zeremoniellen wie Appellen und dem Großen Zapfenstreich. Das weitgefächerte Programm des Benefizkonzertes, aufgeführt von einem Militärorchester in solcher Qualität, war für alle Zuschauer ein großer Genuss. Größter Beliebtheit erfreuen sich die Benefizkonzerte des Heeresmusikkorps Veitshöchheim. Mit informativ und lockerer Moderation eines der Musiker konnten die Zuschauer die Hintergründe der einzelnen Stücke erfahren. Mit perfektem Ensemblegefühl quer über alle Lagen, von tiefsten Tubabässen bis zu höchsten Holzbläsern und spitzen Trompetentönen meisterte das Ensemble alle Klippen und Schnellen bravourös.

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Im Beisein von Bürgermeister Roland Burger und Alt-Bürgermeister Josef Frank, richtete Landrat Dr. Achim Brötel ein Grußwort an das Publikum und bedankte sich für die Bereitstellung der Kirche bei Dekan Johannes Balbach. Durch das besondere Programm, das Spitzenensemble sowie die Wahl der Stadtkirche St. Oswald als Veranstaltungsort mit hervorragender Akustik waren die Weichen gestellt für ein Benefizkonzert, das lange in Erinnerung bleiben wird. Besondere Betonung legte Landrat Brötel auf den Zweck des Konzertes. Es wurde um eine Spende für das Projekt „Mobile Retter“ gebeten, das im Neckar-Odenwald-Kreis für die Notfallrettung insbesondere bei Herz-Kreislauf-Stillstand im Rahmen eines landesweiten Pilotprojekts entwickelt wurde.

Souveränes Dirigat

Unter dem äußert souveränen Dirigat von Roland Kahle bewiesen die Musiker ein sicheres Gespür für Repertoire aus allen Epochen. Bei dem im Stile von Edward Elgar komponierten „Ceremonial March“ sowie „Canterbury Chorale“ würdigt Jan van der Roost den großen englischen Komponisten sowie den Sitz der anglikanischen Kirche, wobei die Holzbläser im Choral mit besonders elegischem Klangkolorit überzeugten.

Visitenkarte der ersten Klasse

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Von der Klarinette, Flöte und Oboe über Fagott, Saxophon und alle Blechbläser sowie Perkussionsinstrumene und „Rhythm Combo“ bestehend aus Klavier, Schlagzeug und (E-Kontra)bass hinterließ das Musikkorps eine Visitenkarte der ersten Klasse. Denn nach wenigen Minuten waren die Zuschauer schon in den Bann dieses besonderen Blasorchesters gezogen.

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Mit ihrem ersten Solo sang Anja Stegmann mit viel Pathos das bewegende Klagelied „Lascia ch’io pianga“ (Lass mich beweinen) von Georg Friedrich Händel und füllte den Kirchenraum mit ihrem sicheren und glasklaren Gesang.

Weitere Musik von Händel bot das Orchester im Anschluss mit mehreren Tanzsätzen der „Wassermusik“ mit viel Flair und zeremonieller Geste. Dabei trat der Saxophon-Solist mit dem Air, einem schönen Tanzsatz, besonders hervor. Ursprünglich für König Georg I. auf der Themse aufgeführt, schloss die Musik mit fulminanten Spitzentönen der Trompeten ab.

Beeindruckend und ergreifend

Gleich im romantischen Repertoire zuhause, sang Anja Stegmann den zweiten „Urlicht“-Satz der 4. Sinfonie von Gustav Mahler beeindruckend und ergreifend: „Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben, wird leuchten mir bis in das ewig’ selig’ Leben“. Die Solistin gab später im Programm eine bewegende Darbietung von „Gabriellas Sång“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“, die nachdenklich stimmte, denn das Problem häuslicher Gewalt vorwiegend gegen Frauen wurde in dem Lied thematisiert. Nach einem der schönsten Kirchengesänge der anglikanischen Kirche, „Sine Nomine“ von Vaughan-Williams, wechselte das Programm zu Werken aus Film und Musical. Dabei erklangen Auszüge aus „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ von Andrew Lloyd-Weber, das sich bis zu Bebop und Swing mit Bongotrommeln und Schlagzeug erstreckte.

Somit war der Weg frei für Weihnachtliches und Geistliches, denn nach einer Bearbeitung von „Adeste Fideles“ (Herbei, o ihr Gläub’gen) mit Anja Stegmann, konnte als Zugabe mit dem Leonard-Cohen-Lied „Halleluja“ die Sopranistin die Zuschauer mit ihrem warmen Stimm–timbre aufs Neue verwöhnen. In einer zweiten Zugabe erklang „Dona Nobis Pacem“ aus der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, wieder mit Diskantstimme der gefragten Solistin aus Seligenstadt am Main, die damit einen gelungenen Abend würdig abschloss.