Stadtgeschichte - Albert Lester, Sohn der verstorbenen Buchener Dichterin Susanne Levi, überlässt rund 90 Gedichte dem Stadtarchiv Buchen Levi-Gedichte finden Weg zurück

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Nicola Beier
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Walter Jaegle (Mitte) überreicht Bürgermeister Roland Burger (links) die gesammelten Gedichte von Susanne Levi. Mit dabei war auch Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler. © Nicola Beier

In das Stadtarchiv von Buchen zurückgekehrtsind am Freitag rund 90 Gedichte von Susanne Levi, einer Buchenerin jüdischen Glaubens. Übergeben wurden die Werke durch Walter Jaegle.

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Buchen. „Sie war eine Frau, die immer wieder zur Feder gegriffen hat“, beschreibt Bürgermeister Roland Burger Susanne Levi, die Verfasserin von knapp 100 Gedichten, welche in Buchener Mundart, aber auch in Hochdeutsch und Englisch geschrieben wurden. Die gebürtige Buchenerin Susanne Wolf ist mit dem jüdischen Glauben aufgewachsen und führte gemeinsam mit ihrem Mann Herbert Levi seit 1922 das Leder- und Textilwarengeschäft Abraham Wolf in der Buchener Marktstraße. 1939 ging das Ehepaar mit seinen Kindern Hella und Albrecht angesichts der Judenverfolgung nach Süd-Rhodesien, dem heutigen Simbabwe in Afrika.

Lester lebt mittlerweile in London

Die gesammelten Gedichte von heimat- und kulturgeschichtlichem Wert wurden am Freitag von Walter Jaegle, einem Schulfreund von Albrecht Levi, überreicht. Levi änderte seinen Namen später in Albert Lester, da der offensichtlich jüdische Name für seine Geschäftsbeziehungen hinderlich war.

Jaegle und Lester pflegen bis heute engen Kontakt. Zuerst per Brief und Mail, nun „fast täglich“ per Telefon, erklärte Jaegle. 2013 besuchte er seinen Schulfreund sogar in London. Dort lebt Lester mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen. Er ist ein anerkannter Architekt.

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Immer wieder erhielt Jaegle Kopien der Gedichte von Susanne Levi, die der Sohn über die Jahre aufbewahrt hatte. Eines Tages sprach Jaegle Lester dann an: „Die Gedichte sind in England eigentlich falsch.“ Da sie großteils im Buchener Dialekt beziehungsweise auf Hochdeutsch verfasst sind, seine Kinder jedoch kein Deutsch sprechen, hätte die restliche Familie nichts von den Werken der Mutter. Daher entschied sich Lester in Absprache mit einem seiner Söhne schließlich dafür, die Originale dem Stadtarchiv Buchen zu überlassen. Daher schickte er sie an seinen Freund Jaegle, der sich glücklich zeigte, dass „Albert und sein Sohn das zugelassen haben“.

Im Archiv sind bereits Kopien einiger Werke von Levi aufbewahrt. Für die Gedichte bedankten sich Bürgermeister Burger und Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler dennoch. „Wir freuen uns über das Originalmaterial“, so das Stadtoberhaupt. Insgesamt rund 90 Gedichte, welche zwischen 1897 und 1985 von Levi verfasst wurden, finden so den Weg zurück in die Heimatstadt der Dichterin.

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Für die Übergabe hatte Walter Jaegle ein Werk herausgesucht, welches er in der kleinen Runde vorlas. Da die Kinder demnächst wieder in die Schule dürften, passe es in die aktuelle Zeit, erklärte er. Das Werk „A B C-Schütze!“ von Levi handelt von den Kindern, die sich am ersten Schultag nicht recht trauen, in die Schule zu gehen. Es wurde 1930 im Buchener Dialekt geschrieben, an die Landeszeitung zur Veröffentlichung geschickt und befindet sich ebenfalls in der Sammlung.

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Burger will die zusammengetragenen Gedichte nun nach und nach im „Wartturm“, der Zeitschrift des Verein Bezirksmuseum Buchen, veröffentlichen, denn „was gedruckt ist, geht nicht mehr verloren“. Ebenfalls werde über eine Fortführung der Lebensgeschichte von Albert Lester nachgedacht, die dann im Wartturm erscheinen könnte. Seine Kindheit bis zum Kindertransport nach England wurde dort bereits abgedruckt.

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