Homeschooling Klassenzimmerwechsel per Mausklick

Von 
Maren Greß
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Vielfältig sind die Funktionen der Plattform Microsoft Teams: Neben Videokonferenzen können auch Präsentationen gehalten und Gruppenarbeiten gemacht werden. Deshalb greifen viele Schulen, so auch die Helene-Weber-Schule in Buchen, auf dieses Programm für den Online-Unterricht zurück. © Nicola Beier

Buchen. Nicht alles in diesen Zeiten ist schlecht: Während viele Schulen zum Schulbeginn in der vergangenen Woche über zusammengebrochene Server und nicht funktionierende Online-Tools klagten, läuft es an der Buchener Helene-Weber-Schule bisher rund. Wie Annegret Weber, Abteilungsleiterin des Berufskollegs, im Gespräch mit den FN verrät: „Wir wollten vorbereitet sein, wenn der Tag der erneuten Schulschließung kommt, und haben deshalb die Schüler und Lehrer seit den Sommerferien darin geschult.“

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Im ersten Lockdown hätten die Kollegen unterschiedliche Plattformen genutzt, das wäre sowohl für Schüler als auch Lehrer schwierig gewesen. Deswegen habe man sich auf Microsoft Teams geeinigt. „Ich bin jetzt schon lange Lehrerin, aber ich bin wirklich überrascht, was man da alles machen kann. Die Möglichkeiten sind sehr gut“, gerät Weber ins Schwärmen. Bewusst habe man sich an der HWS gegen den Präsenzunterricht bei den Abschlussklassen entschieden. „Wir wollen unsere Schüler und Lehrer schützen“, so die Pädagogin.

Einige Schüler müssen zu ausgewählten Zeiten trotzdem in die Schule kommen. Denn: Es dürfen im Fernlernunterricht keine Klausuren geschrieben werden. Für Schüler, die Klausuren schreiben wollen, beispielsweise um sich zu verbessern, gibt es Termine am Nachmittag – offline in der St.-Rochus-Straße.
Der Fernlernunterricht läuft für die Jugendlichen nach Stundenplan. „Bei Microsoft Teams gibt es einen Kalender, dort trägt der Lehrer die Stunde ein, und die Schüler müssen nur noch auf ,Teilnehmen’ klicken. Der komplette Stundenplan ist somit digital“, erklärt Weber.

Für die Schüler sei das ziemlich einfach: Statt wie im Präsenzunterricht ständig den Klassenraum wechseln zu müssen, funktioniere das nun ganz einfach per Mausklick. Jedoch erfordere die Situation von den Schülern mehr Engagement als üblich, was die Pädagogin durchaus positiv findet.

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Auch praktischer Unterricht ist in Zeiten des Fernlernens möglich. „Im Fach Ernährungslehre hat eine Kollegin den Schülern das Rezept für die Pfannkuchen vorab geschickt, und jeder Schüler hat eingekauft, und es zuhause für sich zubereitet. Im Anschluss haben sie es der Lehrerin präsentiert“, berichtet Annegret Weber.

Dr. Sabine Hemberger unterrichtet Englisch und Deutsch an der Helene-Weber-Schule und ist durchweg zufrieden mit dem Homeschooling. „An der HWS läuft der Fernlernunterricht im Großen und Ganzen wirklich gut. Natürlich kommt es auch bei uns vor, dass es kurzzeitige Schwierigkeiten mit der Internetverbindung oder Microsoft Teams gibt. Allerdings waren und werden diese meistens auch schnell wieder gelöst.“

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Grund dafür sei, dass man sich als Schule gut auf die zweite Welle vorbereitet habe: Schüler ohne geeignetes Endgerät wurden von der Schule beispielsweise mit Tablets ausgestattet – rund 40 bis 50 Stück habe man laut Annegret Weber ausgeteilt. „Außerdem wurden alle Klassen sowie auch Lehrer im Umgang mit Microsoft Teams geschult. Im Unterricht ist es beispielsweise allen möglich, Dateien und Präsentationen zu teilen oder aber auch in Gruppen an einem Thema zu arbeiten. Und sollte es dann dennoch zu Problemen kommen, gibt es für alle Beteiligten einen Ansprechpartner, der weiterhelfen kann“, sagt Hemberger.

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Die Pädagogin fügt an: „Ich habe das Gefühl, dass der Großteil unserer Schüler gut mit dem Online-Unterricht zurechtkommt. Bisher habe ich in meinen Klassen und Kursen auch nur positive und keine negativen Rückmeldungen bekommen. Viele meiner Schüler sind sogar froh im Online-Unterricht zu sein, weil sie Angst haben, sich in der Schule anzustecken.“

„Gerade schüchterne Schüler scheinen plötzlich einen sicheren Raum für sich zu entdecken und beteiligen sich häufiger in einer Online-Unterrichtsstunde als in Präsenz“, nennt Lehrerin Kira Münkel einen weiteren Vorteil des Fernlernens.
Zufrieden sind auch die Schüler der HWS mit dieser besonderen Situation. „Im Hinblick auf den Lockdown im Frühjahr hat sich viel verbessert. Wir haben jetzt nach Stundenplan wirklich in jedem Fach mit den Lehrern Online-Konferenzen. Die meisten Lehrer machen das auch richtig gut, dass es fast so ist wie im Präsenzunterricht“, sagt Abiturientin Lena Grohs.

Positiv findet die 19-Jährige zudem, dass die Klausuren jetzt freiwillig geschrieben werden können: „Man kann sich verbessern, wenn man möchte, oder sich aber auf die Wiederholungen für das Abitur konzentrieren.“

Tim Graner macht dieses Schuljahr am Berufskolleg seinen Abschluss. Trotz Fernlernunterricht fühlt sich der 19-Jährige gut vorbereitet: „Es wurde das Beste aus der Situation gemacht.“
Schülerin Samira Dörr hat bereits eine Präsentation online gehalten, wie sie erzählt: „Ich habe einfach meinen Bildschirm geteilt, mich gezeigt und dann präsentiert. Es war zwar komisch, in den PC zu sprechen und niemanden zu sehen, aber technisch hat alles gut funktioniert.“ Auch Gruppenarbeiten kann man über die Online-Plattformen machen. „Entweder wir erstellen selber eine Besprechung und gründen eine eigene Gruppe, oder wir werden in Gruppen zugeteilt und automatisch weitergeleitet“, sagt Dörr. Gemeinsam könne man dann in ein Word-Dokument schreiben und jeder könne etwas dazu beitragen. Im Anschluss können die Aufgaben mit den Mitschülern verglichen werden.

Sie zieht ein positives Resümee aus den ersten Schultagen: „Das Homeschooling ist gut gestaltet und es läuft, aber man kann es auf keinen Fall mit normalem Unterricht vergleichen.“

Für Veronika Gabriel, die das Berufskolleg besucht, spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle: „Ich wohne in Weilbach und muss sonst jeden Morgen um halb sechs aufstehen, um den Zug um sieben Uhr zu bekommen. Jetzt kann ich länger schlafen.“

Ihre Klassenkameradin Ashley Algier findet den Online-Unterricht anstrengender: „Man sitzt den ganzen Tag vor dem PC. Manchmal tun mir dann die Augen oder der Kopf weh.“ Technisch funktioniere jedoch alles sehr gut. Abschließend hat die 16-Jährige einen Verbesserungsvorschlag: „Ich fände es sinnvoll, wenn es verpflichtend wäre, die Kamera einzuschalten. Dann wären mehr Schüler bei der Sache.“
 

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