Fastnachtssonntag - „Huddelbätze“ und Müller dominieren Corona-konform das Straßenbild / Polizei verzeichnet ruhigen Einsatz Kaum Teilnehmer bei Protest-Flashmob in der Innenstadt

Von 
Ralf Scherer und Sabine Braun
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Von Polizeibeamten beobachtet, versammelten sich Teilnehmer eines Protest-Flashmobs und Fastnachter an der Kreuzung vor der Mariensäule. © Ralf Scherer

Buchen. Der „Kerl wach uff“ ertönt lautstark in der Innenstadt. „Huddelbätze“ und Müller hüpfen gut gelaunt durch die Marktstraße. Maskierte Achierer nehmen auf Pappschildern das Ortsgeschehen auf die Schippe. Für einige Momente ist am Fastnachtssonntag alles wie immer.

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Allerdings nur auf den ersten Blick. Bei den Fastnachtern handelt es sich um Spaziergänger, die – wie sie selbst sagen – zufällig verkleidet unterwegs sind. Der traditionelle Gänschmarsch mit in normalen Zeiten Hunderten Teilnehmern und Zuschauern darf Corona-bedingt nicht stattfinden. Trotzdem zieht es gegen 14 Uhr gut 100 Narren auf die Straßen Buchens.

Offenbar nicht nur wegen des Bilderbuchwetters und der Sehnsucht nach ein wenig Normalität. Offiziell bestätigen will das niemand. Aber es scheint, als wollen die „Huddelbätze“ die Aufmerksamkeit nicht jenen überlassen, die am Donnerstag kurzfristig einen Protest-Flashmob in der Innenstadt als Alternative zum Gänschmarsch angekündigt hatten. Unter dem Motto „Kerl mach uff – Ein Zeichen gegen den Lockdown-Wahnsinn“ soll, so der Aufruf, gegen die Corona-Maßnahmen protestiert werden, weiß gekleidet und mit Plakaten. Für einen wahren Fastnachter dürfte das einem Affront gleichkommen.

Um 14.11 Uhr soll der „Umzug“ am Café Wittemann starten und über den Museumshof zum Rathaus führen. Ein Streifenwagen und ein Zivilfahrzeug der Polizei postieren sich pünktlich zum angekündigten „Umzugsbeginn“ in der Hofstraße. Ein weiterer Streifenwagen kreist in der Innenstadt.

Aufruf in sozialen Medien

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Von weiß gekleideten Protestierern ist weit und breit nichts zu sehen. Ungefähr zehn Personen lassen sich dem Flashmob zurechnen. Sie stehen locker beisammen. Auch die Organisatorin der Veranstaltung ist unter ihnen. Mit ihrem Aufruf in sozialen Medien hat sie im Vorfeld eine hitzige Debatte ausgelöst. Regelrecht beschaulich geht es dagegen am Sonntag zu. Einer der Beteiligten versucht, interessierten Passanten Zettel zuzustecken. Die Aktion wirkt unkoordiniert. Worum es den Teilnehmern konkret geht, bleibt unklar. Wenig später laufen sie in Richtung Innenstadt.

Deutlich zahlreicher sind dort bereits „Huddelbätze“ und Müller vertreten. Corona-konform mit Mundschutz und genügend Abstand hüpft eine Gruppe durch die Marktstraße. Gemeinsam singen die Narren „Kerl wach uff“, schunkeln auf den Treppenstufen des Alten Rathauses und ziehen schließlich in verschiedene Richtungen davon.

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Manche von ihnen sind wenig später wieder an der Kreuzung an der Mariensäule anzutreffen. Dort steht auch das Grüppchen der Flashmob-Teilnehmer. Beobachtet von Polizeibeamten, die alles in allem einen ruhigen Einsatz erleben. Für sie steht zu diesem Zeitpunkt die Überwachung der Corona-Regeln im Vordergrund. Einzelne Personen werden kontrolliert. Wie viele an der Protestveranstaltung teilgenommen haben, können auch die Polizeibeamten nicht genau sagen. Zu diffus ist das Geschehen. Optisch zu gering ist der Unterschied zwischen weiß gekleideten Müllern und vermeintlichen Protest-Teilnehmern. Gegen 15 Uhr macht sich Bürgermeister Roland Burger ein Bild der Lage. Bei den Polizeibeamten erkundigt er sich nach dem bisherigen Verlauf und dankt ihnen für ihren Einsatz.

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Am Donnerstag habe eine Person bei der Stadtverwaltung angerufen, um die Veranstaltung anzumelden, hatte Burger bereits am Freitagabend im Video-„Zukunftsforum“ der CDU berichtet. Man habe auf das zuständige Landratsamt verwiesen. „Diese Aktion ist weder mit dem Ordnungsamt der Stadt abgestimmt noch vom Landratsamt genehmigt. Gegenteilige Behauptungen sind schlicht falsch“, ergänzte Landrat Dr. Achim Brötel ebenfalls im Rahmen dieses Forums.

Das Landratsamt hatte bereits am Freitag darauf verwiesen, dass der Flashmob eine nicht, beziehungsweise nicht fristgerecht angemeldete Versammlung sei. „Nicht angemeldete Versammlungen können gemäß Versammlungsgesetz aufgelöst werden“, hieß es in der Mitteilung. Die Kreispolizeibehörde warnte deshalb in Abstimmung mit der Polizei vor der Teilnahme an dieser Versammlung.

Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.

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