Bürgerbeteiligung gestartet - 69 Teilnehmer beim Auftaktdialog von „Ländlicher Raum für Zukunft“ / Buchen eine von sechs Pilotkommunen in Baden-Württemberg Ideen für die Zukunft der Stadt gesammelt

Von 
Marcel Sowa
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Als eine von sechs Pilotkommunen macht die Stadt Buchen bei „Ländlicher Raum für Zukunft“ mit. Am Donnerstag ging die Bürgerbeteiligung mit einer Videokonferenz und eifrigen Diskussionen los.

Die 69 Teilnehmer erarbeiteten in Gruppen Ideen und Lösungsansätze zu unterschiedlichen Themen. An vier Terminen wird es im Februar und März Workshops geben, ehe am 18. März die Abschlusspräsentationen folgen. © Leonie König
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Buchen. Wie kann Buchen lebens- und liebenswert bleiben? Was läuft gut, was nicht? Welche Projekte braucht die Stadt, und was ist mit den Ortsteilen? Diese und viele weitere Fragen stellten sich am Donnerstagabend 69 Teilnehmer bei der Auftaktveranstaltung von „Ländlicher Raum für Zukunft“.

„Nicht alles gelingt“

Für Roland Burger war der Auftakt zur Bürgerbeteiligung am Donnerstagabend nichts Neues, wie er im Interview verrät.

Das Projekt ist nicht das erste Bürgerbeteiligungsprojekt in Buchen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Roland Burger: Moderierte Bürgerbeteiligung bietet die Stadt seit vielen Jahren regelmäßig an, weil es uns wichtig ist, die kommunale Arbeit des Gemeinderats und der Verwaltung auf eine breite Grundlage zu stellen. Aus diesen Beteiligungsformaten wurden immer wieder konkrete und wichtige Entwicklungsimpulse bezogen: das Mehrgenerationenhaus zum Beispiel, das Kinomobil oder der Newsletter der Stadt. Nicht alles gelingt. Die Sprechstunde der jungen Stadträte, die ebenfalls gefordert und dann auch eingerichtet wurde, ist ein Beispiel dafür, dass manches dann doch nicht nachgefragt wird: Die ist sang- und klanglos wieder eingeschlafen. Gleichwohl ist die Bürgerbeteiligung unter dem Strich eine sehr gute Sache, weil damit das Ohr direkt an die Bevölkerung gelegt wird.

Klar ist: Eine Bürgerbeteiligung ist kein „Wunschkonzert“, das von der Verwaltung dann eins zu eins realisiert werden kann. Der Gemeinderat muss Ideen und Projekte letztlich priorisieren und natürlich muss die Stadt die Umsetzung auch finanziell stemmen können. Nicht jeder Vorschlag kostet viel Geld. Oft reicht auch die Bereitschaft weniger aus, sich einzusetzen.

Was erhoffen Sie sich dieses Mal?

Burger: Das, was ich in Teilen bereits gesagt habe: Impulse für die Weiterentwicklung unserer Stadt. Denn „fertig“ sind wir nie.

Gab es für Sie bei den Ergebnissen der Gruppen Überraschungen?

Burger: Überraschend und erfreulich war, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gemeldet haben. Und wie eifrig Ideen gesammelt wurden. Dieser Eifer hat selbst das externe Moderatorenteam überrascht. Was dann an einzelnen Themen herausgefiltert wird – da würde ich gerne die angekündigten Workshops abwarten, die sicher ein bisschen mehr in die Tiefe gehen. ms

Schon zu Beginn der Videokonferenz wurde deutlich, dass eine große Vielfalt an Themen besprochen wird. Vertreter von Kirchen, Schulen und Wirtschaft, Gemeinderäte, Mitglieder der Stadtverwaltung zusammen mit Bürgermeister Roland Burger sowie viele Bürger unterschiedlichster Altersklassen bildeten das Teilnehmerfeld. Und so überraschte es nicht, dass einige Ideen gesammelt und diskutiert wurden.

Vier Themenfelder

Zunächst chatteten die Teilnehmer zu den vier Themenfeldern „Zukunft der Stadtteile, Infrastruktur“, „Jung und Alt/Kultur und Soziales“, „Digitalisierung“ und „Nachhaltigkeit“, was ihnen für Buchen wichtig ist. Danach konnte sich jeder für einen Themenschwerpunkt entscheiden und in einem eigenen Gruppenraum im Rahmen der Videokonferenz weiterarbeiten. Nun galt es unter anderem den Ist-Zustand festzuhalten, welche Ideen für eine Verbesserung sorgen könnten und ob fachlicher Input hilfreich wäre.

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Eigentlich waren für die Gruppenarbeiten 20 Minuten vorgesehen, doch aufgrund des großen Eifers und kleinerer technischer Probleme – die einzigen im Verlauf des Abends – wurden zehn Minuten zusätzlich gewährt. Heraus kamen viele interessante Gedanken und Lösungsansätze, welche von den einzelnen Gruppen zum Abschluss präsentiert wurden.

Unter dem Themenschwerpunkt „Zukunft der Stadtteile/Infrastruktur“ schlug ein Teilnehmer vor: „Da der ÖPNV in den Stadtteilen oft sehr schlecht ist: Wie wäre es für ältere Generationen beziehungsweise diejenigen, die nicht mobil sind, mit ein bis zwei Taxischeinen pro Monat.“ Angesprochen wurde auch das Radwegekonzept zur Verbindung der Stadtteile, welches der Gemeinderat im Oktober des vergangenen Jahres in Auftrag gab. Die Ergebnisse dazu sollen im Frühjahr vorliegen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Ein Teilnehmer brachte einen mobilen Wochenmarkt ins Spiel, ein anderer fragte „Buchen als Hochschulstandort in der Zukunft?“. Immer wieder fiel auch der Wunsch nach einer besseren Vernetzung zwischen Stadt und Stadtteilen.

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Bei „Jung und Alt/Kultur und Soziales“ wurden generationenübergreifende Wohnprojekte, eine Wohnraumbörse und eine verstärkte Jugendbeteiligung genannt. „Wie können Hürden für Wohneigentümer/Vermieter abgebaut werden, damit Leerstände beseitigt werden“, war unter anderem zu lesen. Als weitere Ideen wurden unter anderem ein Jugendgemeinderat sowie ein Integrations- und Migrationsrat, eine Tauschbörse nach dem Motto „Leistung für Leistung“ (zum Beispiel Fensterputzen gegen Hose nähen) und räumliche Möglichkeiten für junge Künstler genannt.

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Mit dem Themenschwerpunkt „Digitalisierung“ befasste sich eine weitere Gruppe, welche unter anderem ein digitales Kinderrathaus zur Einbindung von Kindern in die Arbeit der Stadt oder Online-Fahrpläne vorschlug.

Im Sinne einer besseren „Nachhaltigkeit“ wurden unter anderem vorgeschlagen, regionale Produkte wie Holz zu nutzen, für junge StartUp-Fimen attraktiver zu werden und ein bewusstes Konsumverhalten zu schaffen.

Der weitere Fahrplan

Nach dem Auftaktdialog wird es am 2. Februar einen Erfahrungsaustausch der Pilotkommunen, zu denen unter anderem Mosbach gehört, geben. In einem zweiten Schritt sind am 9., 18. und 24. Februar sowie am 11. März Workshops zu den Schwerpunktthemen geplant. Die Abschlusspräsentationen erfolgen am 18. März. Danach soll es in Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Stadtverwaltung in die Umsetzung einzelner Projekte gehen. Eventuell können auch Fördermittel beantragt werden. Als eine von sechs Pilotkommunen in Baden-Württemberg wurde die Stadt Buchen im Sommer ausgewählt. Auch Mosbach macht bei „Ländlicher Raum für Zukunft“ mit. Hinter dem Projekt, das vom „Bündnis Ländlicher Raum“ ausgeschrieben wurde, steht ein Zusammenschluss von 16 Verbänden Baden-Württembergs: aus der Wirtschaft, dem Handwerk, Kirchen- und Sozialverbänden sowie den Kommunen im Land.

Die Videokonferenz am Donnerstagabend bot übrigens auch einen kleinen Vorgeschmack auf den kommenden Montag: Erstmals führt die Stadt Buchen eine digitale Gemeinderatssitzung durch. Für die Öffentlichkeit erfolgt ab 19 Uhr eine Videoübertragung im Foyer des Rathauses.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen