Coronavirus - Landkreis nun offiziell als Hotspot eingestuft worden / Allgemeinverfügung mit Maßnahmen gilt ab diesem Mittwoch / Neun neue Fälle am Dienstag „Haben wir alle für kaum möglich gehalten“

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Neckar-Odenwald-Kreis. Das Landesgesundheitsamt hat am Montagabend offiziell bestätigt, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz im Neckar-Odenwald-Kreis erstmals die Warnstufe von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner überschritten hat. „Es ist nun eingetreten, was wir alle noch vor einigen Wochen kaum für möglich gehalten haben: Wir zählen offiziell zu den Risikogebieten. Vor diesem Hintergrund kommen wir nicht umhin, im Wege einer Allgemeinverfügung weitere Einschränkungen anzuordnen, um damit dem schnellen Anstieg der Infektionsrate hoffentlich Einhalt gebieten zu können“, erklärte Landrat Dr. Achim Brötel am Dienstag.

(Symbolbild)​ © picture alliance/dpa
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Die wesentlichen Regelungen, die aufgrund der Allgemeinverfügung ab Mittwoch im ganzen Kreisgebiet gelten, im Überblick:

Maskenpflicht: Eine Maskenpflicht besteht auch im Freien überall dort, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern voraussichtlich nicht eingehalten werden kann, insbesondere in Fußgängerzonen, auf Märkten, als Zuschauer auf dem Sportplatz, an allen Bussteigen und Bushalte-stellen (jeweils zehn Meter um das Haltestellenschild herum) und zusätzlich noch in allen sonstigen Bereichen, in denen es vor Ort speziell angeordnet worden ist.

Privat: Im öffentlichen und im privaten Raum dürfen maximal noch zehn Personen zu Ansammlungen, Treffen, Feiern oder anderen privaten Veranstaltungen zusammenkommen. Dafür gibt es nur noch eine einzige Ausnahme: Bei der reinen Kernfamilie (Verwandtschaft in gerader Linie, Geschwister und jeweilige Partner) können es auch mehr sein. Im Interesse der Sicherheit aller werden die Bürger in diesem Zusammenhang eindringlich darum gebeten, soziale Kontakte, die nicht unbedingt sein müssen, in der nächsten Zeit auf ein Minimum zu beschränken.

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Veranstaltungen: An öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal 50 Personen teilnehmen. Das Gesundheitsamt kann in begründeten Ausnahmefällen allerdings auch mehr Teilnehmer zulassen. Feiern aus privatem Anlass – also etwa zu einem Geburtstag oder anlässlich einer Hochzeit – zählen ausdrücklich nicht zu dieser Kategorie. Dort gilt deshalb die Obergrenze von zehn Teilnehmern. Unter freiem Himmel dürfen maximal 100 Personen an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen. Das gilt auch für Trauerfeiern im Freien. Für kulturelle Veranstaltungen mit fest zugewiesenem Sitzplatz sind maximal 150 Personen zugelassen.

Gastronomie: Ab 23 Uhr gilt eine Sperrzeit für alle Schank- und Speisewirtschaften, die bis 6 Uhr des Folgetags andauert.

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Pflegeeinrichtungen: Bewohner von Pflegeeinrichtungen, die nach einem Krankenhausaufenthalt (wieder) dort aufgenommen werden, müssen zuvor zwingend einen Corona-Test machen, wenn ihr letzter Test länger als 48 Stunden zurückliegt.

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Landrat Brötel ruft entsprechend dazu auf, sich mit den neuen Regelungen zu befassen und diese konsequent umzusetzen: „Ob es uns passt oder nicht: Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben und jetzt erst recht ganz konsequent, aber zugleich auch besonnen zu handeln. Jeder einzelne Infektionsfall ist definitiv einer zu viel. Den Kampf gegen das Virus können wir aber nur gemeinsam gewinnen. Man kann es deshalb auch so formulieren: Wir stehen in einer Verantwortungsgemeinschaft füreinander. Deshalb habe ich die Bitte, sich auch weiterhin dieser Verantwortung zu stellen und aktiv dazu beitragen, die Krise zu meistern.“

Der genaue und damit entscheidende Wortlaut der Allgemeinverfügung kann auf der Website des Kreises www.neckar-odenwald-kreis.de abgerufen werden. Die Allgemeinverfügung tritt außer Kraft, sobald die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Fällen pro 100 000 Einwohnern bezogen auf den Neckar-Odenwald-Kreis an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wird.

An den beiden Standorten der Neckar-Odenwald-Kliniken machen sich die steigenden Corona-Zahlen derzeit bemerkbar. Aktuell werden sechs positiv getestete Patienten behandelt. In Buchen wird ein Patient mit Positivbefund auf der Isolationsstation medizinisch versorgt. Zwei weitere Verdachtsfälle befinden sich in der Abklärung. In Mosbach sind die Zahlen, nicht zuletzt durch ein betroffenes Pflegeheim , höher: Auf der Isolationsstation werden drei positiv getestete Patienten medizinisch behandelt, zwei weitere befinden sich auf der Intensivstation. In einem dieser Fälle ist eine Beatmung notwendig. Zusätzlich läuft an diesem Klinikstandort in zwei Fällen auf der Isolations- und Intensivstation die weitere Abklärung.

Besuchsregelung in den Kliniken

Der Ärztliche Leiter und Chefarzt Dr. Harald Genzwürker sowie Geschäftsführer Frank Hehn betonen, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Einschränkungen des regulären Klinikbetriebs bestehen. Auch die Regelung mit einem Besucher am Tag pro Patient gilt weiter. Die Klinikstandorte darf nur betreten, wer keine typischen Symptome aufweist und keine Kontakte zu positiv Getesteten hatte. Dies gilt auch für die Partner der Schwangeren, die unter diesen Voraussetzungen weiterhin bei den Entbindungen im Kreißsaal anwesend sein dürfen. „Wir achten strikt darauf, dass Patienten mit einem positiven Nachweis von SARS-CoV-2 und Verdachtsfälle in räumlich strikt abgegrenzten Bereichen separat von allen anderen Patienten behandelt werden. Die Versorgung von Notfällen und auch geplanten Eingriffen erfolgt zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin in gewohnter Weise“, so Chefarzt Genzwürker.

Insgesamt neun neue Corona-Infektionen meldete das Landratsamt am Dienstagnachmittag. Derzeit sind 87 Personen von einer Infektion betroffen. Sieben Personen sind im Vergleich zum Montag nicht mehr infektiös, insgesamt 564. Die Inzidenz liegt bei 58,5.

In dieser Woche werden landesweit Schwerpunkt-Kontrollen zur Einhaltung der Quarantänepflicht durchgeführt. Das Konzept sieht vor, dass die Kommunen – konkret die für die Überwachung des Infektionsschutzes zuständigen Ortspolizeibehörden – am 21. Oktober und 22. Oktober die Quarantäneverpflichtung verstärkt überprüfen werden.

Die Städte und Kommunen im Landkreis überprüfen die Quarantänen regelmäßig und stehen in engem Kontakt zu ihren in Quarantäne gesetzten Einwohnern. Landrat Dr. Achim Brötel lobt in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit den Ortspolizeibehörden. „Die Bürgermeisterämter übernehmen in der Corona-Krise eine zentrale Überwachungsfunktion und leisten Erhebliches, um die angeordneten Maßnahmen zu überwachen und durchzusetzen. Mit dem Aktionsaufruf wird der Fokus auch einmal auf die gelenkt, die letztendlich die Einhaltung der Maßnahmen kontrollieren müssen. Dies ist eine nicht immer leichte Aufgabe, die meist ohne Personalverstärkung zusätzlich bewältigt werden muss.“

Mitarbeiter des Landratsamts stehen für Fragen unter Telefon 06261/843333 oder 06281/52123333 wochentags von 8 bis 16 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen von 11 bis 15 Uhr zur Verfügung. Bild: dpa