Wiegenfest in Hettingen - Karl Scheuermann feiert heute seinen 90. Geburtstag Geradlinig und bescheiden durchs Leben

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Hettingen. Pflichtbewusst, geradlinig und bescheiden durchs Leben gehen. Bodenständig sein und Heimattreue zeigen, ist die Lebensdevise des Hettingers Karl Scheuermann, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Als ältester von sieben Kindern des Landwirtsehepaares Hermann Scheuermann und Johanna (geborene Kirchgeßner) erblickte der Jubilar am 15. November 1926 in Hettingen das Licht der Welt. Hart und entbehrungsreich, dafür reich an Arbeit, waren die Kindheit und Jugendjahre des Jubilars.

Seinen 90. Geburtstag feiert heute Karl Scheuermann.

© Karl Mackert

"Das geht unter die Haut"

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Nach der Volksschule erlernte er bei der Firma Schifferdecker in Hainstadt das Schreinerhandwerk und legte mit Erfolg die Gesellenprüfung ab. Gleich danach wurde er zum Reichs-Arbeitsdienst (RAD) nach Rothenburg/Tauber eingezogen und nach kurzer Zeit voll in die Wehrmacht übernommen. In Würzburg kam er zum Fallschirmjäger-Artillerie-Bataillon und dann über Stendal nach Frankreich in die Pyrenäen zur Ausbildung. An der holländischen Grenze musste seine Einheit Sicherungsaufgaben übernehmen und den anrückenden Feind aufhalten.

In eindrucksvoller Weise schildert Karl Scheuermann seine Kriegserlebnisse, als er als knapp 19-Jähriger miterleben musste, wie ein guter Freund neben ihm von Schrapnell-Splittern getroffen wurde und ihm zu Füssen sank. "Das geht einem schon unter die Haut", so Karl Scheuermann. Als die Einheit ins damalige Deutsche Reich zurückverlegt wurde, und bei einem Stoßtrupp auf massive Feindberührung stieß, gab der Truppführer die Anweisung "rette sich wer kann" - was nichts anders hieß, jeder ist ab sofort für sich selbst verantwortlich.

In einem nahen Bauernhof tauschte Karl Scheuermann seine Uniform gegen einen "blauen Anton" ein und machte sich auf den Heimweg in Richtung Würzburg. Doch die Amerikaner griffen ihn auf und er kam in deren Gefangenlager zuerst nach Magdeburg, über Hannover ins Rheinland und dann nach Reims in Frankreich, dem Sitz des Generalstabs der US-Armee. Bei einem Appell der Gefangenen stand Karl Scheuermann in der letzten Reihe als der Oberbefehlshaber der Alliierten, General Dwight D. Eisenhauer, der spätere amerikanische Präsident, auf ihn zuging und ihn nach seinen Alter und Wohlbefinden fragte. Karl Scheuermann nannte sein Alter und fügte hinzu, dass die Gefangenen stets Hunger hätten. Ab dem nächsten Tag gab es für alle täglich ein zweites Frühstück und die Essensration fiel reichlicher aus.

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1947 kehrte der Jubilar aus der Kriegsgefangenschaft zurück in die Heimat und arbeitete wieder bei seiner alten Firma. Aus der Ehe, die er im November 1955 mit Ottilie Sanns schloss, gingen die Kinder Klaus, Kurt und Elli hervor. Im Gewann "Befeltal" baute er für seine Familie ein Eigenheim, das damals noch von Hand ausgegraben wurde. Seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren wird Karl Scheuermann von seiner Familie betreut.

Zum heutigen Ehrentag gratulieren dem Jubilar neben den Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten auch zahlreiche Hettinger Bürger. Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen gerne an. KM