Leserbrief - Zu „Für Landwirtschaft ein Schlag . . .“ (FN, 13. Februar) „Gemeinsam Lösungen für Insektenschutz gestalten “

Von 
Amelie Pfeiffer
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Das Biodiversitätsstärkungsgesetz in Baden-Württemberg war ein großer Meilenstein im Schutz der Insekten als Ergebnis eines dialogbasierten Prozesses von Naturschutz, Landwirtschaft und Gesellschaft. In diesem Gesetz wurden als Ziel festgelegt, die Ökolandwirtschaft auszubauen und eine Reduktion von Pestiziden um 40 bis 50 Prozent als Gesamtmenge im Land und nicht auf jedem einzelnen Hof bis 2030 zu erreichen.

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Für den Haushalt 2020/21 hat die grün-geführte Landesregierung zusätzlich 60 Millionen Euro bereitgestellt um diese Ziele zu erreichen. Außerdem wurden weitere Felder des gesellschaftlichen Lebens berücksichtigt, wie zum Beispiel das Verbot von Schottergärten auf Privatgrundstücken, denn Verantwortung für den Insektenschutz sollten wir alle übernehmen. Verbote, wie sie das Aktionsprogramm „Insektenschutz“ der Bundesregierung vorsieht, gefährden die erfolgreiche Förderpolitik im Land, daher lehne auch ich dieses Verbot ganz klar ab.

Mit der Landesförderpolitik wird in Baden-Württemberg das Engagement von Bauern in der Pflege und Erhaltung der Lebensräumen in den Natura 2000 Gebieten über den Vertragsnaturschutz und das Förderprogramm für Agarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) gefördert. Von den 429 000 Hektar FFHJ -Gebietsflächen werden etwa 99 700 Hektar landwirtschaftlich genutzt und spielen damit eine zentrale Rolle für den Erhalt der vielfältigen Lebensräume. Den finanziellen Spielraum, den uns die europäische Agrarpolitik, an der noch verhandelt wird, einräumt, müssen wir im Land unbedingt ausschöpfen, um finanzielle Anreize und Einkommensalternativen für Landwirte zu schaffen, die natur- und tierschutzgerecht wirtschaften und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Im Bund wurde leider die Chance verpasst, miteinander um einen Kompromiss zu ringen, wie es uns in Baden-Württemberg gelungen ist. Bundesumweltministerium und Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum sind nicht in den Dialog miteinander getreten, um gesellschaftliche Forderungen nach mehr Natur- und Tierschutz im Einklang mit echten Zukunftsperspektiven für Landwirte auf den Weg zu bringen. Wenn Probleme aber immer einfach auf die Seite geschoben werden, dann kommen letzten Endes immer Verbote als Ergebnis heraus. Daher rufe ich alle Beteiligten erneut auf, miteinander im Gespräch zu bleiben, gemeinsam Lösungen zu gestalten solange es noch Handlungsspielräume gibt. Denn dann haben alle etwas davon: Landwirtschaft, Natur und Gesellschaft. Das ist unsere Vorstellung eines Gesellschaftsvertrages für die Zukunft.