Corona im Neckar-Odenwald-Kreis - Aktuell noch 74 Infizierte / 348 Menschen wieder gesund / 22 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus Fallzahlen stagnieren auf hohem Niveau

Von 
Ralf Scherer
Lesedauer: 
Im Neckar-Odenwald-Kreis sind aktuell 444 Infektionen (blaue Kurve) mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. 348 Menschen (grüne Kurve) sind inzwischen wieder gesund. An den Folgen der Erkrankung sind bisher 22 Menschen (schwarze Kurve) im Alter von 65 bis 93 Jahren gestorben. © Ralf Scherer

Neckar-Odenwald-Kreis. Seit das Landratsamt am 6. März die erste Infektion mit dem neuartigen Coronavirus im Neckar-Odenwald-Kreis bestätigt hat, sind 82 Tage vergangen. Bei 444 Menschen im Landkreis ist seitdem der Erreger nachgewiesen worden. 348 von ihnen haben die Infektion inzwischen überwunden und gelten als geheilt. 22 Personen im Alter von 65 bis 93 Jahren sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 4,95 Prozent und damit fast exakt auf dem landesweiten Niveau in Baden-Württemberg (4,93 Prozent). Bundesweit sind 4,64 Prozent der nachweislich Infizierten an den Folgen der Erkrankung gestorben.

AdUnit urban-intext1

Im Vergleich mit benachbarten Landkreisen fällt die Bilanz im Neckar-Odenwald-Kreis deutlich schlechter aus. Von 497 Infizierten im Main-Tauber-Kreis sind zehn gestorben (2,01 Prozent). Im Landkreis Miltenberg sind unter 288 Infizierten bisher fünf Todesfälle zu beklagen (1,74 Prozent). In der Metropolregion Rhein-Neckar weist der Neckar-Odenwald-Kreis die höchste Sterblichkeitsrate auf. Von insgesamt 129 Todesfällen in Verbindung mit dem Coronavirus in der Metropolregion sind 22 (17 Prozent) im Neckar-Odenwald-Kreis zu verzeichnen. Zum Vergleich: Der Bevölkerungsanteil des Neckar-Odenwald-Kreises in der Metropolregion beträgt lediglich 5,6 Prozent.

Auch bei der Zahl der Infizierten pro 100 000 Einwohner liegt der Neckar-Odenwald-Kreis in der Metropolregion mit 309 Fällen an der Spitze. In deutlichem Abstand folgen der Landkreis Worms (251 Fälle pro 100 000 Einwohner) und der Landkreis Bad Dürkheim (245 Fälle pro 100 000 Einwohner). Im benachbarten Rhein-Neckar-Kreis haben sich nachweislich 956 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht 174 Fällen pro 100 000 Einwohner. Im Main-Tauber-Kreis bewegt sich das Infektionsgeschehen auf einem ähnlichen Niveau wie im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort wurden bisher 397 Erkrankungen bestätigt (299 Fälle pro 100 000 Einwohner).

Drei Tage ohne neue Infektionen

Dass im Neckar-Odenwald-Kreis bisher erfolgte Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssten, ist derzeit nicht zu befürchten. Bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz, also den Neuinfektionen innerhalb der zurückliegenden sieben Tage, sind aktuell sechs Fälle pro 100 000 Einwohner zu verzeichnen. Die von der Bundesregierung in Absprache mit den Bundesländern vereinbarte Obergrenze liegt bei 50.

AdUnit urban-intext2

Trotz drei Tagen in Folge ohne Neuinfektionen hinkt der Neckar-Odenwald-Kreis der Entwicklung in anderen Regionen noch ein gutes Stück weit hinterher. So beträgt der Anteil der zwischenzeitlich Genesenen im Neckar-Odenwald-Kreis aktuell 78 Prozent. Alle übrigen Stadt- und Landkreise in der Metropolregion Rhein-Neckar verzeichnen Werte von deutlich über 80 und in den meisten Fällen sogar weit über 90 Prozent. Als bisher einziger Kreis in der Metropolregion kann sich der der Landkreis Landau sogar als coronafrei bezeichnen.

Über das Infektionsgeschehen auf der Ebene der Gemeinden ist im Neckar-Odenwald-Kreis nach wie vor wenig bekannt. Das Landratsamt verweigert dazu jegliche Auskunft und beruft sich auf den Datenschutz sowie überwiegende öffentliche oder schutzwürdige private Interessen, die ansonsten verletzt würden.

AdUnit urban-intext3

„Die Bürger müssen in der aktuellen Phase der Epidemie davon ausgehen, dass in jeder Kommune des Kreises das Virus auftreten kann. Entsprechend muss sich jeder gleichermaßen schützen“, teilte Jan Egenberger, Pressesprecher des Landratsamts, nach wiederholter Nachfrage der FN mit. Bei Wohnortangaben von Infizierten handele es sich um besonders sensible Daten. „Die Nennung der Orte könnte die Menschen einerseits in falscher Sicherheit wiegen, wenn in ihrer Kommune kein Fall ist. Andererseits könnte auch die Fehlinterpretation von Meldungen über Infektionen zu einem Fehlverhalten führen“, so Egenberger. Im Main-Tauber-Kreis trauen die Verantwortlichen ihren Bürgern mehr verantwortungsbewusstes Verhalten zu. Dort stellt das Landratsamt seit Anfang April täglich aktuelle Daten über die Zahl der Erkrankten und zwischenzeitlich Genesenen in den 18 Gemeinden zur Verfügung. „Damit soll eine noch größere Transparenz hergestellt werden“, begründete der Corona-Krisenstab diese Vorgehensweise.

AdUnit urban-intext4

Auch im Rhein-Neckar-Kreis fiel die Abwägung zwischen Informationsinteresse der Öffentlichkeit und schutzwürdigen Interessen von Betroffenen zugunsten der Öffentlichkeit aus. „Für den Zuständigkeitsbereich unseres Gesundheitsamtes sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass unsere bisherige Informationspraxis einen sachgerechten Ausgleich gewährleistet“, erklärte Ralph Adameit, stellvertretender Pressesprecher des Rhein-Neckar-Kreises. Täglich weist deshalb eine Übersichtskarte den aktuellen Stand der Infektionsfälle in den jeweiligen Gemeinden aus.


Die Entwicklung der Corona-Pandemie in der Region Odenwald-Tauber haben wir seit der Bestätigung der ersten Fälle statistisch ausgewertet und in verschiedenen Grafiken und Tabellen aufbereitet. Die täglich aktualisierten Zahlen finden Sie für den Neckar-Odenwald-Kreis unter www.fnweb.de/corona-odenwald und für den Main-Tauber-Kreis unter www.fnweb.de/corona-tauber im Internet.

Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.