Leserbrief - Über die Potenziale eines Baggersees bei Hainstadt

Eine geeignete Maßnahme, die Folgen des Klimawandels abzufedern

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Leserbrief-Schreiber: Gerit Scheuermann
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Vor Jahren schon hat der Deutsche Wetterdienst in seinem Klimastatusbericht die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft dazu aufgefordert, die negativen Folgen des Klimawandels im Land durch geeignete Maßnahmen abzufedern. Was ist seitdem passiert?

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Regenwolken überfliegen in der Regel Trockengebiete und regnen sich dort ab, wo sie durch Verdunstung zum „Überlaufen“ gebracht werden. Bei extremen Dürreperioden im Wechsel mit Starkregenereignissen, ist das Mittel der Wahl also die Rückhaltung von Niederschlagswasser in der Fläche.

Eine zielführende Maßnahme in dieser Hinsicht wäre die Anlage eines großen Baggersees im derzeitigen Tonabbaugelände in Hainstadt. Wie ist hier der Stand der Dinge?

In wenigen Jahren wird die Grube ausgebeutet sein, die Rückverfüllung mit Erdaushub (aus allen Herren Länder) verläuft im Moment schneller als der Abbau. Laut Rekultivierungsplan soll die etwa 14 Hektar große Fläche wieder zu Ackerland werden.

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Die Umsetzung der Maßnahme unterliegt dem Betreiber. Geplant sind zwei bis drei kleinere, flache Stillgewässer zum Schutz seltener Arten, ein zeitweiliges Austrocknen ist vorhersehbar.

In der besagten Fläche steckt aber wesentlich mehr Potenzial, und zwar, wenn man den bereits bestehenden Rest eines ehemaligen 1,2 Hektar großen Baggersees über eine Geländemulde von circa 100 Meter Länge an die Abbaufläche anschließen würde.

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Dieser See am Talbuckel wäre vor Jahren beinahe vollständig der Verfüllung mit dem Aushub der Stadthalle zum Opfer gefallen, und konnte nur durch die Einschaltung der Presse gerettet werden.

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Er hat mit circa 130 Hektar ein wesentlich größeres Einzugsgebiet. Was könnte daraus entstehen? Eine circa fünf bis sieben Hektar große Wasserfläche mit vielleicht 500 000 Kubikmeter Wasser darin sowie geschützte Bereiche mit Steilufern und Verlandungszonen im Wechsel für den Artenschutz. Ein flaches Ufer mit Liegewiese, drumherum ein Streuobstgürtel und Windschutzhecken.

Für die Land- und Forstwirtschaft die Möglichkeit der Wasserentnahme für die Notbewässerung beziehungsweise die Aufzucht neuer Baumbestände. Ausreichend Löschwasser für die Bekämpfung der kommenden Waldbrände, auch aus der Luft, nicht zu vergessen. Das Ganze bereits mit einer fünf Meter breiten Straße erschlossen, und ohne die teure Errichtung einer Aufstauung.

Über die Biotopvernetzung wäre der See angeschlossen an das große Feuchtgebiet „Lappen“. Der Zufluss über den alten Baggersee ergäbe eine Verlängerung der Vernetzung um weitere 1,5 Kilometer. Wer schon einmal den dortigen „Froschregen“ mitverfolgen konnte, ahnt vielleicht, wie wichtig die Vernetzung wäre. Ein Anziehungspunkt für Mensch und Tier, ein Platz für die Naherholung und den hochgelobten Tourismus im Neckar-Odenwald-Kreis, und eine geeignete Maßnahme die Folgen des Klimawandels, hier bei uns, abzufedern.

Natürlich gibt es auch negative Aspekte, wie beispielsweise die Lenkung des Besucherandrangs in offener Flur. Auch die Finanzierung und Unterhaltung eines solchen Projektes von öffentlicher, privater oder gar genossenschaftlicher Hand wird nicht einfach sein.

Eine Gemeinde, die mit ihrer tollen Naturlandschaft wirbt, gleichzeitig ihre Anziehungskraft aber nur über neue klimaschädliche Baugebiete zu verbessern sucht, sollte sich eines solchen „Landschaftserhaltungsprojektes“ nicht entziehen.

Verschiedene Kommunalpolitiker wurden bereits kontaktiert, passiert ist nichts. Vielleicht wurde aber nur nicht das Potenzial erkannt, welches in dem Projekt stecken könnte.

Der Klimawandel nimmt weiter Fahrt auf und bedroht den Erhalt unserer Naturlandschaft. Die Land- und Forstwirtschaft als Gestalter dieser Naturlandschaft ist heute schon stark betroffen, droht aber allein gelassen zu werden.

Die Klimagasreduktion allein wird nicht mehr reichen, wir müssen uns alle um den Erhalt unserer Landschaft kümmern und auch alle dabei mitnehmen. Vielleicht finden sich ja noch mehr Unterstützer und bewirken eine Planänderung, falls von „oben“ nichts kommt, und zwar jetzt, sonst ist das große „Loch“ schnell verfüllt. Auf eine lebendige Diskussion hoffend, weil „Wasser ist Leben“.