Leserbrief - Über die Herausforderungen, einen Impftermin zu bekommen „Ein Lottogewinn ist wahrscheinlicher“

Von 
Thorsten Diehm
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Mit Verwunderung stelle ich fest, dass noch kein Leser zum Thema Anmelden zur Impfung einen Kommentar in dieser Zeitung abgegeben hat. Da es mir jetzt endlich reicht, möchte ich meine Erfahrungen hierzu abgeben.

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Da ich als fast 60-jähriger noch lange nicht dran bin, habe ich mich für meine 82-jährige Mutter und meine Tante bemüht, Impftermine im Kreisimpfzentrum in Mosbach zu bekommen. Mein Fazit bis zum heutigen Tag ist, dass ein Lottogewinn wahrscheinlicher ist, als für diese beiden älteren Damen einen Impftermin zu bekommen. Zunächst einmal, welcher Senior beziehungsweise welche Seniorin über 80 Jahre hat zu Hause eine E-Mail-Adresse, einen PC, Laptop oder Smartphone. Meine Mutter und meine Tante jedenfalls nicht.

Deshalb war es für mich keine Frage, dass ich mich darum kümmere. Ein Anruf kam für mich eigentlich nicht in Frage, da ich nicht ewig in einer Warteschleife verbringen wollte, und deshalb versuchte ich es im Internet. Eine Antwortmail mit den beiden Vermittlungscodes war das Einzige, was ich erreichen konnte. Ich habe bestimmt schon über 200 Mal versucht Termine zu bekommen, jedoch bekam ich nur den Standardspruch „Derzeit keine Termine verfügbar, versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt“ zu lesen.

Einmal wurden mir drei Termine angezeigt. Ich war erst so perplex, dass mir fast das Tablet aus der Hand gefallen wäre. Nun musste ich ja erstmal den Namen, die Anschrift sowie die Erreichbarkeit meiner Mutter angegeben. Nachdem dies geschehen war, klickte ich auf „Termin buchen“, und siehe da, es kam die Meldung „Dieser Termin ist bereits vergeben“.

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Ich habe dann meiner Mutter gebeichtet, dass ich fast einen Termin für sie gehabt hätte. Weiterhin unternahm ich unzählige Versuche, welche alle scheiterten. Mein Sohn versuchte, um 0 Uhr einen Impftermin zu bekommen, was nicht möglich war. Innerhalb von 90 Sekunden waren alle Termine vergeben.

Ich empfinde es als eine Frechheit, was man unseren Senioren und Seniorinnen hier zumutet. Warum ändert man nicht diese Praxis? Die Impfung selbst ist doch auch generalstabsmäßig von A bis Z durchorganisiert.

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Jede impfwillige Person meldet sich mit einem Anruf oder im Internet an und registriert sich. Dann wird je nach Verfügbarkeit des Impfstoffes und Feststellung der Impfgruppe, in welcher sich diese Person befindet, ein Termin mitgeteilt. Dieser wird dann von der Person bestätigt und das war’s.

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Aber warum denn einfach, wenn es auch kompliziert geht.