Ergebnisse der Meinungsumfrage vorgestellt - Ortschaftsrat befragte Einwohner nach deren Zufriedenheit mit der Dorfentwicklung / Fehlende Einkaufsmöglichkeiten beschäftigen die Teilnehmer Eberstadt stellte sich selbst auf den Prüfstand

Von 
Marcel Sowa
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Altbekannte, aber auch neue Erkenntnisse über Probleme erhielt der Ortschaftsrat Eberstadt dank einer Meinungsumfrage. Dieser stand unter dem Motto „Eberstadt lebens- und liebenswert?“

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Eberstadt. „Wenn Sie als Ortschaftsrat tätig wären, welche Themen würden Sie zuerst in Angriff nehmen? Welche Angebote und Einrichtungen fehlen? Fühlen Sie sich sicher in Eberstadt?“: Mit einer Meinungsumfrage ging der Ortschaftsrat Eberstadt Ende 2018 einen ungewöhnlichen Weg für die regionale Kommunalpolitik. Die Fragebögen wurden an die Haushalte verteilt, jeder Einwohner ab dem Alter von 16 Jahren durfte anonym mitmachen. In der Umfrage sollten unter anderem Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien sowie die Einkaufsmöglichkeiten, Sporteinrichtungen und Vereine benotet werden. Außerdem durften die Teilnehmer aufschreiben, was ihrer Meinung nach in Eberstadt fehlt und welche Projekte vorangetrieben werden sollen. Auch die Arbeit des Ortschaftsrates stand auf dem Prüfstand. Schlussendlich beteiligten sich von 415 Bewohnern, die in Eberstadt ihren Hauptwohnsitz haben, 102 Bürger und lieferten dem Ortschaftsrat wertvolle Erkenntnisse. In der jüngsten Sitzung am Donnerstag wurden die Ergebnisse vorgestellt. „Einiges davon wussten wir schon, aber es waren auch überraschende und neue Rückmeldungen dabei“, erklärt Nico Hofmann im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Umstrittener Farrenstall

Unter die Kategorie „Überraschung“ fiel unter anderem das Thema Farrenstall. Das alte Gebäude wird derzeit auf Vordermann gebracht, um daraus einen interkulturellen Treffpunkt zu machen. „Das war früher ein richtiger Schandfleck im Ort“, erinnert sich der Ortsvorsteher. Der Umbau wurde mit der Unterstützung zahlreicher Helfer und mittels Zuschüssen vom Land umgesetzt. „Ein tolles Projekt, auch weil viele Asylbewerber mitgeholfen haben und dadurch besser integriert wurden“, erzählt Hofmann. Wie aber in der Umfrage herauskam, ist die Meinung zu diesem Projekt eher zwiegespalten. Zwar stuften 46 Prozent der Teilnehmer die Sanierung als wichtig ein, doch 38 Prozent bewerteten diese als unnötig. „Damit haben wir nicht gerechnet“, gesteht der Ortsvorsteher. Als „erschreckend“ bezeichnet Hofmann das Ergebnis zum Projekt Judendenkmal: 28 Prozent stuften es als unnötig ein, 28 Prozent machten keine Angabe dazu. 44 Prozent bewerteten es als wichtig. „Der Gedenkstein soll an die Juden aus Eberstadt erinnern, die nach Neckarzimmern gebracht und von dort nach Auschwitz deportiert wurden. Das Ergebnis ist sehr bedauerlich“, betont der Ortsvorsteher.

Positiv waren dagegen die Meinungen zu den Themen Kinderferienprogramm, Neubau der Kläranlage und Orts-Adventskalender. Auch dass Eberstadt einen Kindergarten hat, kommt gut an. „Dieser stand 2015 kurz vor dem Aus, doch die evangelischen Kirchengemeinde übernahm zum Glück die Trägerschaft. Seitdem sind alle Plätze ausgebucht.“ Auf die Frage „Wenn Sie als Ortschaftsrat tätig wären, welche Themen würden Sie zuerst in Angriff nehmen?“ antworteten viele mit Straßensanierung, Baugebiet, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie sowie Sicherheit.

Auf der Suche nach einem Bäcker

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„Seitdem wir keinen Metzger und Bäcker mehr im Ort haben, ist das Angebot wirklich schlecht. Es gibt quasi nichts mehr. Wir wollen deshalb versuchen, einen Bäckerwagen zu organisieren, oder zumindest einen Raum, in dem ein Bäcker für ein bis zwei Stunden seine Waren anbieten könnte“, berichtet Hofmann von den Überlegungen des Gremiums. Die Straßensanierung stünde dagegen jedes Mal aufs Neue ganz oben auf der Agenda, doch „unserer Arbeit sind auch Grenzen gesetzt. Buchen hat 14 Stadtteile, die es zu unterstützen gilt.“

Auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt dagegen das Ergebnis zum Thema Sicherheit. 45 Prozent antworteten auf „Fühlen Sie sich sicher in Eberstadt?“ mit „teils/teils“. In einer weiteren Grafik, in der sich nur noch 23 Prozent zum Teil und 74 Prozent sicher fühlen, wird jedoch deutlich, dass dies einen bestimmten Grund hat. Das bestätigt auch Hofmann: „Wir haben hier leider eine Person, die für Unruhe sorgt, die schon Autos zerkratzt und mit Steinen um sich geworfen hat. Das haben viele Teilnehmer als Grund angeben, deshalb muss man das Ergebnis auch etwas relativieren.“ Auch die Verkehrssituation spiele eine große Rolle, denn „vor allem am Ortsein- und ausgang sind viele Autofahrer zu schnell“.

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Auch wenn er sich eine größere Beteiligung gewünscht hätte, so sei er doch grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis. „Im Ort wird immer viel geredet. Wir wollten herausfinden, was die Einwohner wirklich bewegt und auch wie sie die Arbeit des Ortschaftsrates bewerten.“ Offensichtlich positiv, wie die Umfrage zeigt: Die Arbeit des Gremiums stuften 87 Prozent als wichtig ein und bewerteten diese mit der Note 2. 75 Prozent der Befragten sind mit Eberstadt als Wohnort zufrieden. „Das ist auch eine Bestätigung für uns als Ortschaftsrat“, freut sich Hofmann.

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„Wir haben lange diskutiert, ob wir die Umfrage starten sollen, immerhin sind im Mai die Kommunalwahlen und dem Nachfolgergremium überlassen wir damit ein hilfreiches Paket.“ Doch er weiß aus Gesprächen, dass viele der bisherigen Ortschaftsräte erneut antreten werden. Auch Hofmann selbst möchte erneut kandidieren. „Die Zeichen stehen gut, dass wir uns mit den Ergebnissen weiterhin befassen und somit die Entwicklung von Eberstadt vorantreiben können.“ Bis zu den Wahlen im Mai gelte es, sich die über 300 Anregungen anzuschauen und zu prüfen, ob und wie diese umgesetzt werden können.

Ob eine solche Umfrage auch für größere Städte geeignet ist, bezweifelt Hofmann. „Ich vermute: Je größer die Stadt, desto schwieriger wird es. In einem Dorf wie Eberstadt identifizieren sich die Menschen viel mehr mit der Gemeinschaft.“ Die Umfrage werde, insofern man die Chance dazu erhalte, erst in drei Jahren wiederholt, denn: „Die Vorbereitung und Auswertung ist sehr aufwendig. Und schließlich brauchen wir auch Zeit, die Wünsche und Anregungen umzusetzen.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen