Umweltminister Franz Untersteller besuchte die AWN in Buchen - Über die "Restmüllarme Abfallwirtschaft" und die Biomasseverwertung im Neckar-Odenwald-Kreis informiert Dr. Brötel: "Zwei hoch innovative Projekte"

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Olaf Borges
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Im Biomassezentrum informierte sich Umweltminister Franz Untersteller (Siebter von rechts) auch über die Herstellung von Pflanzenkohle.

© Olaf Borges

Das Pilotprojekt "Restmüllarme Abfallwirtschaft" stand beim Besuch des Umweltministers ebenso auf der Tagesordnung wie die Biomasseverwertung im Neckar-Odenwald-Kreis.

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Buchen. "Wir freuen uns, dass Sie sich Zeit nehmen für zwei wirklich hoch innovative Projekte, die uns selbst sehr am Herzen liegen", begrüßte Landrat Dr. Achim Brötel Umweltminister Franz Untersteller im Zentrum für Entsorgung und Umwelttechnologie Sansenhecken in Buchen. Er bezeichnete die AWN als "absolutes Erfolgsmodell", weshalb man den eingeschlagenen Weg konsequent weiter ausbauen wolle. Man sei gerade dabei, so Brötel, die AWN zu einer Anstalt des öffentlichen Rechts umzubauen, die dann auch Kreislaufwirtschaft Neckar-Odenwald - KWIN - heißen solle. "Darin steckt jenseits der Namensänderung im Übrigen zugleich eine klare inhaltliche Botschaft, weil die Kreislaufwirtschaft dann auch schon vom Namen her über der Abfallwirtschaft steht", erklärte der Landrat.

Recht und Gesetz

"Ich bin jemand, der sich an Recht und Gesetz hält", unterstrich der Umweltminister. Und das habe er auch bei der im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerten getrennten Erfassung getan. Sechs Landkreise wollten das Bundesgesetz jedoch nicht umsetzen, weshalb Gespräche nötig wurden. Den vorgelegten Stufenplan des Neckar-Odenwald-Kreises habe man "gut mitgehen können". Auch Franz Untersteller sprach von einer "innovativen Lösung", da eine energetische und stoffliche Verwertung erfolge. "Wenn das Konzept stufenweise bis 2020 eingeführt wird, ist das für uns akzeptabel", erklärte der Minister.

Auch auf die Annahme der freigemessenen Abfälle aus dem Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim in Sansenhecken ging Untersteller ein. "Im Grunde genommen habe ich da keine Zuständigkeit, das ist alles durch den Bundesgesetzgeber in der Strahlenschutzverordnung geregelt", hob der Landespolitiker hervor. Er habe einmal eingegriffen, weil es Unklarheiten bei der Nachnutzung gegeben habe. Deshalb habe er ein Fachgutachten erstellen lassen. "Ich habe gehofft, dass dieses Eingreifen einiges an Emotion herausnimmt, habe mich aber diesbezüglich getäuscht." Wenn man vom Inhalt überzeugt sei, solle man aber daran festhalten und nicht den Gefühlen nachgeben.

Projekt wird ausgedehnt

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Das Pilotprojekt "Restmüllarme Abfallwirtschaft" werde 2018 auf die Gesamtgemeinde Hardheim (nicht nur den Kernort wie bisher) und das ganze Mittelzentrum Buchen sowie 2019 auf das zweite Mittelzentrum Mosbach und die Gemeinde Seckach ausgedehnt. "Wir werden mit unserem Modell wesentlich mehr Küchenabfälle erfassen, als das Land in seinen eigenen Erwartungen für 2020 formuliert", zeigte sich Dr. Brötel sicher.

Dr. Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts, stellte das Konzept der "Restmüllarmen Abfallwirtschaft" im Kreis vor. Es läuft in Rosenberg seit 2010. Im Jahr 2013 wurde auf Hardheim/Kerngemeinde erweitert, sodass nun etwa 7000 Einwohner beziehungsweise fünf Prozent der Landkreisbevölkerung beteiligt sind. "Ergänzend" zur bundesweiten Einführungspflicht einer Biotonne sei man im Neckar-Odenwald-Kreis der festen Überzeugung, dass das System "Restmüllarme Abfallwirtschaft" die sowohl ökologisch als auch ökonomisch bessere Lösung für den Kreis ist.

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Nach mehrjährigen Diskussionen mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg und dem Regierungspräsidium Karlsruhe kam Anfang 2017 das Signal des Umweltministeriums, dass das System ein gangbarer Weg sei und somit die Einführung der klassischen Biotonne überflüssig mache. Bis zum Jahr 2020 soll nun der gesamte Kreis an dieses "innovative abfallwirtschaftliche System" angeschlossen werden. Beim Konzept "Restmüllarme Abfallwirtschaft" stehen Verwertungssammlungen über die Trockene Wertstoff- und die Bioenergietonne im Fokus des Abfallwirtschaftskonzeptes. Nur Störstoffe, die eine Verwertung erschweren, werden im Rahmen einer sogenannten Störstoffsammlung erfasst. Der Kreis halte an dem Ziel fest, dass die Wertstoffsammlungen im Fokus des Abfallwirtschaftssystems stehen. Der Störstoffsack soll lediglich die Materialien herausgreifen, die einer hochwertigen stofflichen Verwertung entgegenstehen. Die separaten Sammlungen von Altpapier, Altglas, Altholz, Altmetall, Altkleidern, Elektronikschrott, Grünschnitt, Sonderabfall und Sperrmüll finden in gewohntem Umfang statt. "Das System ,Restmüllarme Abfallwirtschaft' ist bundesweit ein neuer Ansatz der Kreislaufwirtschaft, der das gesamte Wertstoffpotential im Hausmüll nützen will", so das Fazit von Dr. Kern.

26 000 Tonnen Grüngut

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"In unserem Landkreis werden pro Jahr über 26 000 Tonnen Grüngut gesammelt", erklärte Dr. Mathias Ginter, Geschäftsführer der AWN. Neben einem wöchentlichen Holsystem in der Vegetationsperiode gebe es eine Frühjahr- und Herbstsammlung, gut 40 Grüngutplätze sowie eine Christbaumsammlung. Der holzige Anteil des Grüngutes wird als Biobrennstoff vermarktet oder dient der Herstellung von hochwertiger Pflanzenkohle. Das krautige Material wird in Kompostierungs- beziehungsweise Hygienisierungsprozessen zu "normalem" Kompost oder hochwertigem Nährhumus weiterverarbeitet. Weitere geplante Verfahrensschritte sind die Herstellung von Kohlekompost (Terra Preta) und Komposttee. "Wir wollen die Entsorgung sicherstellen sowie hochwertige Substrate und Produkte herstellen", fasste der AWN-Geschäftsführer zusammen.

Für die Herstellung von Pflanzenkohle werden, je nach Feuchtigkeitsgehalt, zwischen 1200 und 1800 Tonnen holzige Biomasse benötigt. In einer Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle (Pyreg) entstehen etwa 300 Tonnen wertvolle Pflanzenkohle, die mit dem europaweit gültigen Zertifikat "EBC-Premium" ausgezeichnet ist. Pflanzenkohle findet vielfältige Verwendung für die Herstellung von Bodensubstraten, in der Tierhaltung als Stalleinstreu oder Futtermittelzusatz beziehungsweise für technische Anwendungen wie Aktivkohle, als Baustoff und in Biogasanlagen. Dieses Projekt ist vom Umweltministerium Baden-Württemberg als Klimaschutzmaßnahme mit 305 000 Euro bezuschusst. Dr. Ginter machte noch einmal auf den Titel "Förderung eines Pilotvorhabens zur ökologischen Optimierung der Grünabfallverwertung mit Hilfe eines neuen Verfahrens zur Herstellung von Pflanzenkohle aus Mitteln des Kommunalen Investitionsfonds (KIF)" aufmerksam und dankte für die Förderung. Die Pflanzenkohleanlage läuft seit Frühjahr 2016.

Das Biomassezentrum mit Pflanzenkohleanlage nahm Umweltminister Franz Untersteller vor Ort in Augenschein. Demnächst soll in diesem mit der Kompostierung gestartet werden. In einer ersten Stufe hat sich die AWN ein Ziel von 6000 Tonnen Grünschnitt pro Jahr gesetzt.

Redaktion Leiter der Redaktion Bad Mergentheim