Roland Burger feiert Jubiläum - Seit 25 Jahren Bürgermeister / 15 Jahre an der Rathausspitze in Osterburken / Schon seit zehn Jahren in Buchen aktiv "Die Dinge haben sich gut entwickelt"

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Olaf Borges
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Seit zehn Jahren sitzt Bürgermeister Roland Burger (Mitte) auf dem Chefsessel des Buchener Rathauses. Zu seiner Amtszeit befragten ihn (von links) FN-Volontär Janek Mayer, Redaktionsleiter Olaf Borges, Chefredakteur Dieter Schwab sowie der stellvertretende Redaktionsleiter Ralf Marker.

© Scherer

Buchen. Wenn Bürgermeister Roland Burger am Montag sein Dienstzimmer betritt, ist das kein gewöhnlicher Wochenanfang. Auf 25 Jahre als Bürgermeister, zehn davon in Buchen, kann er zurückblicken.

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"Aus einem jungen Burschen, der gedacht hatte, dass er alles weiß und kann, ist ein erfahrener Bürgermeister geworden, der mittlerweile zu den dienstältesten im Landkreis gehört", blickte Roland Burger auf die vergangenen 25 Jahre zurück. Aber seine Dynamik und Freude am Geschäft und am Gestalten habe er über die Jahre beibehalten.

Rückblickend auf seine Zeit in Buchen will Bürgermeister Roland Burger "nicht selbstzufrieden" sein, schaut aber "mit Befriedigung" auf die letzten zehn Jahre und genauso dankbar auf 15 "wertvolle und prägende Jahre" in Osterburken zurück. "Die Dinge haben sich gut entwickelt", so das Stadtoberhaupt in einer Gesprächsrunde bei den Fränkischen Nachrichten. Ein besonderes Highlight in seiner Buchener Zeit sei sicher das Projekt Stadthalle gewesen. Das habe die Stadt nach vorn gebracht. "Wir haben uns völlig neu in einem Segment, in dem wir vorher nicht vertreten waren, positioniert", erklärt Burger. Jetzt gebe es hochkarätige Kulturveranstaltungen, externe Gastspiele und Tagungen, was mit der alten Halle nicht möglich gewesen wäre.

Fest in Erinnerung ist ihm noch die Zeit, als er sich als Rathaus-Chef in Osterburken für eine Kandidatur in Buchen entschieden habe. Ein Kommentar in den FN von Jürgen Strein habe darauf hingewiesen, dass es um den städtischen Haushalt des Mittelzentrums "zappenduster" stehe. Ein "Sanierer" sei in Buchen gefordert, so Strein weiter, insgesamt "keine schönen Aussichten für einen künftigen Bürgermeister". Zeilen, die Burger jedoch nicht abschrecken konnten, er wollte als Buchener für Buchen arbeiten und etwas erreichen. "Es war eine schwierige Ausgangslage und es war am Anfang wirklich eine Sanierungsaufgabe", so Burger. Viele kleine Maßnahmen habe man in unzähligen Stunden erarbeitet und den Verwaltungsapparat gestrafft. Aber ohne Einrichtungen zu schließen oder Menschen zu entlassen, sei das Sparpaket geschnürt worden.

Antizyklisch investiert

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"Als dann 2008 die Wirtschaftskrise kam, haben wir ein 16-Millionen-Programm aufgestellt, Konjunkturfördermittel eingeworben, antizyklisch investiert und unter anderem die Stadthalle gebaut" - dies sei eine mutige Entscheidung gewesen, die sich ausgezahlt habe. Die Weichen seien aber in vielen Bereichen Richtung Zukunft gestellt worden und es sei gelungen, die Stadt als Mittelzentrum voranzubringen. Beispielhaft nannte Burger die IGO-Erweiterung, 30 Kilometer verlegte DSL-Kabel, öffentliches WLAN in der Innenstadt, die Runderneuerung der Bäder und Sportstätten sowie den Ausbau erneuerbarer Energien. Wichtig sei auch die Kinderbetreuung für unter Dreijährige, die Entwicklung des schulischen Angebots und die Positionierung als "zentralörtliche Funktionen erfüllende, familienfreundliche Stadt" gewesen. "Wir stehen wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor", unterstreicht Roland Burger.

Gerade habe man den neuen Haushalt vorberaten. "Wir haben eine 1100 Euro Pro-Kopf-Verschuldung auf 550 Euro halbiert und 18,5 Millionen Euro in der Rücklage", nannte er aktuelle Zahlen. "Wir haben den Haushalt konsolidiert und sind umfassend handlungsfähig", zeigte sich der Rathaus-Chef mit dem Erreichten zufrieden.

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Auch in den nächsten Jahren werde es angesichts der anstehenden Herausforderungen um die Zukunftssicherung der Stadt gehen. Hier gebe es natürlich viele Aspekte, einer davon sei die demografische Entwicklung. Dieser habe man sich in einem eineinhalbjährigen Bürgerbeteiligungsprojekt gewidmet, was zu einem vom Gemeinderat beschlossenen Maßnahmenbündel geführt habe, das man nun abarbeite. Die Einrichtung eines Mehrgenerationentreffs und des "alla-hopp" Begegnungs- und Bewegungszentrums für alle Generationen seien dabei wichtige Teilprojekte.

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Doch die Zukunft stelle die Stadt vor weitere Herausforderungen. Ab 2020 laufe der Länderfinanzausgleich aus. Die Bundesländer dürften sich nicht mehr verschulden: Es greife die Schuldenobergrenze im Grundgesetz. Das werde tendenziell dazu führen, dass weniger Geld auf der kommunalen Ebene ankommt. Die Integration der anerkannten Flüchtlinge sei eine neue riesige Aufgabe, gesamtgesellschaftlich wie auch finanziell. Burger ist dankbar, dass sich viele Menschen in der Stadt ehrenamtlich einbringen und dafür sorgen, dass die Flüchtlinge einen guten Start in Buchen bekommen. Das sei sehr wichtig. Offen sei, wie viele Flüchtlinge noch kommen. Hier spricht sich Burger klar für eine schnell greifende Begrenzung aus. Eine weitere Überforderung des Aufnahmelands Deutschland mache eine Integration dieser Menschen, die bereits jetzt eine kaum zu stemmende Aufgabe sei, geradezu unmöglich.

Der Bürgermeister geht von einer steigenden Arbeitslosenquote - in den letzten zehn Jahren sei diese von zehn auf vier Prozent gesunken - und von durch die Flüchtlingszahlen deutlich höheren Sozialkosten aus, die die Gemeinden über Kreisumlage finanzieren müssen. Das kommunale Finanzierungssystem sei für solche Herausforderungen nicht konzipiert. Schnell stehe man dann vor einer komplett veränderten Situation.

Privat war das nicht der Fall - da ging die Veränderung ganz langsam. Als Roland Burger nach Buchen kam, waren die beiden Söhne gerade mal der Grundschule entwachsen - jetzt sind sie bereits ausgeflogen. Die Familie besteht also in der Hauptsache noch aus seiner Frau Marion und ihm. Klar, dass in Anbetracht eines gut gefüllten Terminkalenders wenig Zeit bleibt, doch werde die dann umso intensiver genutzt.

Lesen ist wichtig

Einmal die Woche gehen die Burgers tanzen und regelmäßig begleite er seine Frau, wenn sie ihrem großen Hobby, dem Reiten, nachgehe. Wichtig ist dem Rathaus-Chef das Lesen, wobei Sachbücher und immer wieder philosophisch-theologische Themen auf der Lektüreliste stehen. Praktisch sei die Möglichkeit, bei der Stadtbibliothek jetzt auch elektronisch zu entleihen. "Es bereitet mir Vergnügen, permanent Hörbücher parat zu haben", die dann auf gelegentlichen Transferfahrten oder beim Joggen zum Einsatz kommen. Laufen geht er dreimal die Woche und manchmal im Jahr wird auch die Angelrute ausgepackt, was Burger dann wieder nach Osterburken führt, wo er freundschaftliche Verbindungen pflegt.

Als er vor fünf Jahren ins Rathaus gekommen sei, hätten ihn seine langjährigen Nachbarkollegen Gerhard Baar und Horst Weber mit einem Geschenkkorb empfangen und völlig mit ihrem "Jubiläumsbesuch" überrascht - daran, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre als Bürgermeister aktiv war, habe er gar nicht gedacht. Diesmal ist Roland Burger besser vorbereitet und hat die beiden alten Weggefährten für Montag zum Frühstück eingeladen.